Weltstar mit westfälischen Wurzeln
Doris Day heißt eigentlich Doris Mary Ann Kappelhoff

Was eingefleischte Warendorfer natürlich wissen, ist aber längst nicht im gesamten Münsterland bekannt: Die Schauspielerin Doris Day, die bis zu ihrem Tod im Alter von 97 Jahren zurückgezogen in Carmel in Kalifornien lebte, hatte familiäre Wurzeln in Warendorf. Ihr eigentlicher Name ist Doris Mary Ann Kappelhoff und führt auf die Spur ihres Großvaters nach Warendorf. Er hieß Franz Josef Wilhelm Kappelhoff und wurde am 10. August 1843 in Warendorf geboren.

Montag, 13.05.2019, 17:06 Uhr aktualisiert: 13.05.2019, 21:31 Uhr
Legendär: Die US-amerikanische Schauspielerin Doris Day und ihr Kollege Rock Hudson 1959 in einer Filmszene der Komödie "Pillow Talk". Foto: dpa

Er war der Sohn eines am 26. Juli 1787 in Füchtorf bei Warendorf geborenen Johann Heinrich Kappelhoff, der Bäcker und Konditor war und 1840 mit 53 Jahren, in einem für damalige Verhältnisse schon hohen Alter, im benachbarten Glane (Kreis Osnabrück) die dort geborene 28-jährige Maria Elisabeth Pohlmann geheiratet hatte. Zugleich verlegte er mit der Heirat seinen Wohnort in die traditionsreiche Stadt Warendorf, in der er an zentraler Stelle in der Stadt, am Heumarkt, ein großes dreigeschossiges verputztes Fachwerkhaus aus dem Besitz des Steuereinziehers Anton Zumbusch kaufte. Dieser hatte das Haus 1788 erworben und zwischen 1794 und 1798 erheblich um- und ausgebaut, sodass sein Wert um das Fünffache auf 3500 Taler (1802) gestiegen war. Neben den Wohn- und Büroräumen bot es Platz für eine Branntweinbrennerei, zwei Pferde, die für die Kutsche gebraucht wurden, sowie für vier Kühe und Schweine (zur Verwertung der Schlempe der Brauerei).

Der Käufer Johann Heinrich Kappelhoff ist demnach offenbar kein armer, vielmehr ein vermögender und strebsamer Mann gewesen. Er begründete in dem erworbenen Besitztum im geschäftlichen Mittelpunkt der Stadt nicht nur seinen Familiensitz, sondern eine gut angenommene Bäckerei und Konditorei, die bis in das Ende des 20. Jahrhunderts Bestand hatte und dann als Restaurant und Café „Engelchen“ von dem Inhaber des renommierten Hotels „Im Engel“ weitergeführt wurde.

Kappelhoffs Reise in die USA

In diesem Haus wurde den Eheleuten Kappelhoff 1843 der Sohn Franz Josef geboren und danach die Tochter Josephine. Sie heiratete 1875 den Bäcker und Konditor Anton Heinrich Menge, der nach dem Tod ihres Vaters 1856 in Warendorf im 69. Lebensjahr offensichtlich die Bäckerei und Konditorei übernommen und mit ihrer Mutter weitergeführt hatte. Der Sohn Franz Josef Wilhelm , dessen drei Vornamen auf das Standesbewusstsein der Eltern hinweisen, war zur Zeit des Todes seines Vaters erst 13 Jahre, sodass er das Geschäft nicht übernehmen konnte. Er scheint auch in den Beruf des Vaters nicht eingetreten zu sein, sondern wanderte im selben Jahr der Hochzeit seiner Schwester 1875 in die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Eine nicht unbedeutende Abfindung dürfte ihm die Überfahrt in die Neue Welt, einen beruflichen Neuanfang und eine Familiengründung dort ermöglicht haben.

