Gurke bis Basketball
Wer hängt was an den Christbaum?

Weihnachtsschmuck gehört zu der Art von Bräuchen, die von der weltweiten Globalisierung nicht selten verschont geblieben sind. Was in den Tannenzweigen hängt, verrät viel über Tradition und Marotten.

Mittwoch, 19.12.2018, 10:36 Uhr aktualisiert: 19.12.2018, 14:50 Uhr
Eine «Weihnachts-Gurke» (Christmas Pickle) an einem Weihnachtsbaum. Wenn Kinder sie entdecken, winkt ein weiteres Geschenk. Foto: Johannes Schmitt-Tegge

Athen/Washington - Glaskugeln und Strohsterne zieren über die Weihnachtsfeiertage bei vielen Bundesbürgern die festliche Tanne im Wohnzimmer. Aber warum nicht mal Popcorn in die Zweige packen? Eine Reise rund um die Erde zu teilweise sehr skurrilen Bräuchen.

In SPANIEN leuchten bei vielen Familien die Heiligen Drei Könige am Weihnachtsbaum - «Los Reyes Magos», wie sie dort genannt werden. Während in Deutschland kleine Weihnachtsmänner aus Schokolade beliebt sind, hängen die Spanier stattdessen die Weisen aus dem Morgenland an den Baum. Die Schoko-Könige werden fein säuberlich in buntes Glanzpapier verpackt und mit Aufhänger geliefert. Am 6. Januar wird dann das Fest der Heiligen Drei Könige mit Umzügen, Geschenken und Naschereien begangen. Dann ist es vorbei für Caspar, Melchior und Balthasar. Sie werden alle drei vom Baum genommen und verputzt.

Was wäre in MEXIKO ein Fest ohne Piñata? Die Figuren aus buntem Pappmaché werden mit Süßigkeiten gefüllt und dann zerschlagen. Sie spielen auch an Weihnachten eine Rolle in dem lateinamerikanischen Land. In Form eines Sterns sind die großen Piñatas als Dekoration in Fenstern, an Bäumen und an Straßenlaternen zu sehen. Etwas kleiner gibt es sie auch für den Christbaum. Der mittlere Teil des Sterns ist meist mit glitzerndem Papier umwickelt. An jedem Zacken sind bunte Papierstreifen angebracht, die wie Strahlen abstehen. Im Gegensatz zu ihren großen Brüdern überleben die kleinen Stern-Piñatas aber Weihnachten - denn sie haben keine Füllung aus Süßigkeiten.

Weihnachtliche Deko-Trends

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    Die Weihnachtsdekoration muss längst nicht mehr nur rot und gold sein. In diesem Jahr liegen auch pink, grün und petrol im Trend. Dazu gibt es dann Lamas und Flamingos.

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  • Ein Einhorn an einem Weihnachtsbaum: Trendscout Gabriela Kaiser vermutet, dass vor allem junge Leute solch lustige Figuren bevorzugen.

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  • Doch auch in diesem Jahr muss es nicht schrill und bunt sein. Weiß gehört genauso wie rot weiter zu den Klassikern im Advent.

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  • In Kombination mit schwarz oder dunkelgrau wirken Rottöne, die bis zu pink reichen, elegant.

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  • Der Flamingo hat im vergangenen Jahr als Dekoration Karriere gemacht. Jetzt bekommt er von den Lamas Konkurrenz, bleibt aber weiterhin beliebt.

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  • Der Klassiker in vielen Familien: rote Dekoration. Angefangen bei Kerzen bis hin zu den Kugeln am Baum.

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  • Die Farbe grün liegt in diesem Jahr im Trend - und damit ist nicht nur der Baum gemeint. Die Farbe Grün wird laut der Trendforscherin auch deshalb beliebter, weil längst nicht mehr jeder einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer stehen hat.

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  • Kugel passen nicht nur an den Baum, sondern auch in Schalen, Vasen und an einer Schnur ins Fenster.

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  • Bunte und bemalte Kugeln liegen im Trend. Dabei greifen viele Kreative auch zu eigenen Ideen und bemalen Kugeln mit Kreidefarbe.

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  • Lamas erobern derzeit den Markt - und lassen die Weihnachtsdekoration dabei nicht aus. Es gibt sie meist in kuscheliger Ausführung, etwa gefilzt als Anhänger oder als Stehfigur.

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  • Grüne Kugeln sind in diesem Jahr besonders begehrt. Am Baum, gemischt mit anders farbigen Kugeln, oder in Vasen oder Schalen passen sie gut zur Weihnachtsdekoration.

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In Afrika sind viele der Weihnachtstraditionen von den Kolonialmächten importiert und geprägt worden. So sehen etwa in KENIA, einer ehemals britischen Kolonie, die Weihnachtsbäume ähnlich aus wie in Europa. Sie sind beispielsweise mit bunten Kugeln und Lichterketten dekoriert. Allerdings sind Tannen in den meisten Ländern Afrikas eher schwer zu finden - meist werden Alternativen wie Zypressen oder auch zunehmend Plastikbäume genommen.

In ÄTHIOPIEN, das bereits seit vielen Jahrhunderten vorwiegend christlich ist, aber nie kolonialisiert wurde, gehören Christbäume traditionell nicht zum Weihnachtsfest. Erst in jüngeren Jahren hat sich der Trend dort verbreitet. Allerdings gilt generell in Afrika: Millionen von Menschen haben dort überhaupt keinen Weihnachtsbaum.  

In DÄNEMARK darf das sogenannte Kræ‎mmerhus am Weihnachtsbaum nicht fehlen. Dabei handelt es sich um eine kegelförmige Tüte, die in der Regel selbst gebastelt wird. Traditionell ist sie mit Süßigkeiten, Nüssen oder Keksen gefüllt. 

