Handball-WM: Halbfinale
Schwarzer Abend an der Elbe: Deutschland scheitert an Norwegen

Hamburg -

Das war's: Die deutschen Handballer verpassen durch die Halbfinal-Niederlage gegen Norwegen ihr erstes WM-Endspiel seit zwölf Jahren. Stattdessen spielt die DHB-Auswahl am Sonntag nun um die Bronzemedaille.

Freitag, 25.01.2019, 22:16 Uhr aktualisiert: 25.01.2019, 22:36 Uhr
Uwe Gensheimer glänzte im Halbfinale als bester Deutscher. Doch auch der Kapitän konnte die Niederlage gegen Norwegen nicht verhindern. Foto: dpa

Am Abend, an dem sich die deutschen Handballer aus Hamburg triumphal vom eigenen Publikum Richtung Dänemark verabschieden wollten, ging alles daneben, was denkbar war. Ein zugegeben hammerstarker Gegner, eine Deckung, die nie an die bisherigen Leistungen anknüpfte, ein Aufbau ohne Ideen und dazu ratlose Torhüter.

Ja, zudem hatten die Gastgeber auch mit den Schiedsrichtern kein Glück beim 25:31 (12:14). So kam es zum logischen Aus im Halbfinale der Heim-WM. Gegen Frankreich geht es am Sonntag (14.30 Uhr) nur um Bronze. Die Vorgabe hatte das DHB-Team mit Bravour erfüllt, mehr saß nicht drin.

Zuschauer kaum zu beruhigen

Den Aufbau organisierte diesmal zunächst Paul Drux, Hendrik Pekeler packte sich vorgezogen von Anfang an Superstar Sander Sagosen. Die ersten Abwehraktionen gelangen, die Angriffe saßen. Doch mit einer strittigen Zeitstrafe gegen Drux geriet das Fundament erstmals aus den Fugen, aus einem 3:1 (4.) wurde ein 3:4 (8.). Schlussmann Andreas Wolff zeigte sich, gegen Linkshänder Magnus Rod aus dem Rückraum war er machtlos. Wie in fast allen bedeutenden Partien des Turniers ging es eng zu.

Deutschland verliert im Halbfinale gegen Norwegen

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  • Der goldene WM-Traum ist beendet: Die deutschen Handballer haben einen packenden Halbfinal-Krimi am Freitagabend in Hamburg gegen Norwegen mit 25:31 (12:14) verloren und den Einzug in ihr erstes WM-Endspiel seit zwölf Jahren verpasst.

    Der goldene WM-Traum ist beendet: Die deutschen Handballer haben einen packenden Halbfinal-Krimi am Freitagabend in Hamburg gegen Norwegen mit 25:31 (12:14) verloren und den Einzug in ihr erstes WM-Endspiel seit zwölf Jahren verpasst.

    Foto: Soeren Stache
  • Anstatt im Finale gegen Olympiasieger Dänemark wird die Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop nun am Sonntag (14.30 Uhr/ZDF) gegen Rekord-Weltmeister Frankreich im Spiel um Bronze antreten.

    Foto: Soeren Stache
  • Noch in der Nacht macht sich die DHB-Auswahl per Bus auf den Weg ins dänische Herning, wo am Sonntag nach dem Spiel um den dritten Platz das Finale zwischen Dänemark und Norwegen stattfindet.

    Foto: Soeren Stache
  • Trotz der lautstarken Unterstützung der 12.500 Zuschauer in der ausverkauften Hamburger Arena waren die Norweger eine Nummer zu groß.

    Foto: Axel Heimken
  • In der extrem schnellen Partie war Kapitän Uwe Gensheimer mit sieben Treffern bester Werfer der deutschen Mannschaft, die erstmals im Turnier Schwächen in der Abwehr offenbarte.

    Foto: Axel Heimken
  • Handball-WM: Deutschland verliert im Halbfinale gegen Norwegen Foto: Soeren Stache
  • Erfolgreichster Norweger war Magnus Röd von der SG Flensburg-Handewitt, dem sieben Tore gelangen.

    Foto: Axel Heimken
  • Dass zu einer nächsten Nervenschlacht kommen könnte, zeigte sich schon in den Anfangsminuten der Partie.

    Foto: Soeren Stache
  • Zunächst führte die deutsche Mannschaft, dann aber drehten die Norweger wieder das Spiel.

    Foto: Axel Heimken
  • Konstant stark agierte anfangs die deutsche Defensive, in der Bundestrainer Prokop im Innenblock erneut von Beginn an auf Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler vertraute.

