Ausstellung zu Verschwörungstheorien
„Alternative Fakten“ aus 900 Jahren

Lichtenau-Dalheim -

Die Mondlandung fand nur im Filmstudio statt. Bielefeld existiert nicht. Und "Chemtrails" sind gefährlich. Alle drei Aussagen sind falsch. Dennoch sind sie Grundlage gängiger Verschwörungstheorien. Diesen widmet sich eine Sonderausstellung im ehemaligen Kloster Dalheim. Im Internetzeitalter erleben Verschwörungstheorien um die „wahren Drahtzieher“ der Anschläge vom 11. September oder den Klimawandel eine Blütezeit.

Dienstag, 14.05.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 19:39 Uhr
Eine Tasche mit der Aufschrift „Fake news“ ist im Zusammenhang mit der Mondlandung der US-Amerikaner in der Ausstellung „Verschwörungstheorien früher und heute“ im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim, zu sehen. Foto: dpa

Wussten Sie, dass es die Mondlandung gar nicht gab? Die Amerikaner haben sie in einem Filmstudio gedreht, um im Kalten Krieg der Sowjetunion voraus zu sein. Und glauben Sie da jetzt? Sie sollten es nicht. Dass die amerikanische Regierung die Mondlandung nur vorgetäuscht hat, ist eine gängige Verschwörungstheorie. Sie wird in der Sonderausstellung „Verschwörungstheorien – früher und heute“ im ehemaligen Kloster Dalheim thematisiert.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet die Ausstellung am Freitag im Landesmuseum für Klosterkultur im Kreis Paderborn. Rund 250 Exponate aus 900 Jahren werden präsentiert. „Verschwörungstheorien bieten einfache Erklärungen für komplexe Zusammenhänge“, sagt Matthias Löb, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. „Sie sind ein süßes, aber sehr gefährliches Gift.“ Während Theorien, ob es die Mondlandung oder die Stadt Bielefeld wirklich gibt, mit einem Schmunzeln betrachtet werden können, sind viele andere folgenschwer.

Die eigene Meinungsbildung reflektieren

Antisemitische Verschwörungstheorien ziehen sich durch alle Zeiten und werden in der Ausstellung immer wieder aufgegriffen, etwa in den „Protokollen der Weisen von Zion“. Der 1903 erstmals gedruckte Text gilt als ein Kerndokument moderner antisemitischer Verschwörungstheorien. Es ist ein Schlüsselexponat der Schau.

"Verschwörungstheorien - früher und heute"

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    "Alles Lüge?" wird in der Ausstellung "Verschwörungstheorien früher und heute" im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Stiftung Kloster Dalheim, gefragt. Die Sonderausstellung findet vom 18. Mai 2019 bis 22. März 2020 statt und zeigt auf etwa 1.200 Quadratmetern Ausstellungsfläche rund 250 Exponate.

    Foto: dpa
  • Das Wort "Conspiracy" ("Verschwörung") ist in dem Werk "A true narrative of the horrid plot" ("Die wahre Geschichte der abscheulichen Verschwörung") in der Ausstellung "Verschwörungstheorien früher und heute" zu lesen.

    Foto: dpa
  • Die "Protokolle der Weisen von Zion" sind ein Kerndokument moderner antisemitischer Verschwörungstheorien. 1903 erstmals gedruckt, skizziert der fiktive Text einen jüdischen Weltherrschaftsplan.

    Foto: Vera Szybalski
  • Museumsdirektor Ingo Grabowsky sagt über Verschwörungstheorien: "Sie liefern einfache Antworten auf schwierige Fragen."

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  • Ein zerstörter Aufzugsmotor aus dem eingestürzten World Trade Center wird in der Ausstellung "Verschwörungstheorien früher und heute" aufgebaut.

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  • In der Schau wird der Aufzugsmotor dann in einer Vitrine gezeigt. Im Hintergrund sind die brennenden Zwillingstürme des World Trade Center abgebildet.

    Foto: Vera Szybalski
  • Die wissenschaftliche Museumsvolontärin Rebecca Schmidt blickt in eine Vitrine mit Utensilien der Freimaurer.

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  • Die Kunsthistorikerin Helga Fabritius blickt auf das Modell eines Donjon der Templerniederlassung in Paris aus dem Jahr 1808.

