Streit zwischen Italien und Frankreich
Wem gehört denn nun Leonardo?

In Italien geboren, die meiste Zeit seines Lebens in Frankreich gelebt: Leonardo da Vinci. Bis heute sind sich die beiden Länder nicht ganz einig, wohin der berühmte Künstler und Naturwissenschaftler gehört.

Samstag, 27.04.2019, 10:00 Uhr
Das Schloss Amboisean der Loire. In der Kapelle des Schlosses ist die Grabstätte Leonardo da Vincis. Doch ob dort wirklich seine Gebeine ruhen, ist fraglich. Foto: dpa

Im Europa des frühen 21. Jahrhunderts mehren sich die Stimmen rechts­gesinnter Rufer, die gerne wieder das Nationale und Trennende und weniger das europäisch Verbindende herauskehren möchten. So streiten kurz vor den zentralen Ausstellungen Italien und Frankreich darüber, wem Leonardo da Vinci denn eigentlich gehört.

Die deutlich schärferen Töne kommen dabei aus Italien, wo die rechtspopulistische Regierung mit Regierungschef Giuseppe Conte und seinem Vize Matteo Salvini den Künstler natürlich einzig und allein für sich reklamieren will. Zielrichtung: Die Feiern und Ausstellungen zur Erinnerung an dessen Todestag vor 500 Jahren sollen auch Italiens Größe in die Welt tragen.

In der Toskana geboren

Folglich nennt Conte Leonardo „Unser Genie“. Nun wurde das Genie zwar 1452 in dem kleinen Ort Vinci in der Toskana geboren. Aber der Meister lebte die letzten zwei Jahre seines Lebens im Schloss Clos Lucé im mittelfranzösischen Amboise, das ihm zusammen mit einer großzügigen Pension überlassen wurde. Der Hof kam oft nach Amboise, und der König erfreute sich regelmäßig der Gesellschaft seines Schützlings, der 1519 in Frankreich starb.

Nach einer vorläufigen Bestattung an einem anderen Ort wurden die Gebeine entsprechend dem Willen Leonardos am 12. August zum Kloster von St. Florentin gebracht, das im Laufe der Revolution zerstört wurde. Im 19. Jahrhundert gingen bei Restaurierungsarbeiten die sterblichen Überreste verloren. Wo sein Leichnam heute wirklich ruht, ist unbekannt.

Mehr als 500 Veranstaltungen

Mit mehr als 500 Veranstaltungen will Italien den Maler, Bildhauer, Mechaniker, Ingenieur und Wissenschaftler Leonardo würdigen. Höhepunkt in Italien sind drei Ausstellungen: eine im Turiner Musei Reali, die sich den Zeichnungen Leonardos zwischen Wissenschaft und Kunst widmet. Dort wird auch sein berühmtes Selbstbildnis zu sehen sein. Auch das Museum Scuderie del Quirinale in Rom legt einen Schwerpunkt auf Leonardo als Wissenschaftler. Die Accademia dell‘Arte in Venedig beschäftigt sich mit seinen biologischen und anatomischen Studien. Im Ausland sollen 150 Leonardo-Veranstaltungen von Chicago über Monaco und Berlin bis nach China stattfinden.

Natürlich sind auch die Franzosen im Boot, die mit der „Mona Lisa“ im Louvre eines der bedeutendsten Bilder des Meisters beherbergen und dort ab Oktober auch eine große Schau zeigen wollen. Doch Italien zeigte sich, was Leihgaben anbetrifft, zuletzt hartleibig und deutete an, die Abkommen der Vorgängerregierung nicht gelten zu lassen. Die Franzosen halten sich in dem von den Italienern vom Zaum gebrochenen Renommee-Streit vornehm zurück. Nun hoffen eigentlich alle auf die Einsicht, dass die Kultur und Leonardo in Sonderheit ein vereinendes und versöhnendes Element in Europa bilden.

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