    Foto: Axel Heimken
  • Und was die Abwehr nicht blocken konnte, parierte in den ersten Minuten Torhüter Andreas Wolff.

    Foto: Soeren Stache
  • Dennoch hatte der Keeper mit den Rückraumwürfen der Skandinavier permanent Probleme und wurde unter lautem Fluchen schon nach rund 19 Minuten erstmals durch Silvio Heinevetter ersetzt.

    Foto: Soeren Stache
  • Schon im Halbfinale der Europameisterschaft 2016 hatten sich beide Teams einen Showdown bis zum Schluss geliefert. Damals hatte die DHB-Auswahl erst in der Verlängerung hauchdünn mit 34:33 gewonnen - und seitdem sind die Norweger noch stärker geworden.

    Foto: Soeren Stache
  • Angestachelt von den lautstarken Fans in der Hamburger Arena war die deutsche Mannschaft immer wieder bemüht, die rasanten Gegenstöße der Gäste zu verhindern. So entwickelte sich schnell eine extrem temporeiche Partie.

    Foto: Soeren Stache
  • Handball-WM: Deutschland verliert im Halbfinale gegen Norwegen Foto: Soeren Stache
  • In seiner ersten Auszeit forderte Prokop seine Schützlinge auf, in Überzahl „nicht zu langsam“, sondern „mit Druck“ zu spielen. Tatsächlich haperte es zunächst an der Entschlossenheit in den deutschen Offensivbemühungen.

    Foto: Axel Heimken
  • Doch erstmals in diesem Turnier offenbarte Deutschlands Abwehr in einigen Phasen Lücken. Auch die Torhüter waren nicht so stark wie sonst.

    Foto: Axel Heimken
  • Dennoch gab sich die DHB-Auswahl nie auf - auch weil das Publikum nie aufsteckte.

    Foto: Soeren Stache
  • Vor allem über ihre Kreisläufer kamen die Skandinavier zu Toren. In der Schlussphase erhöhte Prokop das Risiko und brachte phasenweise einen siebten Feldspieler. Doch auch das half nicht. Und am Ende fiel der norwegische Sieg ein wenig zu hoch aus.

    Foto: Soeren Stache

Auch die Norweger hatten eine starke Deckung, mit der Steffen Fäth, vereinzelt auch Fabian Wiede Probleme hatten. Und sie spielten ihre Überzahl blitzschnell aus. Auf so viel Klasse waren die Deutschen bisher nicht getroffen. Sie steckten beim 7:9 (20.), 9:11 (23.) und erst recht beim 10:13 (26.) in der Klemme wie selten zuvor. Die Zuschauer waren kaum zu beruhigen, die deutsche Bank erst recht nicht. Denn fürs eigene Team hagelte es Zeitstrafen (nicht alle zu Unrecht), die Gäste kamen bei manchen Fouls ungeschoren davon. Pekeler war vor der Halbzeit schon doppelt belastet.

Großer Traum geplatzt

Hoffnung machte Fabian Böhm, der Fäth erlöste und gleich vorn wie hinten Akzente setzte. Es wiederholt sich, ja – aber auch auch an der Elbe peitschten die Zuschauer das Team nach vorn. Doch die Referees waren unbeeindruckt in einer wahrlich nicht einfach zu leitenden Begegnung. Auch dank Silvio Heinevetter, der nach 15 Minuten Wolff abgelöst hatte, hielt sich der Abstand zur Pause in Grenzen.

Aus der Kabine aber kam Wolff, und der sah kein Land bei den Schüssen aus der zweiten Reihe. Fünf Gegentore in sechseinhalb Minuten nach dem Wechsel, 15:19 – das war völlig untypisch für die bislang so grandiose Defensive, die immer wieder riesige Lücken in der Mitte offenbarte. Es sprach nicht viel für eine Aufholjagd, die Kulisse wurde immer wortkarger. Erst recht, als Böhm den Anschlusstreffer vergab (44.) und die Schiedsrichter 30 Sekunden später nach dem norwegischen 22:19 die erste Gelegenheit wahrnahmen, um Pekeler mit den dritten zwei Minuten den Spielausschluss zu verpassen.

Der Glaube an die Wende lebte, da Böhm und Gensheimer Verantwortung übernahmen, aber die knallharte Regelauslegung verhinderte hinten das entschlossen Zufassen der Vor- und Hauptrunde. So stand auch Heinevetter auf verlorenem Posten. Verblüffend, wie oft die Norweger freie Bahn hatten. Als Wiede bei 25:28 an Torbjorn Bergerud scheiterte (29.), war der große Traum geplatzt. Traurig schlichen die Deutschen vom Parkett.

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