Handball-Nationalmannschaft
Die „Neuen“ haben jetzt einen Fuß in der Tür

Berlin -

In der deutschen Mannschaft steckt jede Menge Turniererfahrung, Bundestrainer Christian Prokop vertraut (trotz der Misstöne vor einem Jahr) bei der Heim-WM vor allem Akteuren, die sich 2018 und größtenteils schon lange davor bei Welt- und Europameisterschaften einen Namen gemacht haben. Ein Trio fällt aus diesem Raster allerdings etwas raus – und genießt die Atmos­phäre umso mehr.

Freitag, 11.01.2019, 20:28 Uhr aktualisiert: 11.01.2019, 20:50 Uhr
Linksaußen Matthias Musche erzielte beim WM-Auftakt gegen Südkorea drei Tore. Foto: dpa

„In dem Moment, als wir in die Halle eingelaufen sind, hat sich für alle ein Traum erfüllt“, sagte Linksaußen Matthias Musche , der nur 2015 in Katar dabei war und damals für Fabian Böhm bei dessen einziger Großveranstaltung nachnominiert wurde, nach dem Auftaktsieg gegen Korea. „Etwas Nervosität war da, aber mehr Vorfreude. Für mich ist das ja alles Neuland.“ Für Franz Semper, der am Freitag mit Schüttelfrost im Bett blieb, aber Samstag spielen soll, gilt das erst recht. „Das war natürlich Wahnsinn. Die Nationalhymne, die Stimmung“, so der Jüngste im Aufgebot. Böhm, immerhin schon 29, richtete den Blick mehr aufs Sportliche und war dabei durchaus kritisch: „Für den Auftakt kann ich mit dem Spiel leben. Wir können es aber besser, haben als Mannschaft zu viele Würfe vergeben.“

Handball-WM: Deutschland - Korea

1/17
  • Deutschlands Patrick Wiencek wirft neben Koreas Park Young Jun.

    Deutschlands Patrick Wiencek wirft neben Koreas Park Young Jun.

    Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Deutschlands Steffen Weinhold (l) in Aktion gegen Koreas Park Dongkwang

    Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Seunghyun Seo (l) und Dongkwang Park (r) aus Korea im Kampf gegen Patrick Wiencek aus Deutschland.

    Foto: Soeren Stache/dpa
  • Uwe Gensheimer wirft.

    Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Deutschlands Steffen Fäth in Aktion gegen Koreas Kim Dongmyung.

    Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Deutschlands Patrick Wiencek kämpft mit Koreas Park Kwangsoon (l).

    Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Hendrik Pekeler (l) und Steffen Weinhold (r) aus Deutschland verteidigen gegen Kang Jeongu aus Korea.

    Foto: Soeren Stache/dpa
  • Deutschlands Patrick Groetzki in Aktion gegen Koreas Jo Taehun (l).

    Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Patrick Wiencek aus Deutschland verteidigt gegen Ri Yong Myong aus Korea.

    Foto: Soeren Stache/dpa
  • Deutschlands Patrick Groetzki (r) jübelt neben Hendrik Pekeler.

    Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Patrick Groetzki wirft gegen Koreas Park Jaeyong.

    Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Deutschlands Trainer Christian Prokop reagiert auf den Spielverlauf.

    Foto: Soeren Stache/dpa
  • Koreas Jo Taehun (l) wirft auf das Tor gegen Deutschlands Torwart Andreas Wolff.

    Foto: Michael Kappeler/dpa
  • Tänzer zeigen eine Darbietung zur Eröffnung der WM.

    Foto: Soeren Stache/dpa
  • Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (l) hält eine Rede zur Eröffnung der WM.

    Foto: Soeren Stache/dpa
  • Uwe Gensheimer (r) und Patrick Wiencek jubeln.

    Foto: Soeren Stache/dpa
  • Das gemeinsame Team von Nordkorea und Südkorea steht vor dem Spiel auf dem Feld.

    Foto: Soeren Stache/dpa

Die drei „Rookies“ werden in den nächsten Wochen wohl auch gegen stärkere Gegner ihre Einsätze bekommen. Rückraumschütze Semper rückte am Donnerstag phasenweise sogar nach Rechtsaußen, wo Patrick Groetzki Atempausen benötigte, Musche verhilft auf hohem Niveau Kapitän Uwe Gensheimer zu ebendiesen auf der anderen Seite – und Böhm vermittelte auf der halblinken Problemposition schon mal Anflüge von Dynamik.

„Diese Partie war für uns ein super Einstieg“, sagte Musche. „Wir haben nicht jede Situation bestmöglich gelöst, aber wir haben jetzt einen Fuß in der Tür.“ Semper sprang ihm bei: „Die ersten Spiele sind nie einfach, die Schiedsrichter haben eine andere Linie als in der Bundesliga, Korea kannten wir nicht wirklich. Insofern alles okay.“ Böhm plädierte ohnehin Minuten nach der Schlusssirene für einen Strich drunter: „Jetzt liegt der Fokus auf Brasilien .“

Handball-WM 2019: Ein Überblick

1/11
  • Bereits zum siebten Mal ist die Handball-WM auf deutschem Boden: 1938 in Deutschland (Sieger: Deutschland); 1958 in der DDR (Sieger: Schweden); 1961 in der Bundesrepublik (Sieger: Rumänien); 1974 in der DDR (Rumänien); 1982 in der BRD (Sieger: Sowjetunion); 2007 in Deutschland (Sieger: Deutschland).

