Reitsport: Nach Unfall zurück im Sattel
Lara Wübbeling startet bei den Deutschen Meisterschaften der Para-Reiter

Münster -

Ein Sturz vom Pferd hätte beinahe das Ende der Reiterkarriere von Lara Wübbeling bedeutet. Doch sie kämpfte. Mit Unterstützung von Ärzten und Freunden sowie ihrer Trainerin Johanna Klippert schaffte sie es zurück in den Sattel. Jetzt hat Lara Wübbeling wieder große Ziele - und fährt zu den Deutschen Meisterschaften der Reiter mit Behinderungen.

Freitag, 25.05.2018, 12:54 Uhr

Mit ihrem Pferd Florentine startet Lara Wübbeling erfolgreich bei den Reitern mit Behinderungen. Sie nimmt aber auch an Turnieren im Regelsport teil. Foto: Marion Fenner

Parasport? Sport für Menschen mit Behinderungen? Ein Gedanke, mit dem sich die Reiterin Lara Wübbeling zunächst überhaupt nicht anfreunden wollte. „Ich bin doch nicht behindert!“, war ihr erster Ausspruch, als ihr ein Bekannter den Vorschlag machte, mit ihrem Pferd an Turnieren für Menschen mit Behinderungen teilzunehmen. „Klar, ich habe einen Behindertenausweis, aber will ich nun auch noch im Sport behindert sein?“, fragte sie sich damals.

Einschränkungen akzeptiert

Mittlerweile akzeptiert sie ihre körperliche Einschränkung, mit der sie seit knapp drei Jahren leben muss. Ein Reitunfall verändert das Leben der damals 22-Jährigen. Kurz vor dem Ende ihrer Bereiterlehre nahm die Dülmenerin am Springtraining für die Abschlussprüfung teil. „Zum letzten Sprung passte die Distanz nicht, ich wollte das Pferd anhalten, doch es sprang ab“, erinnert sich Lara Wübbeling genau an den Unfall. Die Stangen fielen, das Pferd erschrak, stieg, kippte hinten über und fiel mit aller Wucht auf ihren linken Unterschenkel. „Ich hörte es laut knacken“. Waden- und Schienbein waren zertrümmert.

Dann stand das Pferd wieder auf, doch der Fuß der Reiterin hing noch im Steigbügel. „Dabei sind alle Bänder im Unterschenkel gerissen“, berichtet Lara Wübbeling. Ein Geräusch, das die Reiterin heute immer noch im Ohr hat. Es folgte ein langer Krankenhausaufenthalt, bei dem die Ärzte ihr Bestes gaben. Fünf Operationen musste sie über sich ergehen lassen. Die junge Frau erhielt ein komplett für sie „maßgeschneidertes“, bewegliches neues Sprunggelenk. „Da hat sich jemand mit mir als Patientin viel Mühe gegeben“, sagt Lara Wübbeling anerkennend.

Reiten war zunächst in weite Ferne gerückt, sie musste erst einmal wieder laufen lernen. Auch die Ärzte machten ihr wenig Hoffnung, je wieder in den Sattel steigen zu können. Ihr Vater wollte sogar ihre Stute Florentine verkaufen, doch das konnte sie verhindern. „Im Krankenhaus hätte ich ja nicht mitentscheiden können, wer sie bekommt.“ Und letztlich hat niemand sie bekommen.

Zurück im Sattel

Lara Wübbeling ist wieder aufs Pferd gestiegen. „Beim ersten Mal hatte ich Angst davor, Angst zu haben.“ Ihr Onkel half ihr in den Sattel und führte sie vorsichtig im Schritt. Ganz langsam kamen Mut und Selbstvertrauen wieder. „Mit dem linken Bein habe ich kaum noch Einwirkung, doch mein Pferd arbeitet brav mit“, lobt sie ihre Stute. Einschränkungen beim Laufen hat die Reiterin bis heute. „Joggen oder auch nur einmal einen kurzen Spurt einlegen – das werde ich ganz sicher nie wieder können.“

Muskeltraining im Fitnessstudio und Physiotherapie sind wichtig, um so beweglich wie möglich zu bleiben. Und natürlich auch, um zu reiten. Denn dabei hat Lara Wübbeling, die nach ihrer mittlerweile nachgeholten Bereiterprüfung – bei der war sie von der Disziplin Springreiten befreit worden – wieder große Ziele. Sie ist für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft der Reiter mit Behinderungen nominiert. „Ich habe zunächst am Training teilgenommen und festgestellt, dass Reiten in einer Klasse mit ähnlich eingeschränkten Personen durchaus etwas für mich ist.“ Auch sportlich sei das eine echte Herausforderung.

Sie ist in die Klasse Grade V eingestuft worden und gehört dem C-Kader an. Trainiert wird Lara Wübbeling, die derzeit in Osnabrück Agrarwissenschaften studiert, von der Albachtenerin Johanna Klippert , die das Paar auch schon für die Sichtungsprüfungen vorbereitet hat. „Auf Laras Einschränkung muss ich eigentlich wenig Rücksicht nehmen“, verrät Johanna Klippert. Da mache sich die Reiterin mehr Gedanken als nötig, ist die Ausbilderin überzeugt. „Für mich ist es ein großer Aufwand mit dem linken Unterschenkel überhaupt ans Pferd zu kommen und zu treiben“, erwidert Lara Wübbeling. Aber sie weiß, dass ihr Pferd gelernt hat, das zu kompensieren.

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Johanna Klippert Foto: Marion Fenner

Johanna Klippert arbeitet mit ihrer Schülerin an den Feinheiten, am Ausdruck. Immer im Blick stehen dabei die speziellen Anforderungen, die in der Prüfung bei den Deutschen Meisterschaften auf das Paar warten, und die sich nicht grundlegend von denen unterscheiden, die auch im sogenannten Regelsport, bei dem Lara Wübbeling ebenso antritt, zu zeigen sind. Die Aufgaben liegen etwa auf den Niveau einer M-Dressur mit Galopptraversalen, aber ohne fliegende Wechsel. „In der Kür dürfen dann auch Lektionen der schweren Klasse gezeigt werden“, erklärt Lara Wübbeling.

Mit Zuversicht zur Meisterschaft

Die Dülmenerin nimmt außerdem an speziellen Lehrgängen für Para-Reiter teil. Einige Turniere im Parasport hat Lara Wübbeling bereits absolviert. Bei acht Starts stand sie vier Mal vorne, war drei Mal Zweite und ein Mal Dritte. Nun fährt sie zuversichtlich zu den nationalen Wettkämpfen.

Die Deutschen Meisterschaften finden vom 21. bis 26. Juni auf dem Gestüt Bonhomme in der Nähe von Berlin statt. „Dass ich mal die Farben meines Landes vertreten darf, davon hätte ich früher nicht zu Träumen gewagt.“ Ein gesundes Bein bekommt Lara Wübbeling nie wieder zurück. In einigen Jahren – so viel steht fest – werden wieder Operationen folgen. Das künstliche Gelenk hält nicht ewig.

Lara Wübbeling macht das Beste aus ihrer Situation. Sie ist froh, überhaupt wieder reiten zu dürfen. Dass ihr diese körperliche Einschränkung neue Möglichkeiten eröffnet, nimmt sie gerne mit.

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