Abstiegskampf
VfB fehlt Erstliga-Klasse - Spuck-Attacke aus Frust

Mit 0:1 verliert der VfB Stuttgart gegen Leverkusen und gerät im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga noch mehr unter Druck. Ein fataler Aussetzer ist der große Aufreger. Das Auswärtsspiel am nächsten Samstag in Augsburg bekommt Endspiel-Charakter.

Sonntag, 14.04.2019, 13:42 Uhr aktualisiert: 14.04.2019, 13:44 Uhr
Stuttgarts Santiago Ascacibar sah nach seiner Spuck-Attacke Kai Havertz die Rote Karte. Foto: Marijan Murat

Stuttgart (dpa) - Für die Spuck-Attacke von Santiago Ascacibar hatte auch VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger bei allem Frust im Abstiegskampf absolut kein Verständnis.

In einer Ansprache an die Mannschaft kündigte der 37-Jährige am Sonntag Konsequenzen von Vereinsseite an. «Er ist in Sachen Mentalität und Einstellung ein Vorbild. Er hat aber in dieser Situation ganz klar eine Grenze überschritten», stellte Hitzlsperger am Tag nach dem 0:1 gegen Leverkusen klar: «Das dulden wir nicht, und wir werden diese Aktion auch intern bestrafen. Da müssen wir ein klares Zeichen setzen.»

Kurz vor Schluss hatte sich am Samstag die Anspannung beim 22-jährigen Ascacibar in einem fatalen Aussetzer entladen. Der Argentinier spuckte in Richtung des Siegtorschützen Kai Havertz - und sorgte damit für einen Aufreger. «Solche Leute braucht man nicht in der Bundesliga», schimpfte Bayer-Stürmer Kevin Volland bei Sky.

Ascacibar sah die Rote Karte und war aufgebracht. Schiedsrichter Tobias Stieler stellte sich dazwischen, doch der VfB-Profi griff Havertz noch ins Gesicht. «Wir dürfen nicht anfangen, den Frust über die derzeitige Lage nach außen zu tragen. Wenn wir dies tun, sind wir auf dem falschen Weg», sagte Hitzlsperger, der diesen Weg im Saison-Endspurt noch gemeinsam mit Trainer Markus Weinzierl geht.

Weinzierl wirkte noch mitgenommen, als er davon sprach, dass der Mittelfeldspieler dem Drittletzten einen Bärendienst erwiesen habe: «So etwas darf nicht passieren, auch wenn die Situation noch so unbefriedigend ist. Du musst deine Emotionen im Griff haben».

Ascacibar gilt als Kämpfer, der mit dem Herzen dabei ist, führt in der Bundesliga mit zehn Gelben Karten in dieser Saison aber auch eine unrühmliche Statistik an. Wie lange er nun aussetzen wird, dürfte Anfang der Woche bekannt werden. Das Abstiegsduell in Augsburg am Samstag muss der VfB ohne ihn gewinnen. «Fünf Spiele sollte er gesperrt sein», forderte Bayer-Torhüter Lukas Hradecky.

Auch Leverkusens Trainer Peter Bosz fand deutliche Worte: «Das ist das Schlimmste, was man machen kann.» Rudi Völler, der einst bei der WM 1990 vom Niederländer Frank Rijkaard selbst bespuckt worden war, hielt sich dagegen zurück. «Stuttgart hat genug Probleme», sagte der seit Samstag 59 Jahre alte Bayer-Geschäftsführer Sport.

Die Probleme des VfB werden an den Zahlen deutlich. Aus den vergangenen 14 Spielen holte Stuttgart nur einen Sieg. Die 18. Niederlage am 29. Bundesliga-Spieltag verschärfte die Gefahr, am Saisonende direkt abzusteigen. Nur drei Punkte trennen die Schwaben vom Tabellen-17. Nürnberg. Die Chancen, die Relegation abzuwenden, sind auf maximal fünf Spiele geschrumpft. Und mit dem nun fünften Platzverweis macht sich das Team das Leben zusätzlich schwer. Nur das ebenfalls enttäuschende Schalke kam Samstag auf die gleiche Anzahl.

VfB-Präsident Wolfgang Dietrich vergrub auf der Tribüne das Gesicht in den Händen. Mit dem neuen Sportdirektor Sven Mislintat will Hitzlsperger die Zukunft planen. Ob die in der 2. Liga sein wird, ist offener denn je. Die Stuttgarter Offensive war vor 53 657 Zuschauern jedenfalls nicht erstligareif. «Defensiv strukturiert agieren, ist die Basis. Aber das reicht alleine nicht», klagte Weinzierl.

Insbesondere weil sich seine Elf mit individuellen Fehlern immer wieder selbst zermürbt. Der genesene Routinier Gonzalo Castro verursachte mit einem Foul an der Strafraumgrenze an Kevin Volland einen vermeidbaren Foulelfmeter. Havertz verwandelte cool zum einzigen Treffer des an Höhepunkten armen Spiels (64. Minute).

Mit seinem Platzverweis halste Ascacibar Trainer Weinzierl zudem ein weiteres Problem auf. Denn im defensiven Mittelfeld fehlen die Alternativen: Dennis Aogo und Kapitän Christian Gentner sind momentan verletzt. In Augsburg wird der Coach erneut umstrukturieren müssen. Die Partie bei den bayrischen Schwaben habe Endspiel-Charakter, warnte Weinzierl: «Wenn wir 15. werden wollen, müssen wir gewinnen.»

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