WADA achtet auf FIFA
Russischer Doping-Skandal nach Olympia nicht beendet

Der russische Doping-Skandal wird nach den Winterspielen nicht zu Ende sein. Geheime Daten aus dem Moskauer Analyselabor könnten weitere Fälle aufdecken. Die FIFA muss noch den Doping-Verdacht gegen Spieler des WM-Gastgebers Russland klären. Die WADA passt auf.

Montag, 05.02.2018, 18:02 Uhr

Der russische Doping-Skandal wird nach den Winterspielen nicht beendet sein.
Der russische Doping-Skandal wird nach den Winterspielen nicht beendet sein. Foto: Arno Burgi

Pyeongchang (dpa) - Günter Younger musste kurz vor Olympia unerwartet Überstunden machen. Nach der Aufhebung der lebenslangen Olympia-Sperren von 13 russischen Athleten und zwei Betreuern durch den Internationalen Sportgerichtshof lieferte er der unabhängigen Prüfkommission Dossiers für jeden Fall.

Zuvor hatte er der vom Internationalen Olympischen Komitee berufenen Kommission schon die Dokumente zur Beurteilung der 169 Russen übermittelt, die nun unter neutraler Fahne an den Start gehen dürfen.

Mitentscheidend für die Ablehnung der Teilnahme der 15 Russen an den Winterspielen in Pyeongchang waren die geheimen Daten aus dem Moskauer Analyse-Labor, die der Welt-Anti-Doping-Agentur zugespielt worden waren. «Das war ein wichtiges Element», sagte Younger, der als Leiter der Ermittlungs-Abteilung der WADA die brisanten Testdaten von 2012 bis 2015 ausgewertet hat, der Deutschen Presse-Agentur.

Bis heute bestreitet Russland die Authentizität der sogenannten «Limbs»-Datei, gewährt der WADA keinen Zutritt zu Doping-Proben, die Beweise für den Skandal um staatlich dirigierten Sportbetrug sein könnten. «Wir haben versucht, die Hände auszustrecken und den Russen angeboten, es gemeinsam aufzuarbeiten», berichtete Younger. «Es ist nach wie vor schwierig. Die Russen stehen mehr sich selbst im Wege als uns.»

Als «beschämend» bezeichnete Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew den Schritt des IOC. «Die Entscheidung ist unfair, ungesetzlich, unmoralisch und politisch aufgeladen», wetterte der Regierungschef auf Facebook.

Auch nach den Winterspielen ist ein Ende der Doping-Affäre nicht in Sicht, so lange Russland nicht alle Bedingungen erfüllt, die für seine uneingeschränkte Rückkehr in den Weltsport von der WADA gefordert werden. Dazu gehört auch das Bekenntnis zum McLaren-Report, in dem die Dimension des Doping-Systems in Russland dokumentiert ist. «Wenn dies alles nicht erfüllt wird, wird die WADA die Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur nicht aufheben», erklärte Younger.

Auch die ausgewerteten Limbs-Daten über weitere dopingverdächtige russische Athleten, die den internationalen Verbänden von der WADA zur weiteren Verfolgung und möglicher Sanktionierung weitergegeben wurden, könnten noch einiges ans Tageslicht bringen. «Wie viele Fälle es noch werden, kann ich nicht sagen», sagte Younger.

Offen ist auch die Überprüfung von Doping-Proben russischer Fußballer durch den Weltverband FIFA , die wenige Monate vor der WM in Russland noch für Wirbel sorgen könnte. Im Bericht des WADA-Sonderermittlers Richard McLaren sind 34 Fußballer aus dem WM-Gastgeberland als dopingverdächtig erwähnt.

Die FIFA erweckte lange Zeit den Eindruck, die möglichen Doping-Fälle nicht wirklich aufklären zu wollen. «Wir haben der FIFA im Dezember die entsprechenden Daten aus Limbs gegeben und stehen zur Verfügung, wenn sie Hilfe benötigen bei den Ermittlungen», sagte Younger und versicherte: «Wir werden trotzdem darauf schauen, dass die Ermittlungen am Ende durchgeführt worden sind und nicht einfach brachliegen.»

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