Hamburg-Tatort: "Böser Boden"
Ein atmosphärisch starker Umweltthriller

Hamburg -

Der Bundespolizist Thorsten Falke bekommt es in seinem achten Fall nicht nur mit einem Mord, sondern auch mit militanten Biobauern zu tun. Und Ärger mit seinem Sohn gibt es auch.

Sonntag, 26.11.2017, 00:11 Uhr

Franziska Weisz und Wotan Wilke Möhring bei den Dreharbeiten zum «Tatort»-Krimi «Böser Boden». Foto: Daniel Bockwoldt

In stockdunkler Nacht liegt mitten im Wald ein Mann verletzt am Boden. Mühsam versucht er aufzustehen. Neben ihm brummt noch der Motor eines Schwertransporters mit dem Kennzeichen «ROW» - aus Rotenburg an der Wümme in der niedersächsischen Provinz.

Das Ende des Mannes (Hadi Khanjanpour) ist nah, obwohl er verzweifelt versucht zu fliehen und seinem Mörder zu entkommen.

Unbeholfenes Vaterverhalter

Währenddessen kurvt Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring ) von der Bundespolizei zu fetziger Musik über die Hamburger Reeperbahn. Er will auf der Davidwache seinen halbwüchsigen Sohn abholen. Nach vielen Jahren hat er den in Drogendeals verstrickten Torben endlich gefunden. Aber er verliert ihn gleich wieder durch sein unbeholfenes Vaterverhalten.

"Böser Boden"

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  • „Böser Boden“ „Böser Boden“ Foto: Christine Schroeder
  • „Böser Boden“ Foto: NDR
  • „Böser Boden“ Foto: ARD
  • „Böser Boden“ Foto: ARD
  • „Böser Boden“ Foto: Christine Schroeder
  • „Böser Boden“ Foto: Daniel Bockwoldt

Atmosphärisch starker Film

Außerdem ereilt Falke ein Anruf seiner neuen Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz). Ein 35-jähriger aus dem Iran stammender Ingenieur habe Asyl und Arbeitserlaubnis erhalten. Und liege nun tot vor dem Betrieb, der ihn 18 Monate zuvor eingestellt hatte. Falke und Grosz fahren aufs Land. Es ist der Auftakt zur «Tatort»-Episode «Böser Boden» am Sonntag (26. November, um 20.15 Uhr) im Ersten, dem achten Fall mit Möhring in der Hauptrolle. Inszeniert hat ihn erstmals eine Frau - Sabine Bernardi («Der Club der roten Bänder»). Das Drehbuch für den atmosphärisch starken Film, der manchmal etwas verworrren wirkt, stammt von Georg Lippert und Marvin Kren.

Der Tote hatte für seine Firma, die mit der Fracking-Methode Gas aus der Erde fördert, giftige Restflüssigkeiten transportiert. Und die könnten das Grundwasser und die Luft verunreinigt haben, was die örtlichen Biobauern gewaltig aufregt.

Stilistische Anleihen beim Zombie-Genre

Bei diesem Einsatz ist Falke in Gedanken oft bei seinem Sohn. Einmal fährt er sogar zwischendurch zu ihm in die Hansestadt. Und auch mit Grosz hat der Ermittler es nicht leicht, obwohl er sie in Fall sieben («Zorn Gottes», 2016) selbst als Partnerin ausgewählt hatte. Denn die kompetente Polizistin zeigt sich nach schlimmen Erlebnissen bei einem Afghanistan-Einsatz extrem spröde und verschlossen.

«Die Leute sind befallen», erklärt sie Falke angesichts der verstört und aggressiv auftretenden Öko-Freaks und ihrer Kinder. «Sehen Sie den Leuten doch in die Augen - sind doch halbe Zombies.» In der Tat macht der Krimi, der zum Umweltthriller gerät, auch ein paar stilistische Anleihen beim Zombie-Genre.

Differenzierter Blick auf das Thema Fracking

Was außerdem auffällt, ist der differenzierte Blick auf das gesellschaftlich vieldiskutierte Thema Fracking. Denn einerseits bekommt man zu sehen, wie die Umweltschützer um den Landwirt Jan Kielsberg (Rainer Furch) den Bogen überspannen. Andererseits weiß hier aber auch die Beauftragte der Firma Norfrac überzeugend klingende Aussagen zu machen.

Dem Hauptdarsteller gefällt das: «Der Film verzichtet auf einen moralischen Zeigefinger - und das finde ich wichtig», sagt Möhring im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Solch ein Unternehmen ist in der allgemeinen Betrachtungsweise ja immer der Böse. Es steht für Großkapitalismus und die Belastung der Umwelt. Wird als großer Arbeitgeber als eine Art Sklaventreiber gesehen», so der Schauspieler. «Und die ökologische Bewegung scheint immer per se die Gute zu sein.»

