Fußball: 1. Bundesliga
Bereit für den nächsten Tanz: Frischer BVB trifft auf sehr reife Bayern

Münster -

London am 25. Mai 2013. Bundesliga-Blockbuster im Finale der Champions League. Beim Spektakel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund in Wembley erreichte das ZDF 21,61 Millionen Zuschauer und damit einen Marktanteil von 61,9 Prozent. Die Münchner gewannen das Drama durch ein Tor von Arjen Robben in der vorletzten Minute mit 2:1.

Donnerstag, 08.11.2018, 19:42 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.11.2018, 19:32 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 08.11.2018, 19:42 Uhr
Lucien Favre ist mit dem BVB in der Liga noch unbesiegt. Foto: dpa

 Dieser Abend markierte eine Zeitenwende im deutschen Fußball, zufrieden reisten die Bayern heim: Die mit zwei Meistertiteln (2011 und 2012) und einem Triumph im DFB-Pokal (2012) vorübergehend erfolgreiche Revolte des BVB gegen das bayrische Establishment galt endgültig als niedergeschlagen. Tatsächlich gab es bis heute nur noch einen Deutschen Meister: Bayern München.

Nun, gut fünf Jahre später, bröckelt die erdrückende Dominanz der Roten. Und wieder ist es Dortmund, das sich aufmacht, dicke Mauern einzurennen. Nach zehn Spieltagen liegt der BVB vier Punkte und einige Tore voraus. An diesem Samstag kann der Abstand beim ­direkten Aufeinandertreffen in Dortmund noch wachsen.

Schwächelnder Rekordmeister

Der BVB scheint bereit für das große Duell. Es ist Ruhe eingekehrt beim Ballspielverein. Turbulenzen gab es in den zurückliegenden zwei Spielzeiten zur Genüge: Machtkampf zwischen Boss Hans-Joachim Watzke und Ex-Trainer Thomas Tuchel. Lagerbildung im Kader. Hinterhältiger Anschlag auf den Mannschaftsbus. Riesenärger um die Arbeitsverweigerer Ousmane Dembele und Pierre-Emerick Aubameyang. Alles ausgestanden, seit diesem Sommer konzentrieren sich in Dortmund wieder alle auf Ball und Spiel. Mit bemerkenswertem Erfolg. Wo alles endet, hängt auch vom Zutun der Bayern ab.

Der Rekordmeister schwächelt momentan so wie die Christlich-Soziale Union im Land, die ihr Monopol auf Erfolg bei den Landtagswahlen krass deutlich verlor. Nun droht den Fußballern der Kontrollverlust. Auch ihre Krise ist hausgemacht und nahm ihren Anfang im Frühjahr, als Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge lange über die Trainerfrage stritten. Hoeneß glaubte Jupp Heynckes überreden zu können, noch ein Jährchen anzuhängen, doch der hatte endgültig fertig. Rummenigge favorisierte Thomas Tuchel, den wiederum wollte Hoeneß nicht. Niko Kovac war der kleinste gemeinsame Nenner.

Aufgewühltes Gesamtbild

Kovac, ein Coach mit vergleichsweise geringer Berufserfahrung, hat einen schweren Stand bei den Bayern. Er kämpft gegen Maulwürfe und neuerdings auch gegen Spielerfrauen. Die Super-Bayern wirken nervös – auf dem Feld und auch außerhalb. Die bizarre Pressekonferenz mit absurder Medienkritik passte ins aufgewühlte Gesamtbild. Wie auch das Hin und Her von Hoeneß in der Personalie Kovac: Erst der gar nicht sanfte Hinweis, dass der Trainer „am Ende den Kopf hinhalten müsse“. Dann der Schmusekurs: „Ich werde Kovac verteidigen bis aufs Blut.“

Es mag sein, dass die Bayern-Bosse irgendwann zu der Erkenntnis gekommen sind, dass Kovac nur geringe Schuld am derzeitigen Bild von Verein und Mannschaft hat. Tatsächlich ist in der Chefzentrale ­vieles verbockt worden. Dafür trägt vor allem Hoeneß, der Patron des Clubs, Verantwortung. Warum der Rekordmeister im Sommer seltsam passiv blieb und es offenbar nicht als notwendig erachtete, dem Kader nachhaltig Frische zuzuführen, bleibt wohl ein Unternehmensgeheimnis. An monetärer Potenz kann es nicht gelegen haben. ­

Verschleißerscheinungen & Müdigkeit

Vielleicht war es überheblich, vielleicht betriebsblind – eigentlich ist doch nicht zu übersehen, dass viele Stars in die Jahre gekommen sind und unter Verschleißerscheinungen und Müdigkeit leiden. Zur Erinnerung: Manuel Neuer (32), Jerome Boateng (30), David Alaba (26), Javi Martinez (30), Arjen Robben (34), Thomas Müller (29) und Franck Ribery (35) standen schon am 25. Mai 2013 in Wembley in der Startelf. Und später kamen ja auch noch Mats Hummels (29) und Robert Lewandowski (30) vom BVB dazu.

Dieser FC Bayern ist reif. Vielleicht überreif.

Und Dortmund? Die Borussia setzt auf die Kraft der Jugend und hat vor der Saison viel riskiert. 28 Millionen Euro wurden für einen Abwehrspieler (Abdou Diallo) ausgegeben, 20 für einen (Axel Witsel), der seine vermeintlich beste Zeit in Russland und China verbrachte. Und dann hat Dortmund noch einen Trainer (Lucien Favre) ins Boot geholt, der zwar ­hohe fachliche Qualitäten besitzt, zu dessen Wesen aber auch ein leiser Pessimismus gehört.

Bislang sind Mannschaft und Trainer stabil. Und auf sehr hohem Niveau unterwegs. Es erinnert ein bisschen an die erste Meister­saison 2011/12 unter Jürgen Klopp. Zwei Jahre tanzte Dortmund damals vielerorts durch die Liga. Dann übernahmen wieder die Bayern das Regiment.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6176326?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F203%2F204%2F1490530%2F
Mehrere Tote in Enschede entdeckt
Polizei ermittelt nach Leichenfund: Mehrere Tote in Enschede entdeckt
Nachrichten-Ticker