Fußball: 3. Liga
Lottes Trainer Drube im Interview: „Der Preußen-Weg ist genau der richtige“

Münster -

Seit August ist der Münsteraner Nils Drube zusammen mit Sven Hozjak Trainer der Sportfreunde Lotte und hat bei seiner ersten Seniorenstation im Profibereich großen Erfolg. Vor dem Duell mit seinem Ex-Club SC Preußen gab er ein Interview, in dem er den Rivalen explizit lobt.

Donnerstag, 07.02.2019, 16:02 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 16:21 Uhr
Nils Drube freut sich auf das Wiedersehen mit dem SCP. Foto: Alfred Stegemann

Mehr Münsteraner geht eigentlich. Nils Drube ist hier geboren, lebt hier, kennt die Stadt in- und auswendig. Nur sportlich hat der 40-Jährige andere Interessen als Erfolge der Preußen . Zumindest am Montagabend (19 Uhr), wenn er als Trainer der Sportfreunde Lotte Gastgeber der Adlerträger. Im Interview erzählte er unserem Redakteur Thomas Rellmann, wie stark er den SCP einschätzt, warum es in der 3. Liga auch ohne die große individuelle Klasse Wege gibt und dass er selbst gar keinen Karriereplan hat.

Mit Lotte läuft’s ja gut. Die kleine Durststrecke haben Sie mit dem 1:0 in Großaspach beendet, vier Zähler Vorsprung auf Platz 16 ...

Drube: Moment, die fünf Spiele ohne Sieg davor lassen sich nur von außen als Durststrecke bezeichnen. Ich bin an Serien sowieso nie interessiert. Gegen Haching, Würzburg oder Meppen hätten wir vor Weihnachten jedoch mehr holen müssen.

Als Sie im August beim sieglosen Letzten im Gespann mit Sven Hozjak eingestiegen sind, war gerade der fünfte Trainer in gut einem Jahr gegangen. Hatten Sie nie Zweifel, ob das der richtige Schritt ist? Oder mussten Sie einfach die eine Chance im Profifußball ergreifen?

Drube: Uns hat das gereizt, und wir glauben, dass wir mit jedem Team erfolgreich sein können. Klar, die Ausgangslage war nicht einfach, zumal zwei Tage später das erste Spiel beim KSC anstand, aber wir sind schon von uns überzeugt. Andererseits haben wir ja noch nichts erreicht, es wird ein harter Kampf bis Mitte Mai. Uns fehlen letztlich auch die ersten fünf Saisonspiele.

Als Nachwuchs-Coach waren Sie beim SCP und später bei Bayer Leverkusen. War es immer Ihr Ziel im Seniorenbereich Fuß zu fassen? Dort stand bisher als einziger Eintrag Westfalia Kinderhaus.

Drube: Ganz ehrlich, darüber habe ich nie nachgedacht. Ich habe mich bewusst breiter aufgestellt, als nur als Jugendtrainer zu planen. Aber ich weiß auch, was ich kann, hatte immer Erfolg. Das soll sich nicht arrogant anhören, nur selbstbewusst. Mir ist es wichtig, dass es mit dem Verein, in dem ich arbeite, zu 100 Prozent stimmte.

Das ist in Lotte der Fall?

Drube: Ich weiß, dass es hier ein Schleudersitz war. Aber Sven kennt unseren Fußballchef Manfred Wilke schon lange sehr gut, so eine Bezugsperson ist wichtig. Über einen Münsteraner Kontakt kam die Anfrage, ob wir das zusammen machen wollen. Wir kannten uns vorher, hatten aber nie konkret über eine Zusammenarbeit geredet Wir haben die gleiche Einstellung zum Fußball und kaum mal eine konträre Meinung, gerade in Sachen Matchplan oder Aufstellung. Das ist fast beängstigend. Aber zwischen uns darf kein Blatt Papier passen.

Sie haben in der Winterpause sechs Akteure abgegeben und neun geholt. War dieser Schnitt nötig?