Franz Josef Wilhelm Kappelhoff kam in den USA auch keineswegs in eine ganz fremde Welt. Sein Ziel war Cincinnati im Bundesstaat Ohio, damals die deutscheste Stadt in den USA. Seit 1788 hatten deutsche Siedler begonnen, das bis dahin von Indianern bewohnte Tal des mächtigen Ohio-Rivers zu besiedeln, der in Cincinnati die Grenze zwischen den Bundesstaaten Ohio und Kentucky bildet. Bereits 1800 zählte der schnell wachsende Ort 15.000 Einwohner. Er war damit so groß wie Münster damals und der beliebteste Zielort für deutsche Siedler und Einwanderer in Nordamerika, schon bald eine Großstadt mit deutschsprachigen Zeitungen, Schulen, Kirchen, Hospitälern, Geschäften und Gewerbebetrieben. Vor allem deutsche Gewerbetreibende bestimmten das Leben der Stadt, darunter auch eine Reihe von Einwanderern aus dem Münsterland und vor allem der Stadt Warendorf.

Schon 1850 war Johannes Josef Menge, ein Schwager von Franz Josef Wilhelm Kappelhoff, nach Cincinnati ausgewandert. Er war der ältere Bruder des Gemahls seiner Schwester, hatte die Domschule in Osnabrück, das Carolinum, besucht, aber sie vor dem Abitur verlassen und war nach Cincinnati ausgewandert, wo ihn der jüngere Bruder Bernhard Joseph bereits erwartete. Hier war er zunächst Mitarbeiter an deutschen Zeitungen, dem „Cincinnati Volksfreund“ und dem „Wahrheitsfreund“. 1852 aber begann er das Studium der Theologie, das er bereits 1854 mit der Priesterweihe abschloss, um dann als Priester in Dayton/Ohio und als Privatsekretär des Bischofs Dr. Junker in Alton/Illinois sowie seit 1862 als Pfarrer in Walnuts Hills zu wirken. Er starb früh, 1875, noch vor der Ankunft seines Schwagers in der Neuen Welt, und war als Verfasser von deutschen Schulbüchern, die USA-weit vor allem an deutschen katholischen Schulen verbreitet waren, bekannt und hoch geachtet, wie sein Nachruf in den Zeitungen von Cincinnati zeigt.

Sein jüngerer Bruder Bernhard Joseph Menge, der das Drechsler-Handwerk erlernt hatte, war schon 1849 in die USA ausgewandert, hatte dann in Baltimore Theologie studiert und war nach der Priesterweihe fast vier Jahrzehnte – von ca. 1860 bis zu seinem Tod 1897 – Pfarrer an der Pfarrkirche St. Marien in Cincinnati, wo er in hohem Ansehen stand. Er dürfte seinen Schwager Franz Josef Wilhelm Kappelhoff in Warendorf 1875 veranlasst haben, sein Glück in der Neuen Welt zu suchen, und ihn nach Cincinnati geholt und betreut haben.

Der Warendorfer Großvater von Doris Day

Franz Josef Wilhelm Kappelhoff, der Warendorfer Großvater von Doris Day, ging 1875 keineswegs allein in die USA, sondern nahm seine junge Frau Juliane Agnes Kreimer, geb. am 2. Oktober 1853 in Glandorf, mit, die er 1874 – noch vor der Abfahrt nach Amerika – geheiratet hatte. In den USA nannte man ihn Frank Kappelhoff. Beruflich war er als Buchhalter tätig, ohne dass wir Näheres von ihm wissen.

Aus seiner Ehe mit Agnes Kreimer-Kappelhoff (so die amerikanische Überlieferung um 1900) gingen acht Kinder hervor: der Sohn Frank (*23. 7. 1876), der Bäcker geworden war; die Tochter Katie (*20. 9. 1879), die Näherin war; die Tochter Lizzie (*19.12. 1880), die Verkäuferin war; der Sohn Henry (16. 10. 1883), der Bäckerlehrling war (er starb mit 30 Jahren am 2. 4. 1913); die Söhne Edward (*13. 12. 1886), William (*7. 12. 1892) und Leo (*5. 9. 1894), die damals noch Schüler waren, und das Kind Bernard (* 3. 1. 1897).