Zuschauer muss selbst entscheiden

Aber so ist es nicht automatisch. Schließlich seien nicht das Parteibuch oder die Flagge, die man vor sich hertrage, wichtig, sondern die Art, wie man Dinge tue, sagt Möhring. «Der Zuschauer muss sich da selbst durchfinden und einen Standpunkt gewinnen.»

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Münster-Tatort: "Gott ist auch nur ein Mensch"

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    Ein Toter in einer Skulptur: Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, rechts) schildert den Kommissaren Frank Thiel (Axel Prahl, links) und Nadeshda Krustenstern (Friederike Kempter, 2.v.l.), was er auf den ersten Blick erkennen kann.

    Foto: © WDR/Wolfgang Ennenbach
  • Beim neuen Münster-Tatort ‚Gott ist auch nur ein Mensch′ geht es um Kunst. Der Leichenfund findet kurz vor Eröffnung der „Internationalen Skulptur-Tage“ statt - eine Anspielung auf die realen Skulptur-Projekte.

    Foto: © WDR/Wolfgang Ennenbach
  • Silke ‚Alberich′ Haller (ChrisTine Urspruch, links) und Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, rechts) untersuchen den Toten. Die Leiche wurde kunstvoll konserviert.

    Foto: © WDR/Wolfgang Ennenbach
  • Zoltan Rajinovic (Aleksandar Jovanovic) ist unter seinem Pseudonym G.O.D. ein Star der internationalen Kunstszene. In Münster wird sein nächster Genie-Streich erwartet.

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  • Der Aktionskünstler gerät schnell unter Verdacht: Kommissar Frank Thiel verhört ihn.

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  • Prof. Borne beschreitet - wie so oft - bei den Ermittlungen eigene Wege. Er wird von  G.O.D. als Meisterschüler ausgewählt und kommt dem Verdächtigen so näher.

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  • Der Künstler ist fasziniert vom Tod. Er stattet ‚Alberich′ und Boerne einen Besuch in der Rechtsmedizin ab.

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  • Boerne erfährt mit dem Skalpell in der Hand, dass Zoltan Rajinovic alias G.O.D. für seine Kunst bis an die Grenze geht. Die Nähe zum Tod scheint ihn zu reizen.

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  • Doch ist der Exzentriker mit den vielen Facetten auch ein Mörder?

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  • „Wir haben einen kunstaffinen Serienmörder in Münster.″ In der Rechtsmedizin müssen Karl-Friedrich Boerne und Silke Haller einen weiteren Toten unter die Lupe nehmen, der in eine Skulptur verwandelt wurde.

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  • G.O.D. wartet im Verhörraum: Kann Kommissar Thiel ihm die Taten nachweisen? Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechtild Großmann) hat Zweifel.

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  • Eine weitere Leiche? Nadeshda Krusenstern und Frank Thiel sind zum Aasee geeilt, wo eine neue Skulptur aufgetaucht ist. Die Kuratorin des international anerkannten Kunstereignisses, Klara Wenger (Victoria Mayer, 2.v.l.), beobachtet den Polizeieinsatz.

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  • Am Tatort trifft Thiel auf "Vaddern" Herbert (Claus D. Clausnitzer, 3.v.rechts). Er kann dem Kommissar erklären, was hinter der Erweiterung des Kunstwerks "Giant Poolballs" steckt.

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  • Der Serienmörder ist weiter auf freiem Fuß. Können die Internationalen Skulptur-Tage in Münster so überhaupt eröffnet werden? Kuratorin Klara Wenger (Victoria Mayer, rechts) muss die ersten Gäste noch vertrösten.

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  • Die Staatsanwältin und Nika Wenger (Gertie Honeck, Mitte), die frühere Kuratorin der Internationalen Skulptur-Tage, kennen sich aus gemeinsamen Tagen in der Kommune. Kommissar Frank Thiel erfährt, dass er damals als kleiner Junge auch dort auftauchte.

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  • G.O.D. steckt in einer Krise und vertraut sich Nika Wenger an, die er schon lange kennt.

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  • Roland Wenger (Matthias Bundschuh) ist Nikas Sohn. Er steht im Schatten seiner erfolgreichen Schwester Klara, die jetzt als Kuratorin agiert. Während der Internationalen Skulptur-Tage in Münster kümmert er sich im Art-Hotel um die Künstler.

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  • Boerne versucht Thiel in der Kunstakademie von der Unschuld seines Meisters zu überzeugen.

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  • Wer steckt hinter den Morden? Und schlägt der Täter bei der Eröffnung der Skulptur-Tage erneut zu? Thiel gerät bei seinen Ermittlungen unter Zeitdruck.

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  • Die Folge ‚Gott ist auch nur ein Mensch′ zeigt ein überzeichnetes Bild der Kunst-Szene. Münsteraner wird es freuen, dass sie in dem Tatort vieles aus ihrer Stadt wiedererkennen.

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