Drube: Er bedeutete vor allem viel Arbeit. Spieler, die im Winter kommen, müssen optimal in eine funktionierende Mannschaft passen. Wir haben mit allen sehr lange gesprochen. Lotte hat noch nicht so ein gewachsenes Umfeld wie viele Traditionsvereine der 3. Liga, aber hier sehen viele die Chance, sich zu präsentieren. Uns hilft der überragende Charakter unserer Truppe. Ich habe noch nie erlebt, dass die Integration von Neuen so schnell geht. Abgegeben haben wir auch keine Stammspieler, vielen wurde bereits im November nahegelegt, in der Winterpause zu gehen.

Neun Neue klingen so, als sei in Lotte mehr Geld vorhanden als beim SCP.

Drube: Jeder kann sich 100-prozentig sicher sein, dass wir nichts wirtschaftlich Unvernünftiges gemacht haben. Uns haben ja auch Spieler mit einer gewissen Vita wie Marcus Piossek oder Nico Neidhart verlassen. Wir haben da einige Kontakte spielen lassen, im Verbund mit extrem leistungsbezogenen Verträgen kommen wir billiger weg als vorher. Wer glaubt, wir hätten im Lotto gewonnen, weil wir Justin Eilers holen, muss wissen, dass es für ihn wie für uns einfach eine Chance ist.

Zu den Preußen: Wie bewerten Sie die Entwicklung in dieser Saison?

Drube: Sehr gut, ich sehe den SCP im oberen Drittel. Im Team sind tolle Strukturen. Die Grundordnung, die Trainer Marco Antwerpen den Spielern verpasst hat, ist genau richtig. Ich habe Münster in der Vorbereitung gegen Almelo betrachtet, da haben mir Abläufe und Abstände bereits super gefallen.

Trainer Marco Antwerpen verlässt den SCP

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  • Marco Antwerpen beendet sein Engagement beim SCP.

    Marco Antwerpen beendet sein Engagement beim SCP.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Marco Antwerpen und Malte Metzelder schafften gemeinsam einige Erfolge.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Wichtigster Antwerpen-Vertrauter war aber Co-Trainer Kurtulus Öztürk.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Am Spielfeldrand gab Antwerpen immer klare Anweisungen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Als Motivator ist Antwerpen besonders stark.

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  • Bei den Spielern verschafft er sich regelmäßig lautstark Gehör.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Spieler wie René Klingenburg explodierten unter Antwerpen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Auch Rufat Dadashov förderte der Coach.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ob diese Antwerpen-Geste einem Schiedsrichter galt?

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Antwerpen gilt inzwischen als echter Szenekenner.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Hier nimmt er den Zwickauer Ronny König in den Arm.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Es gibt aber auch nachdenkliche Momente.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Manchmal fehlte nicht viel zum Sieg, wie Antwerpen hier anzeigt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Otto-Rehhagel-Pfiff mit zwei Fingern.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Der Weggang von Adriano Grimaldi traf auch Antwerpen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ein Fingerzeig, wohin der Weg des Trainers führt? Noch gibt es ihn nicht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Entspannt beobachtet der Coach das Aufwärmprogramm.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Mit Sportchef Malte Metzelder gab es zuletzt auch Dissonanzen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ein Profisport-Klassiker war der Auslöser: Der Trainer will Spieler, der Manager hat kein Geld dafür.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Kurtulus Öztürk ist auf der Bank eher der ruhigere Typ – wenn auch nicht immer.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Doch auch Antwerpen kann beschwichtigen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • ... und sogar tief in sich gehen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Wie Grimaldi verlässt Antwerpen den SCP also bald.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Zum Abschied wird es einige Umarmungen wie hier mit Moritz Heinrich geben.

    Foto: Jürgen Peperhowe

Wie ist der Nachbar am Montag zu knacken?

Drube: Haha, der Matchplan steht seit Dienstag. Wie, verrate ich nicht. Wir schauen natürlich, wo der Gegner verwundbar ist. Aber wir sind zu Hause unbesiegt, besitzen eine breite Brust. Und ob man es Derby nennt oder nicht – das Duell bietet immer viele kleine Geschichten. Jeron Al-Hazaimeh und Alexander Langlitz waren beim SCP, auf der anderen Seite steht Kevin Rodrigues Pires. Das wird speziell.

Auch für Sie ...