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  • Den von Menschen verursachten Klimawandel gibt es nicht? Der Theorie scheint auch US-Präsident Donald Trump nicht abgeneigt, wie ein Tweet aus dem November 2012 zeigt.

    Foto: Vera Szybalski
  • Die Diskussion um Impfgegner hat aktuell wieder Hochkultur. Die Theorie, dass Impfstoffe Autismus verursachen, hält sich hartnäckig.

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  • Der Barcode-Verschwörung zufolge geben Scancodes auf Produkten negative Energien ab, mit deren Hilfe eine "geheime Regierung" sukzessive die Weltbevölkerung reduzieren will. Hilfsmittel wie dieser Entstör-Stift sollen die gekauften Produkte neutralisieren und den Code unschädlich machen.

    Foto: Vera Szybalski

Die Ausstellung will aufklären, wie Verschwörungstheorien entstehen und wirken. Sie will den Besucher ferner zur Reflexion über die eigene Meinungsbildung anregen. Was ist eine Tatsache? Was ist Fiktion? Das Internetzeitalter scheint dabei eine Blütezeit für Verschwörungstheorien zu sein. Mit einem zerstörten Aufzugsmotor aus einem Turm des World Trade Centers ordnet die Ausstellung Verschwörungen über die „wahren Drahtzieher“ der Anschläge vom 11. September ein. Sie präsentiert auch Globuli als Mittel gegen „Chemtrails“, die angeblich krankmachenden Kondensstreifen am Himmel, und geht ausführlich auf die Klimaleugner ein, die nicht an einen von Menschen verschuldeten Klimawandel glauben.

Verschwörungstheorien richten sich verstärkt gegen Eliten

Die überaus sehenswerte Präsentation in Dalheim ist chronologisch aufgebaut, die Besucher laufen durch die Geschichte der Verschwörungstheorien. Diese richten sich seit den 1960er-Jahren verstärkt gegen Eliten und nicht mehr gegen Randgruppen. Dass die Ausstellungsmacher mit ihrer auf 1200 Quadratmetern ausgebreiteten Schau die Verschwörungstheoretiker nicht erreichen, ahnt Museumsdirektor Ingo Grabowsky: „Wir haben schon E-Mails von Menschen bekommen, die uns beraten wollen.“ Alle anderen dürften künftig gegen abwegige Theorien gewappnet sein.

Zum Thema

Zur Ausstellung gibt es ein Rahmenprogramm: Bei der Wissenschaftsshow „Geheimakte Verschwörung“ (29.6.) prüfen Expertinnen von der Organisation „Der goldene Aluhut gUG“ den Wahrheitsgehalt aktueller Verschwörungstheorien. Das neue Lesefestival „Zeit für Helden“ lädt Familien ins Kloster Dalheim ein. Die als Staatsanwältin aus dem münserschen „Tatort“ bekannte Hörbuch- und Hörspielsprecherin Mechthild Großmann liest Geschichten von Sherlock Holmes und James Bond (21.9.). „Die drei Musketiere“ stehen ebenfalls auf dem Lesezettel (22.9.), präsentiert vom neuen Intendanten des Kulturfestivals „Dalheimer Sommer“, dem Schauspieler Harald Schwaiger. Vorträge nehmen unterschiedliche Facetten von Verschwörungstheorien in den Blick: Prof. Dr. Caroline Heinrich gibt unter dem Titel „Und wenn doch was dran ist? – Wie Verschwörungstheorien unsere Urteilskraft aushebeln“ (26.5.) eine Einführung zum Kontext der Sonderausstellung. Unter dem Titel „Verborgene Schädlinge im Paradies – Metaverschwörung als Herrschaftskonzept in der UdSSR“ fragt Dr. Klaus Waschik nach der politischen Nutzung von Verschwörungstheorien in der Sowjetunion der 1930er Jahre (29.9.). Die Merkmale von Hexenverfolgungen sind Thema im Vortrag „Die Dalheimer Hexenprozesse“ von Dr. Rainer Decker (10.11.).
Führungen für Einzelpersonen gehen sonn- und feiertags ab 15 Uhr durch die Sonderausstellung (3 Euro zzgl. Museumseintritt).
Führungen für Gruppen durch Ausstellung, Klostergärten und Klosteranlage können Di bis Fr von 11 bis 16 Uhr unter Telefon (0 52 92) 93  19 225 oder per E-Mail unter besucherservice.dalheim@lwl.org gebucht werden.
Bis 22. März 2020

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