Jurist und Autodidakt
Promi-Geburtstag vom 18. Mai 2019: Hark Bohm

Er schuf Kinohits wie «Nordsee ist Mordsee», gründete Einrichtungen wie das Filmfest Hamburg und arbeitet viel mit Fatih Akin zusammen. Hark Bohm ist ein Urgestein des deutschen Films. Nun wird der preisgekrönte Autodidakt 80 Jahre alt.

Samstag, 18.05.2019, 00:01 Uhr
Hark Bohm auf dem Fähranleger Teufelsbrück in Hamburg. Foto: Ulrich Perrey

Hamburg (dpa) - Mit Fug und Recht darf man Hark Bohm als einen der etabliertesten und bis heute einflussreichsten Filmemacher Deutschlands bezeichnen.

Als Autor und Regisseur schuf er etwa nicht nur bereits 1976 das Jugendabenteuer «Nordsee ist Mordsee», das zum Kult-Erlebnis einer ganzen Generation von Schülern geriet. Bohm war zudem Mitbegründer des Filmverlags der Autoren in München (1971), des Hamburger Filmbüros und des Filmfests Hamburg (beide 1979) sowie des Studiengangs Film an der Universität der Hansestadt. Nicht zuletzt wurde er als Hochschullehrer zum Mentor von Regisseur Fatih Akin (45, «Soul Kitchen»), mit dem er immer wieder zusammenarbeitet.

So schrieb er mit Akin das Skript für dessen international Furore machendes NSU-Drama «Aus dem Nichts» mit Diane Kruger. «Zuletzt übernahm ich in Fatihs aktuellem Film 'Der goldene Handschuh' eine Art Komparsenrolle mit winzigem Text», sagt der gern tiefstapelnde Bohm, der einst auch bei Fassbinder spielte («Die Ehe der Maria Braun»), im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur .

Anlässlich seines 80. Geburtstags an diesem Samstag (18. Mai) lässt der dreifach mit dem Deutschen Filmpreis Ausgezeichnete das Interview am Küchentisch seines Wohnhauses in einem gediegenen Hamburger Elbvorort zu.

Dass Bohm, studierter Jurist, erklärter linksliberaler Bürger und als Künstler ein Autodidakt, sich nicht gern zu seinen Schaffen äußert, ist bekannt. Und auch jetzt nimmt der vital wirkende hagere Mann mit den markanten Falten im Gesicht oft Zuflucht zu der Formulierung: «Ich bin niemand, der seine künstlerischen Bedingungen reflektiert».

In seiner Wohnung hängen Ölporträts von Ahnen aus Amrumer Bauern- und Kapitänsdynastie an den Wänden, aber auch Fotos der vier Adoptiv- und zwei Pflegekinder sowie der elf Enkel, die Bohm mit seiner zweiten Frau Natalia Bowakow - Gefährtin seit 1968 - hat. «Die Familie ist für uns der zentrale Wert», erklärt Bohm. «Ich glaube, ich bin nicht besonders öffentlichkeitsgeil.»

Dabei erzählt er gern. Nicht nur in seinen Drehbüchern und Filmen pocht Bohm allen Zeitgeist-Tendenzen zum Trotz auf richtige Geschichten mit richtigen Charakteren. «Schon auf Amrum nannte man mich 'de Snacker'», erinnert sich der Regisseur lächelnd beim Tee. Mit der nordfriesischen Insel Amrum ist denn auch ein erstes Motiv für die Entwicklung des Sohns hanseatischer Akademiker-Eltern zum kritischen Künstler benannt. Um im Krieg Schutz vor den Bomben zu suchen, war die Mutter mit Hark zurück auf ihre Heimatinsel gezogen, gebar dort auch seine drei Geschwister.

«Das war die Gegenwelt zu dem, wo wir uns hier gerade aufhalten», schildert er die Verhältnisse, «in gewissem Sinne waren dort alle Leute gleich. Wir hatten Schafe, Ziegen und Hühner. Was man sich im Stall hielt und was man anbaute war auch das, was man aß. Wir Kinder mussten meist draußen arbeiten.» Das einfache Dasein habe ihn grundlegend geprägt, meint Bohm. Umso problematischer sei es gewesen, als es in den 50er Jahren zurück nach Hamburg ging. Dort habe ihm dann aber seine Schule, das renommierte Christianeum, Bildung und humanistisches Denken als etwas Selbstverständliches nahegebracht. Dritter Schritt der Bohmschen Entwicklung war in München das Jurastudium. Doch bevor er endgültig Strafverteidiger werden konnte, ließ sich der junge Mann von Künstlern «ganz intuitiv» in ihre Welt ziehen.

Der Meisterzeichner Horst Janssen (1929-1995), der in Hamburg nebenan wohnte, war der erste. In München kamen Volker Schlöndorff (80, «Die Blechtrommel»), Alexander Kluge (87, «Abschied von gestern») und weitere Neuerer des deutschen Films dazu. Und Bohms politisches Bewusstsein erwachte. «Das wirkliche Schockerlebnis war Alain Resnais‘ Film 'Nacht und Nebel' von 1956 über die KZs», erinnert sich der Regisseur. «Wir jungen Leute wurden romantisch links, haben in den 60ern und frühen 70ern von einer radikalen humanistischen Demokratie geträumt, in der die Produktionsmittel dem Volk zur Entscheidung zur Verfügung stehen.» Inzwischen habe ihn das Leben gelehrt, dass dafür der Mensch zu egoistisch sei. Der Staat als Regulator sei vonnöten.

«Ich weiß nicht, warum ich Filmemacher geworden bin», formuliert Bohm schließlich, «ich frage mich aber, ob ein 'Sich-immer-fremd-fühlen' ein Motiv ist, Romane zu schreiben, Bilder zu malen oder Filme zu drehen. Weil man sich so die Welt immer neu aneignen muss.» Er fügt hinzu: «Ich glaube, man kann mit keinem anderen Medium so intensiv erzählen wie mit dem Film. Er ergreift die ganze Person. Kein anderes Medium hat diese Illusion von Realität.»

Dabei wolle er Zuschauer vor allem emotional ansprechen. «Film als politisches Instrument - das habe ich immer für falsch gehalten», betont der Künstler und Unilehrer, der heute auch TV- und Internet-Serien wie Peter Morgans «The Crown» (Netflix) hoch schätzt.

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