Wie sich Westfalens Kultur für die Zukunft aufstellen will
„Digital, professionell, nachhaltig“

Münster/Havixbeck -

Barbara Rüschoff-Parzinger, seit nunmehr zehn Jahren Kulturdezernentin beim Landschaftsverband-Westfalen Lippe (LWL), holt weit aus, wenn sie die Marksteine für die künftige Kulturarbeit zwischen Minden und Siegen, Gronau und Detmold setzt. Bestimmte Begriffe führt sie dann immer wieder an: „Professionalisierung“, „Digitalisierung“, „Nachhaltigkeit“, „Leuchttürme“. Keine Frage: In Westfalen gibt es kulturell viel zu bestaunen – und noch viel zu tun.

Mittwoch, 21.03.2018, 16:03 Uhr

Wo die Droste lebte: Burg Hülshoff soll in den nächsten Jahren zu einem überregional bedeutsamen Literaturort heranwachsen. Ein Leuchtturmprojekt des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Foto: Wilfried Gerharz

„Wir haben es mit einer völligen Veränderung unserer Gesellschaft zu tun. Neue Wege der Kommunikation stellen un­sere Kulturarbeit geradezu auf den Kopf!“ Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, seit nunmehr zehn Jahren Kulturdezernentin beim Landschafts verband-Westfalen Lippe (LWL), holt weit aus, wenn sie die Marksteine für die künftige Kulturarbeit zwischen Minden und Siegen, Gronau und Detmold setzt. Bestimmte Begriffe führt sie dann immer wieder an: „Professionalisierung“, „Digi talisierung“, „Nachhaltigkeit“, „Leuchttürme“.

Was so ein Leuchtturm ist oder sein könnte, zeigt sich – auch wenn die Kärrnerarbeit in den vergangenen Jahren mühsam war – an der Burg Hülshoff. An diesem kalten Märzabend, an dem Rüschoff-Parzinger Kulturhorizonte aufzeigt, liegt die alte Wasserburg noch tief im Winterschlaf. Doch der neue „Burgherr“, Gründungsintendant Jörg Albrecht, soll den Frühling an den Literaturort bringen, was der ambitionierte junge Mann ohne Frage schaffen wird – auch wenn sich die Burg derzeit noch außerhalb von Internet und WLAN befindet.

Barbara Rüschoff-Parzinger

Barbara Rüschoff-Parzinger Foto: LWL/BOK+Gärtner/Julia Cawley

Für Rüschoff-Parzinger ist dies ein Ansatzpunkt, auch kritisch in ländliche Regionen zwischen Sauerland und Lippe zu blicken, in denen manches Museum noch immer nicht online ist. Da hat sie ihren eigenen Standpunkt: „Was nicht im Netz ist, ist nicht da.“

An diesem Thema klebt förmlich ein zweites, nämlich die Frage der Professionalisierung von Museums- und Öffentlichkeitsarbeit. Hier wirbt die Landesrätin dafür, dass sich kleinere Museen personell zusammenschließen, um ihr Angebot im Netz zu professionalisieren – übrigens gerne auch mit Unterstützung des LWL. Daran hängt wiederum ein dritter Denkansatz: Bei ihren Gesprächen mit Museumsleuten und Kulturpolitikern wirbt Rüschoff-Parzinger für klare Professionalisierung. Nicht jedes kleine Heimatmuseum, ehrenamtlich betreut, sieht sie als zukunftsfähig an.

Eher schon das thematisch fokussierte Museum, das mehrere Gemeinden professionell ausstatten und hauptamtlich betreuen. Nachhaltig müsse so etwas sein, sagt Rüschoff-Parzinger. Wer da nicht die Absicht habe, ein solches Projekt, das dann auch finanziell angeschoben werden muss, mindestens 25 Jahre in Betrieb zu halten, der könne das glatt vergessen.

Die Kulturdezernentin verweist auf das Pfund, mit dem der Landschaftsverband mit Sitz in Münster wuchern kann. 700 Experten und Kuratoren, vom Archivar über den Archäologen bis zum Geografen und Historiker, stehen bereit, um Kultur und Heimatkunde an Ort und Stelle zu pflegen und kulturelle Debatten anzustoßen. Die „Industriekultur“ sieht die Landesrätin dabei als einen Leuchtturm an, den es mehr herauszustellen gilt. Dabei gehe es nicht um alte Fördertürme, sondern um frische neue Ausstellungsideen. Um Museen also, die „gesellschaftliche Experimentierräume“ aufbauen, wo über die Zukunft nachgedacht wird. Sonst drohten solche Häuser zu leeren Hallen zu verkommen.

Museen über freien Eintritt zu pushen, hält die Landesrätin für eine wenig nachhaltige Idee. Nach ei­nem kleinen Hype wäre der Reiz vorbei, und gerade die Einnahmen aus zugkräftigen Ausstellungen seien notwendig, um sich auch ambitionierte Projekte leisten zu können.

Es fehlt der Kulturdezernentin nicht an Selbstbewusstsein. Das setzt sie ein, wenn es um die Bedeutung der Kommunalverbände für die Kulturpflege geht. Ob das Land Nordrhein-Westfalen, das die Kultur jetzt immerhin in ein Ministerium hochgestuft hat, das auch begreift, steht auf einem anderen Blatt. Im Landeskulturbericht etwa tauchen die Landschaftsverbände, die zusammen mehr für Kultur ausgeben als das Land NRW, nur auf ein paar mageren Seiten auf – hinter dem Kultursekretariat Gütersloh.

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