In TSCHECHIEN lässt sich der Ursprung der Tradition exakt bestimmen: Johann Carl Liebich, Direktor des Prager Deutschen Theaters und im bayerischen Passau aufgewachsen, soll den Brauch des Weihnachtsbaums im Jahr 1812 nach Prag gebracht haben, um seinen Ballgästen eine Überraschung zu bereiten. Drei Jahrzehnte später gab es in der Stadt den ersten Verkaufsstand für Christbäume, die anfangs noch mit Früchten und Lebkuchen geschmückt wurden. Seit einigen Jahren liefern sich mehrere Gemeinden in Tschechien einen Wettbewerb um den größten lebenden, geschmückten Weihnachtsbaum. Rekordhalter ist derzeit eine mehr als 30 Meter hohe Fichte in der Kleinstadt Mladkov.

In THAILAND, wo fast die gesamte Bevölkerung an Buddha glaubt, spielt Weihnachten und Weihnachtsschmuck keine große Rolle. Mit einer Ausnahme: In den großen Einkaufszentren gehören Weihnachtsbäume aus kommerziellen Gründen unbedingt dazu. Dabei sind der gestalterischen Freiheit kaum Grenzen gesetzt. In Bangkok zum Beispiel steht ein stilisierter Baum, der - warum auch immer - nicht nur mit Kugeln, sondern zudem mit Fußbällen und Basketbällen geschmückt ist. Bei Temperaturen von 35 Grad aufwärts sind die Bäume aber nur selten echt. Mancherorts finden sich auf dem Bürgersteig ziemlich dürre Attrappen aus Metall, klassisch verziert mit Kugeln und Sternen.

In den USA lieben die Menschen vollbehangene Weihnachtsbäume. Manche Bäume in Wohnzimmern und Vorgärten sind so glitzernd, bunt und schrill, dass es Europäern in den Augen schmerzt. Viele Familien behängen ihre Weihnachtsbäume mit medaillenförmigen Ornamenten, die kleine Erinnerungsfotos von Familienmitgliedern oder besonderen Anlässen enthalten. An manchen Bäumen gibt es einen sehr merkwürdigen Schmuck: Da hängt etwas versteckt eine saure Gurke, grün schillernd aus Glas oder Kunststoff hergestellt. «Christmas Pickle» oder «Good Luck Pickle» (Glücksgurke) nennt man das. Wenn Kinder sie entdecken, winkt ein weiteres Geschenk. Amerikaner meinen, der Brauch stamme ursprünglich aus Deutschland - obwohl dort die Weihnachtsgurke weitgehend unbekannt ist. Auch beliebt sind Popcorn-Girlanden.

In FRANKREICH ist das Elsass eine Weihnachts-Hochburg. Manche traditionsbewusste Menschen dort hängen heute noch wie in alten Zeiten «Bredele» an den Weihnachtsbaum - also selbst gebackene Plätzchen. Das Wort stammt aus dem elsässischen Dialekt und bedeutet so viel wie «kleines Brot». Doch Vorsicht: Nicht alle diese Sterne, Männchen oder Schaukelpferde aus Teig sind auch essbar. Im Internet kursieren Rezepte mit Zimt, Nelken - und Klebstoff. Diese Plätzchen werden nicht gebacken, sondern nur getrocknet. Sie sollen so haltbar sein, dass sie nicht nur eine Saison lang den Weihnachtsbaum schmücken können.

In GRIECHENLAND hat der Weihnachtsbaum noch keine allzu lange Tradition. Der bayerische Prinz Otto von Wittelsbach, der von 1832 bis 1862 erster moderner König Griechenlands war, soll ihn eingeführt haben. Am liebsten blinken die Bäume bunt und voll beladen - es gibt sie aus Kunststoff in allen Farben, aber auch echtes Tannengrün kommt zum Einsatz. Außerdem wird der Baum im Wohnzimmer durchaus schon im November geschmückt, damit man sich lange daran erfreuen kann.Typisch griechisch ist aber eine andere Tradition: In vielen Tavernen und Geschäften sowie an Häfen und auf Marktplätzen sind zu Weihnachten Boote zu finden, die mit Lichtern geschmückt sind. Damit erinnert die Seefahrernation an die Seeleute und Fischer, die auch an den Feiertagen fern von der Familie auf dem Meer unterwegs sind.

In BULGARIEN folgen die Menschen seit dem Niedergang des Ostblocks gern westeuropäischen Modetrends in Sachen Weihnachtsschmuck. Dieses Jahr wurden oft die Trendfarbe Lila sowie Metallic-Töne, Gold, Kupfer und Silber übernommen. Das Besondere im orthodoxen Bulgarien ist, dass die geschmückten Bäume sowie der gesamte Weihnachtsschmuck mindestens bis zum orthodoxen Weihnachtsfest nach dem alten Julianischen Kalender am 7. Januar weiter stehen bleiben - zuhause, in Einkaufszentren, Schaufenstern und an den Hauptstraßen. Bulgariens Orthodoxe Kirche ist erst vor 50 Jahren - im Jahr 1968 - vom alten Julianischen zum Gregorianischen Kalender übergegangen.

In ITALIEN werden Weihnachtsbäume in der Regel am 8. Dezember aufgestellt. Dann weiht auch der Papst den Baum am Petersplatz ein, was jedes Jahr ein großes Spektakel ist. Echte Tannenbäume sind bei Privatleuten dagegen eine Seltenheit, die meisten haben einen Plastikbaum. Der wird dann wie in Deutschland mit Lichtern, Kugeln und verschiedenen Anhängern geschmückt. Echte Kerzen für den Tannenbaum sucht man in Italien oft vergeblich, da greifen die Leute lieber zu Elektrolämpchen.

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