Münster stellt Flächen bereit
Die E-Tretroller kommen – auf Radwegen und ab 14 Jahren

Berlin/Münster -

Von Paris bis Tel Aviv: In internationalen Metropolen sind Tretroller mit Elektromotor schon unterwegs. Nun soll es auch in Deutschland so weit sein - mit strengeren Regeln als geplant. Auch die Stadt Münster stellt Verleiherin Abstellflächen zur Verfügung.

Freitag, 17.05.2019, 16:18 Uhr aktualisiert: 18.05.2019, 10:29 Uhr
Revolution im Stadtverkehr? Laut einer Umfrage können sich 56 Prozent der Teilnehmer nicht vorstellen, mit einem E-Tretroller zu fahren. Foto: Christophe Gateau

Elektro-Tretroller können bald in deutschen Städten starten. Der Bundesrat hat den Weg für eine Zulassung sogenannter E-Scooter mit maximal 20 Kilometern pro Stunde (km/h) im Sommer freigemacht - änderte aber wichtige Sicherheitsregeln.

Fahrer sollen Radweg nutzen

Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein und Radwege nutzen, auch wenn sie auf langsameren Modellen unterwegs sind. Gehwege bleiben für die neuen Gefährte zum Schutz von Fußgängern tabu. Die Bundesregierung will die Änderungen nun zügig umsetzen, nötig ist noch ein Kabinettsbeschluss.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur : «Wichtig war, dass wir eine schnelle und - für alle Verkehrsteilnehmer - gute Einigung erzielt haben.» E-Rollerfahrer dürften sich freuen: «Noch vor der Sommerpause geht’s für sie nun endlich richtig los.» Der Bund will dafür auf Sicherheitsbedenken der Länder eingehen. Ursprünglich war in der Verordnung vorgesehen, dass langsamere E-Tretroller in Schrittgeschwindigkeit auf Bürgersteigen fahren sollten. Sie sollten mit einem Maximaltempo von unter 12 km/h auch schon für Zwölfjährige erlaubt werden. Beides ist nun vom Tisch.

E-Tretroller kommen: Neue Mobilität oder Sicherheitsrisiko?

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  • StauUbahnSchild

    E-TRETROLLER ALS ALTERNATIVE: Besonders staugeplagte Großstädter sollen mit «E-Scootern» eine neue Mobilitätsmöglichkeit bekommen. Per E-Roller könnte es zum Beispiel schneller von der U- und S-Bahn oder einer Bushaltestelle weiter nach Hause oder zur Arbeit gehen.

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  • UM DIESE FAHRZEUGE GEHT ES: Die Roller, die oft einige hundert Euro oder mehr kosten, dürfen bis zu 20 Kilometer pro Stunde (km/h) schnell sein. Sie dürfen höchstens 70 Zentimeter breit sein, 1,40 Meter hoch und zwei Meter lang. Maximalgewicht ohne Fahrer: 55 Kilogramm.

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  • WER E-TRETROLLER FAHREN DARF: E-Roller, die nur weniger als 12 km/h fahren können, sollen bereits für Jugendliche ab 12 Jahren erlaubt sein - schnellere Gefährte dann ab dem vollendeten 14. Lebensjahr. Eine Mofa-Prüfbescheinigung oder eine Helmpflicht sind nicht vorgesehen.

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  • WO SIE FAHREN DÜRFEN: Einfach überall herumbrausen dürfen die neuen E-Fahrzeuge, deren Akku nach Branchenangaben an Steckdosen geladen werden können, nicht. Bei weniger als 12 km/h dürfen die Gefährte innerorts nur auf Gehwegen und gemeinsamen Geh- und Radwegen fahren.

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  • WELCHE SICHERHEITS-ANFORDERUNGEN KOMMEN: Pflicht sind zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen und eine Beleuchtung, die auch abnehmbar sein darf. Ebenfalls vorgeschrieben werden seitliche Reflektoren und mindestens eine «helltönende Glocke».

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  • WAS SCHEUER NOCH PLANT: Die Bundesregierung bereitet auch Regelungen für E-Gefährte ohne Lenkstange vor - das sind Hoverboards oder Skateboards mit Elektromotor. Hier plant Minister Scheuer eine Ausnahmeverordnung. An den Details dazu wird derzeit noch gearbeitet.

