Handball-WM: 22:22 gegen Russland
Ein Remis, das dem deutschen Team wehtun kann

Berlin -

Neun Sekunden fehlten zum Erreichen des Etappenziels. Das Tor von Sergej Kosorotov raubte dem deutschen Nationalteam den ersten Punkt der Heim-WM. 22:22 (12:10) hieß es am Ende gegen Russland. Ziemlich unnötig und auch etwas überraschend gab der Gastgeber den Sieg noch aus der Hand. Damit ist jetzt Hoffen angesagt.

Montag, 14.01.2019, 20:20 Uhr aktualisiert: 14.01.2019, 20:28 Uhr
Gar nicht zimperlich: Deutschlands Steffen Weinhold wird beim Wurfversuch von Alexander Schkurinskij geblockt. Foto: dpa

Zum Beispiel darauf, dass dieser Gegner die DHB-Auswahl nicht in die Hauptrunde nach Köln begleitet. Denn der fehlende Zähler könnte noch richtig wehtun, wenn man an die anderen zu erwartenden Rivalen denkt. Und erst mal müssen ja auch die eigenen Hausaufgaben erledigt werden. Die Erkenntnis ist klar: Spaziergänge gibt es keine mehr bei den Titelkämpfen.

Weil die Abwehr in den ersten Minuten keinen Zugriff fand, stellte Bundestrainer Christian Prokop auf 3:2:1 mit Hendrik Pekeler als Spitze um. Auf der anderen Seite deckten die Russen sehr offensiv, wie gewohnt mit dem vorgezogenen Timur Dibirov. Doch die Lücken griff das deutsche Team, etwa mit Steffen Weinhold, zunächst clever auf, die ersten sechs Angriffe führten alle zu Treffern.

Handball-WM 2019: Deutschland - Russland

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  • Das deutsche Handball-Nationalteam singt die Nationalhymne.

    Das deutsche Handball-Nationalteam singt die Nationalhymne.

    Foto: Kay Nietfeld
  • Deutschlands Trainer Christian Prokop (l) beobachtet das Spiel seiner Mannschaft.

    Foto: Kay Nietfeld
  • Ein Zuschauer klatscht der deutschen Mannschaft Beifall.

    Foto: Soeren Stache
  • Deutschlands Jannik Kohlbacher (M) versucht sich gegen Russlands Egor Ewdokimow und Alexander Schkurinskij (l) durchzusetzen.

    Foto: Soeren Stache
  • Deutschlands Torhüter Silvio Heinevetter (M) gegen Russlands Timur Dibirow

    Foto: Kay Nietfeld
  • Deutschlands Fabian Wiede (vorne) hindert Russlands Alexander Schkurinskij am Werfen.

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  • Steffen Weinhold setzt gegen Russlands Egor Ewdokimow (r) zum Wurf an.

    Foto: Soeren Stache
  • Trainer Christian Prokop bejubelt einen gehaltenen Ball des deutschen Torhüters.

    Foto: Soeren Stache
  • Jannik Kohlbacher (r) setzt sich gegen Russlands Gleb Kalarasch und Vitali Komogorow (N) durch.

    Foto: Soeren Stache
  • In der deutschen Abwehr: Patrick Wiencek und Torhüter Andreas Wolff (r).

    Foto: Kay Nietfeld
  • Steffen Fäth (l) gegen Russlands Timur Dibirow.

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  • Bunt gekleidet unterstützen Fans das deutsche Team.

    Foto: Kay Nietfeld
  • Deutschlands Steffen Weinhold (l) wird beim Wurf geblockt.

    Foto: Kay Nietfeld
  • Trainer Christian Prokop feuert seine Mannschaft an.

    Foto: Soeren Stache
  • Deutschlands Patrick Groetzki setzt sich durch.

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  • Steffen Weinhold bejubelt einen Treffer für Deutschland.

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  • Steffen Weinhold (M) beim erfolgreichen Torwurf gegen Russlands Torhüter Victor Kireew.

    Foto: Soeren Stache

Die extrem temporeiche Partie gestaltete sich allerdings wesentlich offener als die ersten beiden Aufgaben. Russland hielt mit Wucht und durchdachten Konzeptionen dagegen, während sich der Favorit einige Ballverluste und Fehlwürfe leistete. Auch Keeper Andreas Wolff bekam seine Hände noch nicht an den Ball. Beim 10:10 (26.) war weiter alles pari, doch aus der bemerkenswert torreichen Startphase war eine Abwehrschlacht mit harten Duellen und einigen Zeitstrafen geworden.

Neue Optionen dank ausgeglichenem Kader

Das Publikum spürte, dass da die erste knüppelharte Prüfung des Turniers auf dem Parkett stattfand, es peitschte die Mannschaft konsequent an, machte die Halle zum Hexenkessel, in dem sich Gegner und Referees permanent kaum wohlfühlen konnten. Ein Plus der Hausherren ist neben dem Heimvorteil aber auch der ausgeglichene Kader. Mit Fabian Wiede und Paul Drux kamen neue Optionen zum Zug, die wesentlich zum kleinen Vorsprung zur Pause beitrugen. Was zudem Hoffnung machte: Schlüsselspieler Dmitrii Zhitnikov hatte früh zweimal zwei Minuten kassiert und blieb erst mal auf der Bank.