    Bereits zum siebten Mal ist die Handball-WM auf deutschem Boden: 1938 in Deutschland (Sieger: Deutschland); 1958 in der DDR (Sieger: Schweden); 1961 in der Bundesrepublik (Sieger: Rumänien); 1974 in der DDR (Rumänien); 1982 in der BRD (Sieger: Sowjetunion); 2007 in Deutschland (Sieger: Deutschland).

    Foto: Franz-Peter Tschauner
  • Der Start war nicht leicht: Mit seinem ersten Turnier erlitt Trainer Christian Prokop 2018 Schiffbruch. Das frühzeitige Aus bei der EM in Kroatien wurde begleitet von einigen Misstönen. Innerhalb der Mannschaft waren viele nicht mit dem Führungsstil des heute 40-Jährigen einverstanden. Oftmals ignorierten die Profis sogar Anweisungen. Viele erwarteten im Frühjahr seinen Rauswurf.

    Foto: Rolf Vennenbernd
  • Der DHB hielt an Prokop fest, der einräumte zu schnell zu viel gewollt und verändert zu haben. Seitdem ist Ruhe im Karton. Das Miteinander passt wieder. Aber der Druck auf Prokop ist immens. Das Halbfinale als Ziel auszugeben, war mutig, aber bei einer Heim-WM alternativlos. Verpasst Deutschland die Vorgabe knapp oder mit Pech, überzeugt aber insgesamt, wird ihm dieser Maßstab nicht um die Ohren fliegen. Ein Auftritt wie im Vorjahr dürfte aber sein Aus bedeuten.

    Foto: Axel Heimken
  • Ex-Bundestrainer Dagur Sigurdsson prägte vor drei Jahren den Begriff der „Bad Boys“. So nannte sich erst die deutsche Mannschaft selbst und nach dem EM-Titel in Breslau das ganze Land seine Helden. Der Name von damals ist abgehakt. Das Team von 2019 möchte eine eigene Erfolgsgeschichte schreiben.

    Foto: Jens Wolf
  • Ex-Weltmeister Oliver Roggisch ist Teammanager der Nationalmannschaft und nah an den Spielern dran. Seit Anfang des vergangenen Jahres sitzt er beim DHB auch auf der Trainerbank und nimmt dort vor allem koordinierende Aufgaben wahr. Gleichzeitig tritt er vor und nach den Spielen als gefragter Interview-Partner auf, bezieht Stellung und ist nach seiner aktiven Laufbahn eines der Gesichter der Nationalmannschaft geblieben.

    Foto: Fabian Stratenschulte
  • Die ersten drei jeder sechsköpfigen Vorrundengruppe kommen weiter und bilden mit den drei Teams der Parallel- eine Hauptrundengruppe, für die die beiden Ergebnisse gegen die ebenfalls qualifizierten Konkurrenten mitgenommen werden. Nach drei weiteren Partien für jeden stehen die beiden Erstplatzierten im Halbfinale. Für die jeweiligen Sieger ist der Pokal dann zum Greifen nah.

    Foto: Marius Becker
  • Sechs Arenen, vier in Deutschland, zwei in Dänemark, bilden den Rahmen für die WM. Die Vorrunde A mit ihren 15 Partien wird in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin ausgetragen (13.000 Plätze), parallel spielt die Gruppe B in der Münchener Olympiahalle (12.463). Die Hauptrunde I wird in der Kölner Lanxess-Arena (19.500) ausgetragen, beide Halbfinals in der Hamburger Barclaycard-Arena (13.000).

    Foto: Oliver Berg
  • Auf dänischer Seite bietet die Royal Arena in Kopenhagen (14.500) den Spielort für die Vorrunde D und den Präsidenten-Cup sowie der Jyske Bank Boxen in Herning (15.000) die Stätte für die Gruppe C, die Hauptrunde II und die Finalspiele.

    Foto: Frank Rumpenhorst
  • Eine WM ist im Prinzip immer auch eine verkappte EM. Denn die Dominanz der europäischen Länder im Handball ist eklatant. Seit 1938 das erste globale Turnier ausgetragen wurde, standen mit einer einzigen Ausnahme immer Länder Europas auf dem Podium. Die französischen Handballer sind mit sechs Titeln Rekord-Gewinner. Viermal siegten Schweden und Rumänien. Deutschland feierte drei Titel (1938, 1978, 2007).

    Foto: Michel Euler
  • Top-Favorit der Handball-WM ist Titelverteidiger Frankreich. Ebenfalls stark eingestuft werden die Spaniern und Kroaten um Superstar Domagoj Duvnjak (Foto). Mit-Gastgeber Dänemark gehört ebenfalls zum Kreis der Favoriten. Kandidaten fürs Halbfinale sind Schweden und Norwegen.

    Foto: Toni Albir
  • Die Ex-Handball-Weltmeister Markus Baur (Foto) und Dominik Klein analysieren als Experten die Partien der deutschen Mannschaft im TV. ARD und ZDF zeigen alle Spiele der Deutschen live. Eurosport strahlt zudem 15 Begegnungen ohne DHB-Beteiligung aus. Alle Spiele gibt’s zudem im Netz bei sportdeutschland.tv – auch auf Abruf.

    Foto: A2931 Bernd Weißbrod
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6313759?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F206%2F6267674%2F
Imbiss-Raub war frei erfunden
Mitarbeiterin täuscht Straftat vor: Imbiss-Raub war frei erfunden
Nachrichten-Ticker