Ochtrup
„Einen Herberger gab’s nie wieder“

Freitag, 22.08.2008, 18:08 Uhr

Ochtrup / Gronau . In die ersten Fußballschuhe musste er vorne einen Klumpen Papier reinstopfen. „Die waren mir viel zu groß“, erinnert sich Alfred Post . Doch während des Zweiten Weltkrieges war er froh, zu Weihnachten überhaupt so ein Geschenk zu bekommen. „Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt der 82-Jährige.

Aber die Anschaffung hat sich gelohnt: 1952 nahm der gebürtige Ochtruper mit der Fußball-Amateurnationalmannschaft an den Olympischen Spielen in Helsinki teil. „Für eine Medaille reichte es damals zwar nicht, aber wir wurden unerwartet Vierter“, erzählt er, als er im Gespräch mit dem Tageblatt noch einmal durch die alten Fotoalben blättert.

Als Erinnerungsstütze braucht er sie aber nicht. Wenn Alfred Post in seinem Haus in Gronau-Epe aus seiner Jugendzeit erzählt, dann entsinnt er sich sogar noch an kleine Details. „Wir Jungs haben mit dem Fußballspielen auf den Feldern der Bauern angefangen“, erzählt Post, „damals noch mit Holzschuhen.“ Wie froh war er, als er richtige Fußballschuhe bekam und bei Arminia Ochtrup seine ersten Vereinserfahrungen machte.

1947 zog Post nach Mönchengladbach und besuchte dort die Ingenieursschule. Er nahm beim Rheydter Spielverein am Training teil, die Spiele bestritt er jedoch weiter für die Arminen. „Ich habe mich dann da wohl ganz gut angestellt“, sagt Post und lacht bescheiden.

Doch ein Profi wollte er bei dem Spielclub, der in der erstklassigen Oberliga spielte und heute in der Bezirksliga dümpelt, nicht werden. „Ich war ein Amateur in einem Profiverein“, sagt er. „Ich hätte zwar genug Geld zum Leben verdient, aber mir die Freiheit nehmen zu lassen, zu wechseln, wann ich wollte“, sagt Post. Ob er es bereut hat? „Nein“ – eine Antwort wie aus der Pistole geschossen.

Der Beruf als Textilingenieur war ihm immer etwas wichtiger als der Sport. „Ich war nicht bei jedem Training dabei, aber wenn ich konnte, habe ich 150 Prozent gegeben“, meint Post. Sein Einsatz beeindruckte: 1952, wenige Monate vor den Olympischen Sommerspielen, flatterte ein Brief in sein Haus: Er war dabei. „Ich hatte schon vorher etwas geahnt.“ Der Rheydter Trainer Hennes Weisweiler war schließlich Assistent von Sepp Herberger .

Der war auch Coach der Amateur-Nationalmannschaft. Und Post lobt ihn heute noch: „Er hatte ein unglaubliches Gedächtnis, erinnerte sich noch an alle möglichen alten Spielzüge.“ Und er sei ein ausgezeichneter Psychologe gewesen. „Er hat jeden persönlich in einem Spaziergang auf seine Aufgabe heiß gemacht.“

Mit dem Flugzeug ging es dann nach Helsinki. „Damals nahm da keiner Notiz von, außer meiner Frau“, schmunzelt er. Rund um die Olympiade gab es längst noch keinen Medienhype. „14 D-Mark haben wir damals pro Tag bekommen“, weiß Post noch genau. An den Tagen, an denen kein Spiel anstand, blieb Zeit, die Stadt zu erkunden. „Wir haben aber lieber Karten gespielt.“

Post als Defensivspezialist (Linksverteidiger) gibt zu: „Ich war nie ein begnadeter Fußballspieler.“ Aber dafür eben einer mit Kondition über alle Maßen. „Herberger hat zu mir gesagt: ,Und wenn dein Gegenspieler zur Toilette geht – dann gehst du mit.‘“

Herbergers Art war erfolgreich: Mit der Amateurmannschaft marschierte Post bis ins Halbfinale. Dort unterlagen die Deutschen Jugoslawien mit 1:3. Im Spiel um den dritten Platz verloren sie mit 0:2 gegen Schweden. „Das war viel mehr, als wir erwartet hatten“, sagt Post.

Als er nach Hause kam, war er trotzdem kein Star, der Autogramme schreiben musste. Ganz im Gegensatz zu den Olympia-Teilnehmern von heute. „Ich verfolge die Spiele in Peking, aber mich stört, dass das Geld immer wichtiger geworden ist“, kritisiert Post. Der Sport trete zu sehr in den Hintergrund, sagt er, gerade anlässlich der fulminanten und dementsprechend teuren Eröffnungsfeier.

Post selbst beendete bei Eintracht Nordhorn 1961 seine Fußballkarriere. Heute spielt er noch Tennis, aber keinen Fußball mehr. Das sei zu kraftraubend. Seine Schuhe von damals – vielleicht hätten sie ihm heute gepasst.

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