Usutu-Virus
Das große Amselsterben nun auch in Norddeutschland

Münster/Berlin -

Vogel-Experte Lars Lachmann vom Naturschutzbund (Nabu) dokumentiert das Amselsterben durch das Usutu-Virus seit Langem. Doch mit einem so rasanten Anstieg wie in diesem Jahr hat er nicht gerechnet: Es gingen bereits knapp 9000 Meldungen ein – mit exakt 18.325 betroffenen Vögeln, berichtet er.

Freitag, 07.09.2018, 08:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 07.09.2018, 08:00 Uhr
Das für Amseln tödliche Usutu-Virus hat Deutschlands Norden erreicht. Mehr als 2200 aller Verdachtsfälle kommen aus Niedersachsen. Foto: Dietmar Jeschke

Das Virus hat nun auch den Norden Deutschlands erreicht. Mehr als 2200 aller Verdachtsfälle kommen aus Niedersachsen, über 1000 aus NRW, erklärt der Nabu-Experte. Auch aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen werden viele Fälle gemeldet. Lachmann rechnet deshalb damit, dass in diesem Jahr in Deutschland mehr Vögel vom Usutu-Virus betroffen sind als je zuvor.

Meist sind Amseln von dem Erreger befallen, der von Mücken übertragen wird. In geringen Zahlen sind aber auch Singdrosseln, Meisen oder Finken erkrankt. Wo das Virus völlig neu auftritt wie in Norddeutschland, kommt es vor allem bei Amseln zu einem Massensterben – besonders im August und im September: „Zurzeit gehen etwa 400 Verdachtsmeldungen pro Tag ein“, berichtet Lachmann.

Überraschend starker Ausbruch

700 der Vögel wurden zur Untersuchung an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg geschickt. Von bisher 250 untersuchten Vögeln wurden 131 positiv auf das Usutu-Virus getestet, darunter neben Amseln auch elf Vögel anderer Arten wie Singdrosseln, Meisen oder Finken. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre sei erst ab Ende September mit einem deutlichen Rückgang neuer Fälle zu rechnen.

Warum überrascht Lachmann dieser massive Ausbruch? Eigentlich geht ein starkes Auftreten des Virus mit einer großen Zahl an Stechmücken zusammen. Doch diese treten in diesem Jahr wegen der großen Trockenheit gerade in Norddeutschland eher in kleinen Mengen auf. Für Lachmann ist die Schlussfolgerung daraus klar: „Das lässt vermuten, dass die für die Virenvermehrung innerhalb der Mücken wichtige Wärme einen größeren Effekt auf die Virenverbreitung hat als die bloße Zahl an Stechmücken als potenzielle Überträger.“ Sprich: Die Hitze ist für den Anstieg verantwortlich.

Hat der Ausbruch einen dauerhaften Effekt auf die Population? „Schwer zu sagen“, meint Lachmann. Fest steht: Das allgemeine Vogelsterben schreite in Gegenden mit einem starken Auftreten des Usutu-Virus schneller voran. Befallene Vögel sind apathisch, flüchten nicht mehr und sterben innerhalb weniger Tage.

Meldeformular beim Nabu

Der Nabu bittet um Mithilfe, um den Ausbruch genauer analysieren zu können. Besonders wichtig ist der virologische Nachweis von Usutu-Viren in tot aufgefundenen Vögeln. Diese Untersuchungen nimmt das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg vor.

Der Nabu hat auf seiner Homepage ein Meldeformular mit genauen Informationen freigeschaltet. 

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