Die Eltern von Doris Day

Der Vater von Doris Day war William, das sechste der acht Kinder. Die von ihm begründete Familie wird nach einer amerikanischen Quelle von 1930 wie folgt registriert: William J. Kappelhoff, 37 Jahre, Kirchenorganist (also der Vater von Doris Day; er wurde am 29. 6. 1892 in Cincinnati geboren); Alma, 34 Jahre (die Mutter von Doris Day, ihr Mädchenname war Alma Sophia Welz; sie war am 6. 7. 1895 in Cincinnati als Tochter von Wilhelm Welz und seiner Frau Anna Christina Mann, deutsche Einwanderer aus Baden, geboren. Kinder der Ehe waren der Sohn Paul A., 10 Jahre (1920 geboren) und die Tochter Doris Mary Ann Kappelhoff, 7 Jahre (wahrscheinlich am 3. April 1924, nicht 1923, geboren). Der Vater starb 1967 in den USA, die Mutter am 9. 10. 1976 in Los Angeles.

Der Vater übte seinen Beruf als Kirchenorganist möglicherweise in der Pfarrei St. Marien in Cincinnati aus, wo die Familie Kappelhoff seit ihrer Ankunft in den USA ihre Wohnung und Heimat fand. Bernhard Joseph Menge (1831-1897), der von ca. 1860 bis 1897 Pfarrer der dortigen Marienkirche war, wird in engerem Kontakt zu seinem Schwager Franz Josef Wilhelm Kappelhoff gestanden haben.

Bis zum Ersten Weltkrieg , aber auch danach noch bestanden gelegentliche briefliche Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Familie Menge in der alten Heimat in Warendorf und in der Neuen Welt. Die Familie Menge war eine weit verzweigte Familie, deren Stammvater der am 13. April 1802 in Osnabrück geborene Kaufmann und Schankwirt Franz Ludwig Menge war, der im Dom zu Osnabrück getauft war und dort am 2. Mai 1826 Maria Regina Klinke, die Tochter des Zimmermeisters Heinrich Klinke, geheiratet hatte. Nach deren Tod (7. Juli 1834) vermählte er sich am 26. April 1836 mit Katharina Maria Topp aus Beckum (geb. dort am 2. 2. 1807, + 23. 6. 1865 in Osnabrück).

Aus der ersten Ehe gingen vier Kinder hervor: Johanna Rosina Menge (1827-1888), verheiratet seit 1849 mit Bernhard Topp (1828-1862) aus Beckum, dem Bruder ihrer Stiefmutter, der als Bäcker ein Geschäft in Warendorf begründete; ferner die drei Brüder Johann Joseph Menge (* 1829 in Osnabrück, gest. 1875 in USA, Priester), Bernhard Joseph Menge (* 1831 in Osnabrück, + 1897 als Pfarrer in Cincinnati) und Laurenz Franz Menge (* 1834 in Osnabrück, + 29.1.1914 USA).

Vettern und Cousinen des Vaters von Doris Day

Aus der zweiten Ehe gingen acht Kinder hervor, darunter Anton Heinrich Menge (1838-1890), der sich 1875 mit Josephine Kappelhoff vermählte, der Schwester von Franz Josef Wilhelm Kappelhoff (1843-1907), dem Großvater von Doris Day. Das jüngste der acht Kinder aus zweiter Ehe war der Sohn Franz Bernhard (1850-1922), der nach einer Drechslerlehre in Warendorf um 1870 in die USA auswanderte und in Cincinnati eine Familie begründete, aus der die vier Kinder Anna, Mary, Bernhard und Goswin hervorgingen, die Vettern und Cousinen des Vaters von Doris Day waren. Goswin war Geistlicher, starb aber im Jahr seiner Priesterweihe 1907.

Der 1914 verstorbene Laurenz Franz Menge aus der ersten Ehe des Vaters setzte seine Warendorfer Verwandten, die Nachkommen seiner älteren Schwester Rosina, als seine Erben ein, die das Erbe als Verkaufserlös jedoch erst mit langer Verzögerung nach dem Ersten Weltkrieg 1926 erhielten. Von Laurenz sind Briefe an die Warendorfer Verwandten erhalten, die von der Politik des Deutschen Kaiserreichs und den Verhältnissen in Alteuropa nicht viel hielten.

