Zu Gast im „Schlesischen Elysium“
Die Schlösser im malerischen Hirschberger Tal erwachen nach langem Dornröschenschlaf zu neuer Blüte

Jelenia Gora/Hirschberg -

Nur 70 Kilometer östlich von Deutschlands östlichster Stadt, Görlitz, tut sich für den Kulturreisenden ein „Schlesisches Elysium“ auf. Ein kleines Paradies also, das nicht nur mit der malerischen Landschaft des Riesengebirges und seiner wuchtigen Schneekoppe (1602 Meter) imponiert, sondern mit einer ansehnlichen Anzahl Schlössern.

Freitag, 10.08.2012, 17:08 Uhr

Zu Gast im „Schlesischen Elysium“ : Die Schlösser im malerischen Hirschberger Tal erwachen nach langem Dornröschenschlaf zu neuer Blüte
Schloss Lomnitz ist Kulturzentrum und Hotel mit schlesischem Charme. Foto: Johannes Loy

Vieles verfiel in den Jahren nach Krieg und Vertreibung und in 55 Jahren kommunistischer Staats- und Planwirtschaft. Und die neuen Siedler, ostpolnische Vertriebene, hatten andere Sorgen. Doch dann kam die Wende. Wo also noch vor wenigen Jahren Sträucher aus den Fenstern wuchsen, stehen hier und da imposante Schlosshotels oder kulturelle Begegnungszentren.

Miniaturschlösser-Park und Literatur

Wer einen Überblick über die Schlösserlandschaft im Hirschberger Tal benötigt, der ist im Miniaturenpark in Kowary/Schmiedeberg richtig. Hier kann man gewissermaßen wie mit Sieben-Meilen-Stiefeln wie Gulliver durch einen Park kulturhistorischer Bauwerke wandern. Wer etwas über die schönen Schlösser im Hirschberger Tal lesen möchte, dem ist das bereits in dritter Auflage erschienene Werk von Arne Franke und Katrin Schulze mit dem Titel „Das schlesische Elysium“ zu empfehlen. Es widmet sich jedem der vierzig Burgen, Schlösser und Herrenhäuser mit ausführlichen Texten und zahlreichen Bildern (Deutsches Kulturforum Östliches Europa, 226 Seiten, 19.80 Euro).

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Bestes Beispiel ist das Schloss Lomnitz bei Hirschberg , das eine wundersame Wiederauferstehung erlebte. Ulrich von Küster aus Wiesbaden, angehender Jurist, und seine junge Frau Elisabeth aus Berlin erfahren Anfang der 1990er Jahre in der Nachwendezeit aus einer polnischen Zeitung, dass das Schloss Lomnica bei Jelenia Góra/Hirschberg zum Verkauf stehe. Es ist das Gut der Familie von Küster, die 1945 aus Schlesien flüchten musste. Die beiden jungen Leute sind Feuer und Flamme für den Besitz der Vorfahren, wagen das schier Unmögliche.

Es folgt die mühevolle Geschichte des Wiederaufbaus. Der Verein zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur greift den jungen Leuten unter die Arme, besorgt Fördermittel und nimmt seinen Sitz in Lomnitz. Heute erstrahlt das Herrenhaus in alter und neuer Pracht, das Witwenschlösschen nebenan ist ein feines Hotel mit guter schlesischer Küche, das landwirtschaftliche Dominium glänzt als Ausflugsstätte mit landwirtschaftlichem Museum, schmucken Mode- und AndenkenLäden sowie einer traumhaften Lehr- und Schul-Küche, die das westfälische Traditionsunternehmen Miele gestiftet hat.

Jüngstes Wiederaufbauprojekt ist das vor dem Verfall gerettete schlesische Fachwerk­-Bethaus von Schönwaldau, das am Schloss wiederaufgebaut werden soll. Direkt jenseits des Flusses Bober in Lomnitz strahlt ein weiteres Herrenhaus durch die Bäume. „Palac Wojanow“, das frühere Schloss Schildau, wurde 1839 von König Friedrich Wilhelm III. als Sommersitz für seine Tochter Luise gekauft und hat sich wieder feinstens herausgeputzt – als luxuriöses Hotel mit Country-Charme und Wellness-Angeboten.

Schloss Schildau

Schloss Schildau bietet heute Wellness und edles Ambiente.

Ein romantischer Zufluchtsort war das Hirschberger Tal schon im späten 18. Jahrhundert. Künstler wie die Görlitzer Grafiker Christoph Nathe und Johann Gottfried Schulz, der Maler Carl Christoph Reinhardt oder später Caspar David Friedrich und Adrian Ludwig Richter zeigten sich von der imposanten Landschaft angetan. Bald wurde das Tal auch Ziel von Dichtern, Schriftstellern und Kulturreisenden wie Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Körner, Alexander von Humboldt und Theodor Fontane. Auch wurden preußische Adelige und Repräsentanten des Königshauses aufmerksam. Es entstanden etwa 40 repräsentative Schlösser und Sommersitze.

Stabkirche Wang

Die Stabkirche Wang ließ Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. von 1842 bis 1844 in Krummhübel im Riesengebirge wiederaufbauen.

Ein Zufluchtsort besonderer Art wurde das Hirschberger Tal für über 400 protestantische Glaubensflüchtlinge aus Tirol. Sie fanden ab 1837 mit Hilfe König Friedrich Wilhelms III. eine neue Heimat in diesem Teil Preußens, der sie mit den Bergen an die Heimat erinnerte. Viele dieser Tiroler stammten aus dem Zillertal, was im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einer Änderung des Ortsnamens in Zillerthal-Erdmannsdorf führt.

Johann Fleidl

Das Denkmal in Erdmannsdorf ist Johann Fleidl, dem Anführer der Zillertaler Glaubensflüchtlinge, gewidmet.

Vor dem Hohenzollernschloss in Erdmannsdorf, das heute als Schule dient, erinnert ein Denkmal an den tapferen Tiroler-Anführer Johann Fleidl. An dem Balkon eines Tirolerhauses ist die restaurierte Inschrift der dankbaren Flüchtlinge aus jener Zeit zu sehen: „Gott schütze den König Friedrich Wilhelm III.“ Tragisch: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Nachfahren der Tiroler mit ihren schlesischen Nachbarn ein zweites Mal vertrieben, diesmal in den Westen.   | www.vskschlesien.de

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