Die fantastischen Fünf
Mannschaftsgold in der Vielseitigkeit - Michael Jung gelingt zudem der totale Triumph

london -

Go for gold, finally: Endlich. Die deutschen Vielseitigkeitsreiter haben gestern die ersten beiden Goldmedaillen dieser Spiele geholt und diese dann auch noch mit der bronzenen garniert. Peter Thomsen mit Barny, Dirk Schrade mit King Artus, Sandra Auffarth (Opgun Louvo), Michael Jung (Sam) und Ingrid Klimke mit Abraxxas setzten im abschließenden Springen den vorangegangenen sehr starken Leistungen in der Dressur und im Gelände die Krone auf. Da half auch königliches Daumendrücken für die Konkurrenz nichts: England wurde im Beisein der Herren Prinzen William und Harry sowie der Prinzessinnen Camilla, Kate und Anne sowie unter tatkräftiger Mithilfe von Queen-Enkelin Zara Philipps nur Zweiter. Platz drei belegte Neuseeland.

Mittwoch, 01.08.2012, 12:08 Uhr

Die fantastischen Fünf : Mannschaftsgold in der Vielseitigkeit - Michael Jung gelingt zudem der totale Triumph
Eine verschworene Truppe, ein echtes Team: Peter Thomsen, Dirk Schrade, Sandra Auffarth, Ingrid Klimke und Michael Jung (von links) freuen sich über Mannschaftsgold in der Vielseitigkeit. Foto: dpa

Ausgelassenheit wäre gestrunzt, um die Freudenszenen im deutschen Lager beschreiben zu wollen. Da wurde geherzt, geküsst, umschlungen und triumphiert. Es war eine einzige Freudenparty, die sich da anbahnte, aber noch auf den Nachmittag verschoben werden musste, denn: Mannschaftsgold war ja nur Teil eins der Medaillenmission. Wenige Stunden später erhielt Michael Jung ( RSG Altheim ) sein wohl schönstes Geburtstagsgeschenk: Gold in der Einzelwertung, Bronze ging zudem an Sandra Auffarth ( RV Ganderkesee /Delmenhorst). Eine perfekte Vorstellung.

Das Einzel-Gold des jetzt 30-Jährigen war sicherlich die Sensation und eine unglaubliche Dramaturgie eines tollen Tages. Die Schwedin Sara Algotsson-Ostholt, Ehefrau des Mannschaftsolympiasiegers 2008, Frank Ostholt (Warendorf), lag klar in Führung, patzte jedoch mit ihrer Stute Wega am allerletzten Hindernis und fiel auf Rang zwei zurück. „Shit happens“, fluchte sie später damenhaft und nahm das Malheur äußerlich gefasst hin.

Im deutschen Team herrschte natürlich Jubel ohne Grenzen. DOSB-Chef Dr. Thomas Bach und der Chef de Mission, Dr. Michael Vesper waren ruckzuck zur Stelle, um den Medaillengewinnern zu gratulieren. „Der Knoten ist durchgeschlagen“, hoffte Vesper auf eine reiterliche Signalwirkung auf das restliche Olympiateam. „Dass es am Ende so ausgeht in diesem Weltklasse-Feld ist einfach unglaublich. Gigantisch, ich bin einfach froh und stolz, dabei zu sein“, sagte Bundestrainer Hans Melzer. Der dann spontan eines ausschloss: „Wir feiern heute Abend ganz bestimmt nicht im olympischen Dorf. Da gibt es nur Wasser und Fanta.“

Zittern um den Sieg war am Dienstag inbegriffen. Vor allem, als Peter Thomsen (Großen Wiehe) zwei Abwürfe vorlegte. „Ich habe inständig gehofft, dass wir mein Ergebnis nicht brauchen“, sagte der mit 51 Jahren Senior im Team. Alles ging gut, weil Olympia-Newcomerin Sandra Auffarth (Delmenhorst) mit ihrem Opgun Luovo ebenso „null“ ging, wie Dirk Schrade (Volmarstein) auf King Artus – und ebenfalls Michael Jung mit seinem Sam.

So richtig aus sich heraus ging der amtierende Welt- und Europameister und jetzt auch noch Olympiasieger – diese Konstellation hat es im Reitsport noch nicht gegeben – jedoch selbst dann nicht, als er wusste, dass sein Ritt der goldene war; Ingrid Klimke aus Münster musste als letzte Deutsche im Parcours nur noch auf sich und ihr Abschneiden für die Einzelwertung achten.

Die führenden Teams, Deutschland, England, Schweden und Neuseeland lagen vor dem Springen dicht beieinander. Eine Prognose abzugeben war unmöglich; 23 000 Zuschauer in der fantastischen Anlage in Greenwich Park machten das Springen zusätzlich zu einem grandiosen Event: Wenn‘s drauf ankam, und das war oft der Fall, hätte man die Stecknadel auf die Holzbohlen der steilen Tribüne fallen hören. War‘s vorbei, entlud sich die Erleichterung darüber in ohrenbetäubendem Applaus. Stimmung wie in Wembley mit königlicher Unterstützung und deutschem Freudentaumel. Gewaltig.

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