Nach Krebskrankheit
Ex-Wirtschaftsminister Werner Müller gestorben

Er war Gerhard Schröders Wirtschaftsminister und hat den Weg zum Ausstieg aus Atomkraft und Steinkohle geebnet: Jetzt ist Werner Müller im Alter von 73 Jahren gestorben.

Dienstag, 16.07.2019, 16:54 Uhr aktualisiert: 16.07.2019, 16:56 Uhr
Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Werner Müller ist tot. Foto: Roland Weihrauch

Essen (dpa) - Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und Manager Werner Müller ist tot. Er starb in der Nacht zum Dienstag nach schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren in seiner Geburtsstadt Essen, wie die RAG-Stiftung mitteilte.

Politiker und Weggefährten würdigten seine Rolle beim sozialverträglichen Ausstieg aus der Steinkohleförderung in Deutschland.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nannte Müller einen «Pionier und Gestalter der Zukunft des Ruhrgebiets». Als «Mann der klaren Worte und des leisen, kultivierten Tons» habe er viel zur Verständigung zwischen Bürgern und Politik beigetragen und sein Handeln immer daran ausgerichtet, «was unserer Gesellschaft als Ganzes guttut». Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte, mit der RAG-Stiftung für die Finanzierung der Ewigkeitslasten des Bergbaus hinterlasse Müller «ein echtes Jahrhundertwerk».

Der parteilose Müller war in der rot-grünen Regierung von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) von 1998 bis 2002 Wirtschaftsminister. Der Alt-Kanzler würdigte ihn als «großen Wirtschaftslenker». Müller habe die Spielregeln sowohl der Wirtschaft als auch der Politik aus eigener Anschauung beherrscht. «Dadurch konnte er Menschen überzeugen und aus Kontrahenten Partner machen.»

Müllers großes Verdienst sei es, die Zustimmung der deutschen Energieversorger zum Atomausstieg erreicht zu haben, heißt es in der Erklärung Schröders. Der damalige grüne Umweltminister Jürgen Trittin schrieb bei Twitter: «Mein Freund Werner Müller ist heute gestorben. Er hat viel für diese Gesellschaft getan.»

Nach seiner Ministerzeit wurde Müller 2003 Vorstandsvorsitzender des Bergbaukonzerns RAG . Aus dieser Position heraus gestaltete er das sozialverträgliche Ende der Steinkohleförderung im Ruhrgebiet und an der Saar maßgeblich mit. Bis zum letzten Fördertag wurde kein Bergmann entlassen. Bei der Schließung der letzten deutschen Zeche Prosper-Haniel in Bottrop war er im Dezember 2018 noch dabei. Müller habe «unschätzbare Verdienste um den deutschen Bergbau und die Bergleute, die ihm persönlich immer besonders am Herzen lagen», sagte der aktuelle RAG-Vorstandschef Peter Schrimpf.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schrieb: «Seine Verdienste um den deutschen Bergbau und die Bergleute sind unschätzbar.» Müller hätten «enorme Fachkenntnis, sein trockener Humor und seine unaufgeregte Art« ausgezeichnet. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sprach von einer traurigen Nachricht. «Habe ihn als Ministerpräsidentin in der gemeinsamen Arbeit in der RAG Stiftung auch als Mensch sehr schätzen gelernt», twitterte die Saarländerin.

Aus den Teilen der RAG, die nicht zum Bergbau gehörten, formte Müller den Chemiekonzern Evonik, bei dem er Vorstandsvorsitzender und später Aufsichtsratschef wurde. Unter anderem mit den Evonik-Dividenden finanziert die RAG-Stiftung die dauerhaften Lasten des Bergbaus, etwa das Abpumpen von Grubenwasser.

Müller, der auch Mitglied des Aufsichtsrates des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund war, hatte parallel Klavier und Volkswirtschaftslehre studiert und mit einer statistischen Arbeit in Linguistik den Doktortitel erworben. In der Energiebranche arbeitete er sowohl beim Stromkonzern RWE als auch bei dessen Konkurrenten Veba. Er hinterlässt Frau und zwei Kinder.

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