Land des allsonntäglichen Einkaufs
Öffnungszeiten in Enschede bereiten deutschen Nachbarn Bauchschmerzen

Enschede -

In Deutschland machen Gewerkschaften und Kirchen gegen verkaufsoffene Sonntage mobil. In Enschede dagegen können Geschäfte an allen Sonntagen zwischen 13 und 17 Uhr ihre Türen öffnen. „Die Unternehmen sind nicht verpflichtet mitzumachen“, so eine Sprecherin des Enscheder Stadtmarketings gegenüber unserer Zeitung. Doch in den Filialen der großen Ketten ist allsonntäglich Einkaufszeit.

Donnerstag, 15.11.2018, 19:13 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 15.11.2018, 17:21 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 15.11.2018, 19:13 Uhr
Verkaufsoffene Sonntage sind in den Niederlanden nicht generell vorgesehen. Die Kommunen entscheiden darüber selbst, die Mitarbeiter der Geschäfts sind wiederum berechtigt, die Arbeit am Sonntag abzulehnen. Foto: dpa

Für den Einzelhandel in Gronau ist die Konkurrenz schmerzhaft. „Enschede ist sonntags voll“, sagt Frank Schulte vom Cityring, dem Zusammenschluss der Kaufmannschaft. In Enschede können die Geschäfte ohne Bedingungen ihre Türen öffnen; diesseits der Grenze dagegen geht das nur bei Anlässen wie Stadtfest oder Kirmes. „Für die Arbeitnehmer in Enschede ist das ein Verlust an Lebensqualität“, sagt Schulte. „Eltern können nicht mit ihren Kindern zum Fußball oder zum Reiten oder zur kulturellen Veranstaltungen. Das Leben ist ja nicht nur Konsum!“ Der Gronauer Kaufmann würde sich wünschen, dass die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage europaweit harmonisiert würde.

Auch die Rheinenser lieben das sonntägliche Shoppen. Doch die Vorsitzende des Handelsvereins, Susanne Schmidt, sieht für den örtlichen Einzelhandel nicht nur rechtliche Beschränkungen. „Die kleinen und Familienunternehmen könnten sich das gar nicht leisten, jeden Sonntag zu öffnen.“ Personell und finanziell sind Grenzen gesetzt. „Wir sind froh über die vier genehmigten verkaufsoffenen Sonntage.“ Die Anzahl reiche. Und dass die Kundschaft ihre Euros in die Niederlande trägt? „Das lässt sich nun mal nicht ändern.“ Eine europäische Lösung, fürchtet sie, würde darauf hinauslaufen, dass die Öffnungszeiten in allen Ländern liberalisiert werden.

Gewerkschaft: Sonntag ein besonderer Tag

Wie stehen die niederländischen Gewerkschaften zu dem Thema? „Auch wir halten den Sonntag für einen besonderen Tag, an dem Arbeitnehmer möglichst Zeit für die Familie haben sollten“, sagt Andrée Ruiters vom größten Gewerkschaftsbund FNV. Das niederländische Ladenöffnungszeitgesetz verbietet sonntägliche Öffnungszeiten – eigentlich. Doch die Kommunen können den entsprechenden Artikel per Ratsbeschluss außer Kraft setzen.

„Die Betriebsräte oder Personalvertretungen der Unternehmen müssen zunächst der sonntäglichen Arbeitszeit zustimmen“, erläutert Andrée Ruiters. Der Arbeitgeber muss zudem von jedem einzelnen Arbeitnehmer vor jedem verkaufsoffenen Sonntag eine Einwilligung einholen. Der Mitarbeiter hat das Recht, die Sonntagsarbeit abzulehnen.

Ruhegebot in christlichen Gemeinden

Einen Schulterschluss des FNV mit den Kirchen oder kirchlichen Organisationen gibt es in den Niederlanden in dieser Frage nicht, sagt die Gewerkschaftssprecherin. In vielen stark christlich geprägten Gemeinden stelle sich die Frage ohnehin nicht. In den dortigen Räten stellen streng-christliche Parteien die Mehrheit, denen das sonntägliche Ruhegebot heilig ist.

Auch in Enschede hatte der kleine christliche Koalitionspartner Christen Unie Bauchschmerzen mit der Zustimmung. Zumal das Angebot auch Kosten verursacht: für die Reinigung der Innenstadt, für den Park- and Ridebus, für die Parkraumüberwachung. Folge: Die ohnehin schon hohen Parkgebühren werden angehoben. Dennoch bleibt die Stadt nach eigenen Angaben auf Mehrkosten von mindestens 125.000 Euro jährlich sitzen.

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