TV-Tipp
Kidnapping Stella

Die Dreharbeiten waren heftig. «Fack ju Göhte»-Star Jella Haase musste sich ans Bett fesseln lassen, mit Sack über den Kopf. Und Max von der Groeben und Clemens Schick mussten hart zulangen. Wie hält man so etwas aus?

Freitag, 12.07.2019, 00:01 Uhr
Jella Haase in einer Szene aus "Kidnapping Stella". Foto: Stephanie Kulbach

München (dpa) - Kidnapper bei der Arbeit: Fenster werden abgeklebt, Türen und Wände schalldicht abgedichtet. Dass sie jede Menge Plastikband dabei haben, versteht sich von selbst. Ihr Ziel: Eine Tochter aus reichem Hause.

Jella Haase spielt eine junge Frau, die von der Straße in einen Lieferwagen gezerrt wird und für die ein Horrortrip beginnt. Max von der Groeben und Clemens Schick treten als Entführer auf. Sie wollen der Familie ihres Opfers viel Geld abpressen. «Kidnapping Stella» sollte eigentlich ein Kinofilm werden. Doch Netflix hat sich das düstere und teilweise auch ziemlich brutale Entführungsdrama gesichert und zeigt es ab Freitag (12. Juli).

Thomas Sieben hat den kammerspielartigen Thriller inszeniert, der an den britischen Film «Spurlos - Die Entführung der Alice Creed» erinnert. Die Atmosphäre in «Kidnapping Stella» ist trist - in einem gesichtslosen Wohnblock wird das Mädchen gefangen gehalten, gefesselt an ein Bett und mit einem Sack über dem Kopf. Mal und immer wieder mit Panikattacken, bei denen sie sich windet und schreit. Die Entführer nähern sich ihr nur mit grauen Masken vor dem Gesicht - aus Angst, sonst erkannt zu werden.

Ein harter Dreh, der allen Schauspielern viel abverlangte, vor allem Jella Haase, die mit von der Groeben in der erfolgreichen Komödie «Fack ju Göhte» zu sehen war. «Der Zustand, so ans Bett gefesselt zu sein, mit den Handschellen, das ist echt und das ist natürlich unangenehm. Und so eine Haltung, da bist du ausgeliefert. Du hast nichts, um dich zu schützen», sagte die Schauspielerin der Deutschen Presse-Agentur auf dem Filmfest München , wo der Streifen erstmals zu sehen war.

Als ihr ihre Mitspieler das erste Mal den Sack über den Kopf zogen, habe sie Panik bekommen. «Da geht man aus so einer Komfortzone raus, und ab dann weiß man aber, wie sich das anfühlt.» Das Wichtigste: Vertrauen in Schick und von der Groeben. «Ich konnte mich bei den beiden hundertprozentig sicher fühlen.»

Gewöhnungsbedürftig war es auch für von der Groeben und Schick, mussten sie doch hart zupacken. «So einen Film zu drehen, tut weh auf verschiedenen Ebenen, weil es rau ist, weil es zur Sache geht», meinte Schick («4 Könige»). Was half: Konkrete Absprachen im Vorfeld. «Man trifft vorher Verabredungen und probt dann», erklärte von der Groeben. So auch die erste große Szene, in der die Männer Stella ans Bett fesseln. «Das sind harte Griffe, und Jella wehrt sich auch. Es soll ja echt wirken.»

Im Film wirken diese Szenen bedrückend. Den großen Spannungsbogen hält «Kidnapping Stella» nicht die ganze Zeit. Zwischendurch erlahmt die Geschichte etwas, auch weil sich manches wiederholt und nicht so vorankommt. Dass der Film dennoch immer wieder an Fahrt aufnimmt, liegt an der Leistung der Schauspieler. Clemens Schick als der harte, erfahrene Kriminelle, der die anderen beiden mit intensiven Blicken in Schach hält. Max von der Groeben als der weichere der beiden Entführer. Dass er angreifbar ist, merkt auch Stella bald, sehr gut gespielt von Jella Hasse, die zwischen Hoffnung und Verzweiflung pendelt.

Im realen Leben hat Schick wenig Verständnis für solche Brutalität. «Aber ich kann es trotzdem spielen. Es macht mir große Freude, die Psyche zu erforschen», sagte er. «Ich finde es bereichernd, zu wissen, wieviel in einem ist mit dem Wissen, dass ich bestimmte Dinge nicht ausleben muss.» Trotzdem sei allen bewusst gewesen, was Spiel war und was Realität: «Wir konnten rau miteinander sein, aber wir wussten immer, dass es uns nur um die Geschichte geht».

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