Körpertausch im Lianenland
„Jumanji – Willkommen im Dschungel“: Neuauflage des Abenteuerfilms zwischen Action und Klamauk

Vor 22 Jahren war es Kirsten Dunst, die den in einem Brettspiel gefangenen Robin Williams vor dschungelwildem Gekreuch retten musste. „Jumanji“ war alles andere als ein Meisterwerk und vor allem Aushängeschild dessen, was Mitte der neunziger Jahre tricktechnisch möglich war. Dennoch erwuchs um den Film so etwas wie eine kleine Kultgemeinde, was in unseren retroseligen Zeiten Grund genug ist für eine Neuauflage.

Freitag, 22.12.2017, 10:12 Uhr

Aus drei Teenagern werden Amazone (Karen Gillan), Muskelmann (Dwayne Johnson) und Komiker Kevin Hart.
Aus drei Teenagern werden Amazone (Karen Gillan), Muskelmann (Dwayne Johnson) und Komiker Kevin Hart. Foto: dpa

Doch das, was Regisseur Jake Kasdan („Bad Teacher“) nun vorlegt, ist eher Update als Remake. So ist es etwa kein Brettspiel mehr, sondern ein in die Jahre gekommenes Videogame, das vier Teenager in seine perfekt fotorealistische virtuelle Wirklichkeit verschluckt. Der Kniff des Films: Die Jugendlichen landen dort in den Körpern von denkbar gegensätzlichen Erwachsenen. Der schüchterne Spencer findet sich im Muskelprotz Dwayne Johnson („Baywatch“) wieder, Football-Kanone Fridge im schmächtigen Komiker Kevin Hart („Ride Along“), die intellektuelle Martha im Amazonenleib der leicht geschürzt durchs tropische Geäst hechtenden Karen Gillan („Doctor Who“) und, am fiesesten, das eitle Selfie-Girl Bethany im dickwanstigen Klamaukisten Jack Black.

Wie sich die eigentlichen Charakterzüge der „Spieler“ immer wieder in den konträren Körpern Bahn brechen, sorgt für gute Lacher. Wie die Jugendlichen daran dann wachsen und immer mehr in ihre Heldenrolle finden, das ist dagegen erwartbar wie der Rest des Films. Die Teens müssen (mit je drei „Leben“ ausgestattet) das Game durchspielen, sich durch den Dschungel und gegen exotisches Getier kämpfen, von Level zu Level, bis der Endboss kommt. Leider ist der Gegner ein windiger Motorradrocker, der kaum Gefahr ausstrahlt. Auch die alte Williams-Figur taucht auf, als junger Mann.

Das Hauptproblem am neuen „Jumanji“ ist, dass die Trickeffekte nicht annähernd so schaurig ausfallen oder als Novität vom Hocker reißen wie damals. So bleibt jenseits des zu Beginn reizvollen Charaktertausch-Gags wenig hängen. Ein Zeitvertreib, mehr nicht.

 

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