Joe Bonamassa in Münster
Klangmassen aus der Gitarrenhölle

Münster -

Fast nach jedem Stück eilte ein Mann mit Wikinger-Mähne auf die Bühne und tauschte Joe Bonamassas Gitarre aus – wie ein Reifenwechsel bei der Formel-Eins. Der Blues-Rock-Virtuose verwandelte die Halle Münsterland in eine Gitarrenhölle, ließ seine Instrumenten-Kollektion in rasendem Kreissägen-Sound aufheulen, produzierte klirrende Sound-Schleifen im Sekundentakt. Die Bühne – Hammondorgel-Keyboard-Nische, Support-Sängerinnen, Mischpult, Schlagzeug-Insel, Trompete und Saxofon – wurde ausgiebig in feuerrotes Scheinwerferlicht getaucht. Auf dem schwarzen Hintergrundvorhang leuchteten Rauten-Propeller, die zur Decke flogen und von dort wie eine Invasion ins Parkett segelten, um im Pu­blikum kosmetische Retuschen vorzunehmen.

Sonntag, 19.05.2019, 17:20 Uhr
Joe Bonamassa Foto: Günter Moseler

Irgendwann hatte Bonamassa Evil Mama “ über die Rampe gepeitscht und die Gitarrenakkorde durch die Feuerlinien des Schlagzeugs manövriert. Von dem, was Bonamassa sang, war (fast) kein Wort zu verstehen, stattdessen flogen Satz- und Wortfetzen durch den Saal. Doch so stürmisch der Blues-Rock-Orkan, so ungerührt ließ Bonamassa die 100 000-Volt-Klangmassen über sich hinwegwehen: „Candy coated, funky, man she dance so good/(...)/ Halleluja!“, oder spazierte seelenruhig übers Bühnendeck wie Käpt’n Ahab auf der Suche nach finalen Schicksalsschlägen: „That ship for fools has sailed/Won’t take long till it runs aground“. Ab und zu blieb er stehen und wippte mit ausgestrecktem Bein, als drohe die Bühne zu kentern.

Aber so besinnungslos radikal war die Musik nicht, einige lyrische Soli verhalfen dem atemlosen Publikum zu gewissen Atempausen. Dann wandte sich Bonamassa Zwiegesprächen mit dem Mikrofon zu, das plötzlich seine notorische Megaphon-Mentalität verlor, und verfolgte eine instrumental einsame Blues-Spur. Wer nach einem nostalgischen BluesHimmel Ausschau hielt, war an diesem Abend an der falschen Adresse. Von der Hammond-Orgel aus tönte Geisterhall, klang es manchmal wie ramponierter Beethoven. Meist brachen die Kicks ins Berauschte durch, Hagelschauer von Becken und Trommeln, schräge Trompeten- und Saxofonfanfaren, holten Vokalisen der Damen den Urzeit-Blues zurück. Aber Bonamassas Musik hat Form, Farbe, Struktur, Linie. Wenn die Gitarre plötzlich Klänge eines Didgeridoos zu imitieren schien, dann wurde für Momente das feine Detail im Aufrührerischen hörbar: „Deep in the blues again“. Begeisterung.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6624293?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F201%2F
Kräftige Gewitter und Unwetter im Münsterland erwartet
Wetterwarnung: Kräftige Gewitter und Unwetter im Münsterland erwartet
Nachrichten-Ticker