Medien
Rumäniens Talk-Pionierin Teo Trandafir

Bukarest (dpa) - Sie ist rundlich. Am Anfang ihrer Karriere vor 20 Jahren trug sie vor der Kamera auch noch recht biedere Hemdblusen.

Dienstag, 10.06.2014, 14:58 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 10.06.2014, 14:54 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 10.06.2014, 14:58 Uhr

Das sind keine idealen Voraussetzungen zur Prominenz im Macho-Land Rumänien , das Frauen scheinbar nur in Nymphenform auf dem Bildschirm duldet. Und doch hat Teodora Trandafir (46), Rumäniens dienstälteste Talk-Lady, sofort die Herzen der TV-Zuschauer im Sturm erobert und Rekord-Einschaltquoten erzielt. Ihr Kosename «Teo» wurde zur Marke.

Ihr Geheimnis: Sie kommt als Mensch wie du und ich daher, ist aber  witzig, schlagfertig und selbstironisch. Sie ist die große Schwester, sie ist der Kumpel - manchmal auch ein Clown. In ihren Talk-Runden sitzen Leute, die sich für talentiert und wichtig halten, Sänger, Modeschöpfer und anderes Volk aus dem Showbusiness - doch keiner kann mit Teos Mundwerk konkurrieren. Selbst der sehr wortgewaltige rechtsradikale Politiker Corneliu Vadim Tudor verkam neulich in Teos Show auf «Kanal D» zur Witzfigur - passend zu seinem seit Jahren kontinuierlichen politischen Abstieg. Man diskutierte über Conchita Wurst, Tudor hetzte gegen Homosexuelle - und Teo ließ ihn dabei recht alt aussehen.

Kurzzeitig geriet Teo sogar selber in die Politik: 2009 wurde sie Abgeordnete der bürgerlichen Partei PDL . 2010 stimmte sie gegen ihre eigene Partei, als diese drastische Sparmaßnahmen im Parlament einbrachte. Kurz danach legte eine lebensgefährliche Pankreatitis sie für Monate lahm. Kaum genesen, ehelichte sie einen unseriösen Don Juan - die Ehe wurde nach einem halben Jahr geschieden.

Bei alldem litten ihre Fans mit - ebenso wie unter Teos Figurproblemen, über die sie stets freimütig spricht. «Jetzt esse ich pro Tag nur noch soviel wie sieben Fliegen», sagte sie jüngst nach einer Operation zur Verkleinerung des Magens. Gesellschaftskritisch räumt sie ein, dass der öffentliche Druck sie zum Abnehmen veranlasst hat, denn eigentlich habe sie sich mit all ihren Pfunden wohlgefühlt. «Es tut mir leid, dass ich es nicht durchgehalten habe, dick zu bleiben», sagte sie.

Als Teo zum ersten Mal vor der Kamera stand, war das Publikum heißhungrig auf Fernsehen, weil die Zensur erst vier Jahre vorher zusammen mit der kommunistischen Diktatur untergegangen war. Ende der 1980er Jahre gab es in Rumänien nur zwei Stunden TV-Programm pro Tag - und die auch noch gefüllt mit Propaganda für den Diktator Nicolae Ceausescu.

1994 bildete Teo zusammen mit Mircea Badea bei «Tele 7 ABC», Rumäniens erstem Privatsender, das Moderatorenduo für «Guten Morgen, Rumänien», die erste Morgenmagazin-Sendung nach westlichem Modell. Die beiden schrieben damit Fernsehgeschichte. Zwischen politischen Nachrichten schmissen sich Teo und Mircea gegenseitig die spontanen Pointen um die Ohren - es war Zwerchfellgymnastik für die Zuschauer.

Ärmliche Zeiten waren das. Teo erzählte später, wie sie damals täglich eigenhändig die zarten Sandalen einer Kollegin anmalte, passend zur jeweiligen Farbe des Kleides, das diese bei ihrer allabendlichen Glamour-Show tragen wollte. Die Kollegin besaß nämlich nur ein einziges Paar Sandalen. Heute sind beide Damen Millionärinnen in Euro, die Monatsgehälter für rumänische Showmaster liegen im fünfstelligen Euro-Bereich.

Teo verliert aber dennoch nie die Bodenhaftung. «Was kostet ein Bund Liebstöckel in Monaco?», ätzte sie einmal die Kollegin an, die 1994 Sorgen mit ihren Sandalen hatte, jetzt aber im Mittelmeer-Fürstentum lebt. «Jetzt habe ich aber Angst um seine Dauerwelle», sagte sie zu einem Modeschöpfer für Hunde, als dieser vor laufender Kamera einem Pudel eine Mütze aufsetzte. Teos Pointen sind entlarvend, aber nie unter der Gürtellinie und nie unflätig. Auch damit hebt sie sich von vielen Kollegen ab, die immer wieder gern vulgär werden.

Bescheiden schreibt Teo ihren Erfolg nicht ihrem Talent zu, sondern glücklichen Zufällen. Geboren am 2. Juni 1968 als Arzt-Tochter in der südrumänischen Erdöl-Stadt Pitesti studierte sie zunächst Anglistik und Arabistik. Kurz nach der Wende verdingte sie sich in einem Reisebüro, wo sie einen Franzosen traf, der in Rumänien einen Radiosender gegründet hatte und eine Sekretärin brauchte. Bei «Fun Radio» stellte sich dann alsbald heraus, dass Teo mehr konnte als Tippen und Kaffeekochen. «Allein Glück zu haben ist noch kein Beruf, aber es ist entscheidend.» Dies gibt sie ihren Schülern bei einer Bukarester Fernsehakademie auf den Weg - es ist als Abschreckung gemeint.

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