Panik in Tirana
Über 100 Verletzte bei Erdbeben in Albanien

Das kleine Balkanland Albanien wird von einer Serie von Erdbeben erschüttert. Selbst in der Nacht kommen die Menschen nicht zur Ruhe. Die Behörden sprechen vom schwersten Erdbeben seit Jahrzehnten.

Sonntag, 22.09.2019, 09:45 Uhr aktualisiert: 22.09.2019, 09:48 Uhr
Ein beschädigtes Auto liegt nach einem Erdbeben unter den Trümmern eines Gebäudes in Tirana. Foto: Uncredited

Tirana (dpa) - Mehrere Erdbeben haben am Samstag im Balkanstaat Albanien über 100 Menschen verletzt, Hunderte weitere in Angst und Schrecken versetzt und Sachschäden angerichtet.

Die Zahl der Verletzten stieg bis zum späten Samstagabend auf mindestens 108 an, wie die örtlichen Medien unter Berufung auf die Gesundheitsdienste berichteten. Die meisten von ihnen seien mit leichten Verletzungen davongekommen. Ein heftiges Nachbeben kurz nach Mitternacht in der Nacht zum Sonntag sorgte für neue Ängste unter den Menschen.

Das stärkste Beben am Samstagnachmittag hatte nach Angaben des albanischen Verteidigungsministeriums eine Stärke von 5,8. Die US-Erdbebenwarte USGS gab die Stärke mit 5,6 an. Es ereignete sich kurz nach 16 Uhr (MESZ). Zwei weitere Beben mit Stärken von 5,1 und 4,7 folgten. Laut dem Ministerium lag das Zentrum des ersten Bebens unweit vom Kap Rodon nördlich der Hafenstadt Durrës.

Das Ministerium sprach vom schwersten Erdbeben in Albanien seit Jahrzehnten. In einer ersten Bilanz der Regierung hieß es nach einer Krisensitzung in der Nacht zum Sonntag, dass mindestens 293 Häuser beschädigt worden seien, zudem seien an 20 Wohngebäuden Risse registriert worden.

Das nächtliche Nachbeben wurde mit einer Stärke von 4,8 gemessen. Über die Auswirkungen dieses Erdstoßes lagen zunächst keine Angaben vor.

Nach Medienberichten lösten die Erdstöße Panik vor allem in Durrës und in der albanischen Hauptstadt Tirana aus. Menschen liefen erschrocken in großer Zahl auf die Straße. Die Beben waren auch in den Nachbarländern Montenegro und Nordmazedonien zu spüren, wie es in Medienberichten aus den beiden Ländern hieß.

Fotos zeigen starke Gebäudeschäden - etwa an der Geologie-Fakultät in Tirana. Herabgefallene Steine und andere Trümmerteile zerstörten dort Autos. An einem anderen Gebäude in Tirana war ein vertikaler Riss über mehrere Etagen zu erkennen. Tirana hat laut Auswärtigem Amt gut 600.000 Einwohner, ganz Albanien knapp drei Millionen.

Gesundheitsministerin Ogerta Manastirliu besuchte noch am späten Nachmittag die Notaufnahme des Unfallkrankenhauses in Tirana. Fälle von ernsthaften Verletzungen habe sie nicht gesehen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur ATA. Nach Darstellung der Nachrichtenseite «Shqiptarja.com» waren unter den Verletzten viele Minderjährige mit Kopf- und Gliederverletzungen.

Ministerpräsident Edi Rama sagte wegen der Erdbebenserie seine Teilnahme an der UN-Vollversammlung in New York ab. Er unterbrach seine Reise in Frankfurt, um nach Albanien zurückzukehren, wie ATA unter Berufung auf Regierungsstellen berichtete. In der Krisensitzung der Regierung lobte er nach Angaben von ATA die Arbeit der Not- und Rettungsdienste, die nach seinen Worten «in Echtzeit» reagiert hätten.

Der Mittelmeerraum gehört zu den aktivsten Erdbebenregionen Europas. Erdstöße wie die vom Samstag seien dennoch auch im an der Adriaküste gelegenen Albanien «nicht an der Tagesordnung», sagte eine Expertin der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Zuletzt habe es dort am 1. Juni bei Korçë im Südosten des Landes ähnlich heftige Beben gegeben. Es kam zu einem Beben der Stärke 5,2 mit Nachbeben. Auch damals habe es «erhebliche Schäden» gegeben.

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