Generalversammlung bei Fleischerzeuger Westfleisch
Zur Grillsaison steigen die Preise

Münster -

In Deutschland sinken die Tierbestände und die Schlachtungen. In Asien wütet derweil die Afrikanische Schweinepest. Weil insbesondere China deshalb mehr Fleisch importiert, steigen die Erzeugerpreise rasant – und das ausgerechnet zur Grillsaison.

Montag, 17.06.2019, 19:52 Uhr aktualisiert: 17.06.2019, 19:54 Uhr
Deutschlands drittgrößter Schlachtbetrieb Westfleisch erwartet angesichts der in Asien grassierenden Afrikanische Schweinepest steigende Preise für Fleisch und Wurstwaren. Allerdings kommen die enormen Preissprünge nur langsam beim Verbraucher an. Foto: dpa

Ungeahnte Herausforderungen

Was die heimischen Schweinezüchter erfreut, stellt die hiesigen Schlachtbetriebe vor ungeahnte Herausforderungen. So sind die Erzeugerpreise bei Schweinen allein in den vergangenen zehn Wochen um rund ein Drittel auf 1,85 €  je Kilo Schlachtgewicht gestiegen.

Im Supermarkt spürt der Kunde dies bislang jedoch kaum. „Diese Preisausschläge durch die Afrikanische Schweinepest können wir nur verzögert an den Markt weitergeben“, berichtete Carsten Schruck , geschäftsführender Vorstand bei Deutschlands drittgrößtem Fleischerzeuger Westfleisch, am Montag anlässlich der Generalversammlung in Münster.

Preise kaum durchsetzbar

Auch sein Vorstandskollege Johannes Steinhoff hat wenig Hoffnung, dass der Fleischkonzern die gestiegenen Kosten an die großen Supermarktketten weiterreichen kann: „Die höheren Preise lassen sich so schnell nicht durchsetzen.“ Die Folge: Einige Geschäftsbereiche weisen laut Schruck nach den ersten vier Monaten des Jahres nur „ein knapp positives Ergebnis aus“.

Konzern in Zahlen

2,6 Mrd. €  (minus 7,8 Prozent)  11,8 Mio. €  (minus 7,1 Prozent)  7,9 Millionen geschlachtete Tiere (plus 1,6 Prozent)  425.000 geschlachtete Tier (plus 0,2 Prozent)  168 755 Tonnen (plus 6,9 Prozent)

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Gute Einkommenssituation der Verbraucher

Gleichwohl ist die Chefetage bei Westfleisch positiv gestimmt. 2018 war der Fleischkonzern gegen den Branchentrend gewachsen und hatte knapp 7,9 Millionen Schweine sowie 425.000 Rinder geschlachtet. Einer der Gründe ist nach Einschätzung von Steinhoff die gute Einkommenssituation der Verbraucher. „Das Konsumklima befindet sich auf einem Sieben-Jahres-Hoch“, so der Vorstand.

Der Absatz von sogenannten Convenience-Produkten wie tiefgefrorenen Hamburgern, Wurst sowie Fleisch aus der SB-Theke war sogar um knapp sieben Prozent auf 169.000 Tonnen gestiegen. Obwohl der Konzernumsatz (2,6 Mrd. €) und der Gewinn (11,7 Mio. € ) im vergangenen Jahr gesunken sind, wird Westfleisch an die Genossenschaftsmitglieder eine Dividende von 4,2 Prozent ausschütten.

Asienreise mit Julia Klöckner

Vorstandsmitglied Steen Sönnichsen stimmte die anwesenden Landwirte derweil darauf ein, dass die Schweinepreise angesichts der Nachfrage aus China längere Zeit auf hohem Niveau verharren werden. „Das ist etwas, was wir noch nie erlebt haben“, sagte Sönnichsen, der erst am Montag von einer Asienreise mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner zurückgekehrt war.

In China sei die Afrikanische Schweinepest „außer Kontrolle“. Zudem grassiere die Seuche auch in Vietnam, Kambodscha und Nordkorea. In den kommenden fünf bis sieben Jahren werde China deshalb weltweit im großen Stil Schweinefleisch zukaufen müssen, so Sönnichsen. Größter Exporteur von Schweinefleisch nach China ist Deutschland.

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