In der Defensive hatte sich Prokop im Laufe der Partie immer wieder ein paar Änderungen ausgedacht, die teilweise fruchteten. Die Schiedsrichter zeigten vermehrt Zeitspiel an, der Innenblock stand gut. Einzig Dibirov ließ sich ganz links nicht ausschalten. Als Weinhold das 15:11 (36.) erzielte, stand alles auf Sieg Nummer drei. Doch plötzlich klemmte es wieder bei den Abschüssen, und zwar aus allen Lagen. Wolff hatte zwar Fahrt aufgenommen, doch erst Uwe Gensheimer beendete mit einem Dreher die achtminütige Torflaute zum 17:14 (46.).

Lob für Russland

So hielten Prokops Jungs die im Angriff immer schwerfälligeren Russen irgendwie immer auf, wenn auch kurzer, Distanz. Wäre da nicht der unglaublich abgebrühte Dibirov gewesen, die mitgerissene Halle hätten längst durchschnaufen können. Ein fataler Drux-Fehlpass eröffnete aber plötzlich Zhitnikov freie Bahn zum Ausgleich 65 Sekunden vor Schluss (21:21). Fabian Böhm antwortete umgehend, doch Russland kam noch mal zurück. Ein erster herber Dämpfer.

„Natürlich sind wir enttäuscht, aber der Gegner war sehr beweglich, diszipliniert“, sagte Prokop. Seine „taktischen Korrekturen“ für das Frankreich-Spiel will er intern behandeln.

"Wir hätten die einfachen Möglichkeiten nutzen müssen“, sagte Kreisläufer Jannik Kohlbacher. „Zu viele technische Fehler“ sah Bundestrainer Christian Prokop. "Wir ärgern uns, dass wir den letzten Angriff nicht verteidigt bekommen haben und in den entscheidenden Momenten nicht clever waren.“


Ausblick: Bilanz spricht für Frankreich

Das Knallerspiel der Vorrunde steigt am Dienstagabend (20.30 Uhr). Deutschland gegen Frankreich hat eine lange Historie bei großen Turnieren. Allein in den vergangenen zwölf Jahren prallten die Kontrahenten achtmal aufeinander. Und fast immer ging es um alles. Die Bilanz spricht für die Grande Nation.

► WM 2007: Der Gastgeber und der Top-Favorit liefern im Halbfinale das zweifellos beste Spiel des Turniers. 32:31 (27:27, 21:21, 11:12) heißt es nach der zweiten Verlängerung in Köln. Eine der packendsten Handballpartien aller Zeiten, sind sich Beobachter einig. Markus Baur, der schon die erste Verlängerung erzwungen hatte (die zweite rettete Holger Glandorf), gelingt per Siebenmeter das goldene Tor. Die Unterlegenen hadern mit den Schiedsrichtern. Schon in der Haupt­runde in Dortmund setzte sich der Ausrichter, der wenig später den Titel holt, mit 29:26 (14:9) durch.

EM 2008: Der amtierende Weltmeister muss nach der Halbfinalpleite gegen den späteren Champion Dänemark im Spiel um Platz drei eine klare 26:36 (9:18)- Schlappe, die höchste der EM-Geschichte, gegen Frankreich hinnehmen und bleibt ohne Edelmetall in Lillehammer. Schon in der Hauptrunde in Trondheim hat Deutschland knapp das Nachsehen mit 23:26 (10:11), schafft es aber ­dennoch später in die Runde der letzten vier.

► EM 2010: In Innsbruck verliert Deutschland in der Hauptrunde trotz guter Leistung mit 22:24 (10:12) und ist damit so gut wie draußen. Der Dauerrivale gewinnt auch dieses Turnier.

► WM 2011: Keine Chance für die DHB-Auswahl beim 23:30 (10:13) im schwedischen Kristianstad in der Vorrunde. Die Aussichten aufs Halbfinale sind damit quasi dahin – und Frankreich besteigt den Thron.

► WM 2013: Im letzten Vorrundenspiel im spanischen Granollers setzen sich die Deutschen mit 32:30 (16:16) durch, sichern sich Platz eins, scheitern aber im ­Viertelfinale am Gastgeber und späteren Sieger.

► Olympia 2016: Im Halb­finale von Rio platzt der Gold-Traum des Europameisters im Halbfinale. 28:29 (13:16) heißt es nach einer heißen Schlussphase. Daniel Nar­cisse trifft Sekunden vor Schluss, nachdem sein Team schon einen 22:15-Vorsprung verspielt hat. Den Titel holt am Ende Dänemark.

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