Drei Tote in Tokio
Blutige Messerattacke auf Schulmädchen in Japan

Es ist der Albtraum aller Eltern: Auf dem Schulweg sticht ein Mann in Japan aus heiterem Himmel auf Schulmädchen und Erwachsene ein. Drei Menschen sterben. Es ist nicht das erste Verbrechen dieser Art in Japan - einem Land, das als eines der sichersten der Welt gilt.

Dienstag, 28.05.2019, 10:56 Uhr aktualisiert: 28.05.2019, 10:58 Uhr
Rettungskräfte am Tatort in Tokio. Foto: Uncredited

Tokio (dpa) - Bei einer Messerattacke auf wehrlose Schulmädchen hat ein Mann in Japan ein Kind und einen Erwachsenen getötet.

Die 16 Grundschülerinnen hatten am frühen Dienstagmorgen in Tokios Nachbarstadt Kawasaki auf ihren Bus gewartet, als der Mann mit jeweils einem Messer in beiden Händen langsam auf sie zuging und laut Augenzeugenberichten schrie: «Ich werde euch töten.»

Wie lokale Medien berichteten, starben eine Elfjährige sowie ein 39 Jahre alter Mann im Krankenhaus an tiefen Stichverletzungen im Hals und im Rücken. Bei dem erwachsenen Opfer handelte es sich nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo um einen Beamten des japanischen Außenministeriums in Tokio. Der Mann soll Vater eines der Schulkinder gewesen sein.

Der mutmaßliche Täter, ein Mann Anfang 50, hatte sich nach dem Blutbad selbst in den Hals gestochen und starb später nach seiner Festnahme ebenfalls im Krankenhaus. Am Tatort fanden die Ermittler in einem Rucksack zwei weitere Messer. Das Motiv des Mannes war zunächst unklar. Viele Krankenwagen eilten zum Tatort, den die Polizei absperrte. Unter den verwundeten Kindern und Erwachsenen gab es auch drei Schwerverletzte. Die Schulmädchen gehen zur Caritas Grundschule, einer privaten katholischen Schuleinrichtung der Stadt Kawasaki.

Ministerpräsident Shinzo Abe wies das Erziehungsministerium an, für sichere Schulwege zu sorgen. Er empfinde «tiefe Wut» darüber, dass kleine Kinder zu Opfern wurden, sagte Abe dem japanischen Fernsehsender NHK zufolge. US-Präsident Donald Trump, der gerade zu Staatsbesuch in Japan war, drückte den Opfern sein Beileid aus. «Alle Amerikaner stehen den Menschen in Japan zur Seite und trauern um die Opfer und mit deren Familien.»

Das Blutbad schockiert in Japan. Zumal die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt den Ruf genießt, eines der sichersten Länder weltweit zu sein - nicht zuletzt dank strenger Schusswaffengesetze. Doch haben Übergriffe mit Messern in den vergangenen Jahren in dem asiatischen Inselreich zugenommen. Bei dem bislang blutigsten Amoklauf in Japan seit Jahrzehnten hatte ein junger Mann vor drei Jahren in einem Behindertenheim 19 wehrlose Menschen erstochen.

2008 hatte ein Mann in Tokio sieben Menschen erstochen. Der Japaner war zur Mittagszeit in einem auch bei Touristen beliebten Viertel mit einem Lastwagen in die Menge gerast und hatte wahllos auf Passanten eingestochen. Zehn Menschen wurden verletzt. Der Mann wurde später zum Tode verurteilt. Das Blutbad ereignete sich am gleichen Tag wie eine Attacke im Jahr 2001, als ein Amokläufer in einer Grundschule in der Stadt Ikeda acht Kinder mit einem Küchenmesser erstach.

Als Folge dieses Verbrechens wurden die Sicherheitsmaßnahmen an Schulen verstärkt. Viele Schulen schließen mit Unterrichtsbeginn die Schultore ab und nutzen Sicherheitskameras. Freiwillige sowie Vertreter von Elternorganisationen bewachen mancherorts Schulwege der Kinder. Japans Erziehungsminister Masahiko Shibayama erklärte in Reaktion auf die Bluttat am Dienstag, weitere Maßnahmen seien nötig. So müssten Schulwege gesichert und Informationen über verdächtige Personen ausgetauscht werden.

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