Briefkontakte nach dem ersten Weltkrieg abgebrochen

Auch vom jüngsten Sohn aus der zweiten Ehe des Vaters, Franz Bernhard, liegen Briefe aus Cincinnati an die Warendorfer Verwandten Menge vor, die 1913 den Tod des Neffen Henry, eines älteren Bruders von William Kappelhoff (des Vaters von Doris Day) mitteilen. Franz Bernhard distanziert sich in einem Brief vom 1. Dezember 1914 – also nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs – entschieden vom kaiserlichen Deutschland, wenn er in gebrochenem Englisch/Deutsch schreibt: „To Hell with Gottes Gnaden, dem Menschen-Mörder und Luzifer vom Deutschen Reich“ – womit er den ihm verhassten preußischen König und Kaiser Wilhelm II. meinte. Er hat zeitlebens nicht verwunden, dass sich Preußen 1866 seine Osnabrücker Heimat, das Königreich Hannover, einverleibte.

Nach dem Ersten Weltkrieg sind die Briefkontakte bald ganz abgebrochen, die Familienverbindungen zur Familie Kappelhoff und zu Doris Day werden nicht einmal erwähnt. So ist die jüngere Generation der Kappelhoffs den deutschen Verwandten in Warendorf weitgehend unbekannt geblieben. Erst jüngere Nachforschungen in den vergangenen Jahren haben sie wieder neu entdeckt.

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* Prof. Dr. Paul Leidinger (80) aus Warendorf ist Historiker und Geschichtsdidaktiker.

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Der Weltstar mit westfälischen Wurzeln

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    ARCHIV - 15.04.1955, Frankreich, Paris: Doris Day, US-amerikanische Schauspielerin und Sängerin, winkt nach ihrer Ankunft in Paris. Die Hollywood-Legende ist im Alter von 97 Jahren gestorben. Das teilte ihre Stiftung am 13.05.2019 in Los Angeles mit.

    Foto: -/AP/dpa
  • Legendär: Die US-ammerikanische Schauspielerin Doris Day und ihr Kollege Rock Hudson 1959 in einer Filmszene der Komödie "Pillow Talk".

    Foto: dpa
  • 26.02.1958, USA, Los Angeles: Doris Day, Tony Curtis (r), und Buddy Adler (l) mit ihren Auszeichnungen, die ihnen von der Hollywood Foreign Press Association bei ihrem jährlichen Preisdinner überreicht wurden.

    Foto: -/AP/dpa
  • 28.01.1989, USA, Los Angeles: Doris Day, US-amerikanische Schauspielerin und Sängerin, bei der Vergabe des "Cecil B. DeMille Awards" bei der Verleihung der Golden Globe Awards 1989.

    Foto: -/AP/dpa
  • 01.07.1954, USA: Doris Day posiert in einem schwarz-weißen Pepitakleid aus Taft.

    Foto: -/UPI/dpa
  • 06.01.1976, USA, New York: Doris Day beantwortet Fragen über das Buch "Doris Day: Ihre eigene Geschichte", geschrieben von A.E. Hotchner.

    Foto: -/AP/dpa
  • 30.11.2002, USA: Undatiert: Doris Day und ihr Ehemann Marty Melcher.

    Foto: -/dpa
  • 01.01.1966: Doris Day (bürgerlich Doris von Kappelhoff) in ihrer Rolle als Patricia Fowler in der Spionage-Komödie "Caprice" aus dem Jahre 1966.

    Foto: dpa
  • Undatierte Aufnahme von Doris Day.

    Foto: DB Ernst Feix/dpa
  • 12.04.1955, Großbritannien, Southampton: Doris Day bei einem Besuch des The Cunard Liner Queen Elizabeth.

    Foto: -/PA Wire/dpa

 

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