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Für kurze Strecken

Die neuen E-Roller sollen insbesondere für kurze Strecken etwa von der Bushaltestelle ins Büro oder zum Geschäft ein paar Straßen weiter ein neues Angebot sein. Sie sind in der Regel kleiner und leichter als Fahrräder, oft lassen sie sich auch zusammenklappen. Anbieter von Leih-Rollern stehen in größeren Städten schon in den Startlöchern. Auch in ICEs und Intercitys sollen die Gefährte nach Angaben der Bahn kostenlos an Bord - zusammengeklappt unter oder über dem Sitz.

Weiterhin viele Bedenken

Allerdings gibt es weiterhin auch viele Bedenken, was Sicherheit, Ärger mit Radfahrern und Umweltaspekte angeht. Forderungen, die Gefährte erst ab 15 Jahren zu erlauben, fanden im Bundesrat keine Mehrheit. Einen Helm müssen die Fahrer nicht tragen, sie brauchen auch keinen Führerschein. Anders als Fahrräder sollen die neuen Gefährte versicherungspflichtig sein, dafür soll es einen Aufkleber geben. Fahren sollen die Tretroller in der Regel auf Radwegen oder Radfahrstreifen - gibt es keine, darf die Fahrbahn genutzt werden.

Fußgängervertreter und Verkehrssicherheitsexperten waren gegen eine Nutzung von Gehwegen Sturm gelaufen. Aber auch viele Radfahrer sind nun nicht begeistert von der Aussicht, sich ihre Wege künftig mit E-Tretrollern zu teilen. «Wir sagen: Doppelt so viel Platz und hohe Wegequalität für den Radverkehr, dann klappt’s auch mit dem gemeinsamen Fahren von Fahrrädern, Pedelecs und E-Scootern», sagte der Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ADFC, Burkhard Stork. Radwege seien ohnehin oft schlecht, holprig oder gar nicht vorhanden. Für E-Scooter mit kleineren Rädern und hoher Beschleunigung sei das «richtig unbequem und gefährlich».

E-Flitzer als Baustein einer Verkehrswende

Umweltschützer sehen die elektrischen Flitzer als Baustein einer Verkehrswende, fordern aber eine größere Debatte darüber, welchen Raum welches Verkehrsmittel bekommt: «Wer Verkehrsmittel abseits des Autos stärken oder neu etablieren will, muss ihnen zusätzlichen Raum geben. Und dieser Raum muss dafür dem Autoverkehr entzogen werden», sagte etwa BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. Zudem sieht er Verleihsysteme kritisch: Erfahrungen aus anderen Städten zeigten, dass dort viele Roller «offenbar bereits nach drei Monaten ausgetauscht und verschrottet werden.»

Chaos wie mit dem mobilen Verleih von Fahrrädern, der in vielen Städten Ärger macht, wollen die Kommunen diesmal vermeiden. Die Räder standen und stehen teils kreuz und quer auf Bürgersteigen oder liegen kaputt herum. Städtetags-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy hatte betont, dass Fahrzeuge unterschiedlicher Anbieter gebündelt werden müssten, wo öffentlicher Platz knapp sei. Dafür könnten die Städte dann Sondergenehmigungen für öffentliche Parkflächen aussprechen.

Zehn Abstellflächen in Münster

Städte und Verleihfirmen in Nordrhein-Westfalen rüsten sich bereits für die Zulassung von Elektro-Tretrollern. Münster wolle den Verleihern voraussichtlich zehn Abstellflächen anbieten, sagte ein Sprecher der Stadt der Deutschen Presse-Agentur. Diese sollten allen Anbietern zur Verfügung stehen. Das deutsche Start-Up Tier will mit seinen E-Scootern nach Angaben des Unternehmens im Juni in NRW starten. Dabei sei Köln als Standort eingeplant.

Ihren Elektro-Tretroller dürfen Fahrgäste der Deutschen Bahn ab sofort kostenlos in allen Fernverkehrszügen mitnehmen. Die Roller lassen sich zusammengeklappt problemlos unter oder über dem Sitz verstauen. Der Akku muss fest in den sogenannten E-Scooter eingebaut sein. Hintergrund ist, dass die Bahn neue Mobilitätsangebote wie die Elektro-Tretroller unterstützen will. «Diese sollen ja auch dazu beitragen, dass unsere Fahrgäste leichter zum Bahnhof kommen», sagte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber in einer schriftlichen Stellungnahme.

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