500. Todestag
Leonardo da Vinci: Der Popstar der Renaissance

Er war Maler, Bildhauer, Architekt, Musiker, Philosoph, Naturwissenschaftler, Ingenieur – ein Universalgelehrter. Am 2. Mai jährt sich der Todestag von Leonardo da Vinci zum 500. Mal. Kunsthistorikerin Eva-Bettina Krems sieht in ihm einen großen Meister und zeitlosen Künstler.

Samstag, 27.04.2019, 10:00 Uhr
Die „Mona Lisa“und „Das letzte Abendmahl“ zählen zu Leonardo da Vincis berühmtesten Werken. Foto: dpa

Er malte nicht so lieblich wie Botticelli. Sein Sinn für Perfektion unterschied sich von dem eines Raffael. Er war deutlich umgänglicher als Michelangelo: Leonardo da Vinci , so liest es sich aus den Quellen, war ein Typ, der bei den Menschen mit all seinen Ecken und Kanten ankam, vor allem aber wegen seiner besonderen Art zu malen verehrt und gefeiert wurde. Er kleidete sich auffällig, mochte zum Beispiel rosafarbene Gewänder. Wie kein anderer Maler und Bildhauer zuvor inszenierte sich Leonardo als Künstler. Er scherte sich wenig um das, was seine Auftraggeber von ihm wollten.

Trotzdem war der Italiener bei den Mäzenen und Kunstfreunden seiner Zeit beliebt. Die buhlten um ihn und ließen es durchgehen, wenn der Meister Werke nicht vollendete oder Aufträge erst gar nicht annehmen wollte. Eva-Bettina Krems , Direktorin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Münster , hätte den Künstler liebend gern getroffen. „Was würde er heute wohl alles zeichnen, wofür würde er sich interessieren, was erforschen und klären?“ Die Professorin hält im Sommersemester eine Vorlesung über die Renaissance. „Natürlich“, sagt sie, kommt sie dabei auch auf den Universalgelehrten Leonardo da Vinci zu sprechen.

Noch heute großes Interesse

Der große Künstler, dessen Todestag sich am 2. Mai zum 500. Mal jährt, stößt auch im 21. Jahrhundert auf großes Interesse. Er wird zitiert. Seine Mona Lisa ist das bekannteste Gemälde der Kunstgeschichte und hat sich als Posterdruck millionenfach verkauft. Seine Darstellung des Vitruvianischen Menschen ist auf der Rückseite der italienischen Ein-Euro-Münze zu finden. „Der Mann ist ein Phänomen“, findet die Kunsthistorikerin. Seine Schaffensbreite sei enorm. Er hat als Maler gearbeitet, schuf Bühnenbilder und Kostüme fürs Theater, hat sich Stadtpläne ausgedacht, Waffensysteme und Flugapparate konstruiert.

Vielseitig ist vermutlich die Eigenschaft, die den Mann, der 67 Jahre alt wurde, sehr gut beschreibt. Umtriebig auch. Und extrem neugierig. „Leonardo hat alles betrachtet. Sehr intensiv und gründlich. Dabei galt sein Interesse nicht nur dem schönen Schein“, erläutert Eva-Bettina Krems. Darin habe sich Leonardo da Vinci von den zeitgenössischen Künstlern unterschieden. Er trachtete danach, die vielfältigen, individuellen Charakterzüge in seinen Figuren herauszuarbeiten. Seine Methoden, sich Wissen anzueignen, waren ungewöhnlich. Er sezierte Leichen, um den Aufbau des Körpers, das Zusammenspiel von Muskeln zu begreifen. Er beschäftigte sich mit mathematischen Grundlagen der Optik, mit Licht und Schatten, hatte Fantasie und eine enorme Vorstellungskraft, um Dinge entstehen zu lassen.

Es wird als Anekdote berichtet, dass der Judas-Kopf auf dem berühmten Fresco zum Abendmahl lange Zeit unvollendet blieb.

Eva-Bettina Krems

„Es wird als Anekdote berichtet, dass der Judas-Kopf auf dem berühmten Fresco zum Abendmahl lange Zeit unvollendet blieb“, sagt Krems. Der Prior in Mailand sei schon sehr böse gewesen. Leonardos überlieferte Begründung: Er habe nach dem passenden Typ als Vorlage gesucht und sei in verruchten Gegenden unterwegs gewesen. Quasi auf Recherche – und das wochenlang. „Sein Mal-Akt fand nicht nur am Bild statt, sondern er beobachtete Menschen “, erklärt Prof. Krems. Um lachende Personen auf die Leinwand zu bringen, soll er Bauern Witze erzählt haben. Was er dabei beobachtete, notierte er sich in seinen Notizbüchern, um es später im Atelier zu verwenden.

Seine Notizbücher waren randvoll mit Bemerkungen, Hinweisen, Skizzen. 7200 Seiten hat er vollgeschrieben – in einer schwer zu entziffernden Spiegelschrift. Für Eva-Bettina Krems macht genau diese Hingabe Leonados für Details, seine unbändige Neugier zu wissen, was wie funktioniert, seine Faszination heute noch aus. „Er hat experimentiert, sich viele Fragen gestellt. Leonardo war ein so beweglicher Geist.“

Ungewöhnliche Pfade

Er habe Pfade betreten, die für die Renaissance einfach ungewöhnlich gewesen seien. Dass er die Natur genau beobachtete, findet die Kunsthistorikerin, sei in seinen Werken zu sehen. Die besitzen eine unglaubliche Tiefe, seine Figuren sind lebendig, versprühen oft pure Energie.

Dass Leonardo da Vinci viele Künstler inspiriert hat, davon ist Eva-Bettina Krems überzeugt. Auch wenn viele Zeitgenossen ihn zunächst noch nicht verstanden hätten. Für die Kunsthistorikerin ist der Renaissance-Künstler heute noch interessant – weil er zeitlos sei. „Er verkörpert anthropologische Konstanten. Da spielt es keine Rolle, wann er gelebt hat.“

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