Drube: Ich kann das ganz einfach sagen: Münster ist meine Heimat, hier habe ich meine Frau kennengelernt, meine Tochter ist hier geboren – es ist die Stadt meines Herzens. Beruflich bin ich da aber schmerzfrei.

Können Sie sich irgendwann den Cheftrainer-Posten in Münster vorstellen?

Drube: Ich habe im Fußball zu viel erlebt, um es kategorisch auszuschließen. Aber ich lebe im Hier und Jetzt. Wenn wir Erfolg haben, kommen Anfragen oder die Verlängerung in Lotte automatisch. Einen Karriereplan habe ich nicht.

Trainerkandidaten für den SC Preußen Münster

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  • Immer die Augen offen, hält Malte Metzelder! Der Sportdirektor des SC Preußen ist auf der Suche nach einem neuen Trainer für die nächste Saison.

    Immer die Augen offen, hält Malte Metzelder! Der Sportdirektor des SC Preußen ist auf der Suche nach einem neuen Trainer für die nächste Saison.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Pavel Dotchev: War schon einmal recht erfolgreich mit den Preußen und ist zurzeit vereinslos. Sein Marktwert könnte allerdings zu hoch für den SCP sein.

    Foto: Axel Heimken
  • Auch Marc Fascher kennt sich in Münster aus. Der Aufstiegsheld von 2011 soll aber bereits abgewiegelt haben.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Peter Vollmann ist eine Art Preußen-Urgestein. Malte Metzelder sucht aber wohl einen Trainer mit anderem Profil.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Farat Toku trainiert derzeit noch in Wattenscheid. Er gehört zu der jungen Regionalliga-Generation. Sein Vertrag läuft zudem am Saisonende aus.

    Foto: Johannes Oetz
  • Enrico Maaßen ist auf der Erfolgsspur. Bei seinem aktuellen Arbeitgeber Rödinghausen läuft es gut. Demnächst auch als Trainer des SC Preußen?

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ismail Atalan war sehr erfolgreich in Lotte, in Bochum eher weniger. Geht es für ihn mit dem SC Preußen wieder bergauf?

    Foto: Johannes Oetz
  • Nils Drube war jahrelang Jugendtrainer beim SCP. In dieser Saison trat er seine erste Profistation in Lotte an und führte die Mannschaft vom Autobahnkreuz vom letzten Platz der 3. Liga ins Mittelfeld.

    Foto: Alfred Stegemann
  • Große Namen wie Stefan Effenberg, Peter Neururer oder Lothar Matthäus fallen immer wenn irgendwo ein Trainer gesucht wird. Bei den Preußen wird es aber wohl keiner der drei genannten werden. Alleine schon wegen dem teuren Gehalt, das diese verlangen würden.

    Foto: Uwe Anspach

Ihr Kontakt zum SCP?

Drube: Sven ist sehr eng mit Sportchef Malte Metzelder. Ich habe Drähte zu Jugendtrainern wie Andreas Lübke oder Martin Holtkamp. Mit Marco Antwerpen lag ich beim Fußballlehrer-Lehrgang auf einem Zimmer, im Alltag haben wir aber keinen Kontakt.

Ihr Weggang nach Leverkusen geschah 2012 nicht ohne Nebengeräusche. Hängt da rund sieben Jahre später noch was nach?

Drube: Nein, das ist alles Vergangenheit. Man sollte nach vorne schauen. Anfangs war es ein komisches Gefühl, gegen Preußen anzutreten. Heute beobachte ich mit Freude, dass der Verein vorwärts gewandt arbeitet. Es werden Pläne gemacht, die fast revolutionär sind. Talente fördern und gezielt einbauen – das ist genau der richtige Weg. Wozu einen 28er-Kader, wenn aus der U 19 oder U 23 wie in Münster immer Leute auf einem super Level kommen?

Sehen Sie in diesem Weg kein Risiko?

Drube: Nein, wir haben in Lotte auch nicht die höchste individuelle Qualität, aber die Mannschaft ist gut zusammengestellt. Das ist das A und O. Dafür gibt es genug Beispiele, gerade in dieser extrem engen 3. Liga. Mit einer guten Idee kann man diese Klasse immer halten.

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