Fußball: U-17-Nationalspielerin Maria Luisa Grohs darf zur EM
Die mit den Jungs trainiert

In der Datenbank des DFB hat sie ihren festen Platz. Und bei den U-16-Junioren des 1. FC Gievenbeck. Dort holt sich die 16-jährige Torhüterin fast allein unter Jungs die nötige Härte, um international bei den Mädchen bestehen zu können. Denn Maria Luisa Grohs steht unmittelbar vor dem Höhepunkt ihrer noch jungen, steilen Karriere. Mit der deutschen U-17-Nationalmannschaft reist sie im Mai zur Europameisterschaft nach Litauen. Aber Grohs denkt nicht nur an Fußball: Sie hat einen Plan, will Luft- und Raumfahrttechnik studieren.

Freitag, 20.04.2018, 09:30 Uhr aktualisiert: 20.04.2018, 09:43 Uhr
Das macht Spaß: Die Schüsse der Gievenbecker U-16-Jungs pariert sie gekonnt – und gerne. Maria Luisa Grohs gehört zum festen Inventar im Sportpark. Foto: Thomas Austermann

Im Kreis ihrer Mitschülerinnen stemmt Maria Luisa Grohs den Pokal hoch. Die Michaelschule aus Gievenbeck dominiert bei der münsterischen Grundschul-Stadtmeisterschaft und dreht jubelnd ab. Es ist der Sommer 2011. Sieben Jahre später peilt die jetzt 16-jährige Torhüterin einen Triumph auf höchstem Niveau an. Mit der deutschen U-17-Nationalmannschaft geht es ab dem 9. Mai und dem Spiel gegen Finnland in Litauen um die Europameisterschaft .

Von Münster aus geht es für die 1,81 Meter große Keeperin des 1. FC Gievenbeck tatsächlich hinaus in die Welt. Die Schülerin des Mädchengymnasiums Marienschule geriet als U-14-Spielerin in den Fokus des westfälischen Verbandes, absolvierte Lehrgänge in Kamen-Kaiserau und stieg auf in den DFB-Kreis, als sie per Zweitspielrecht zwischen September 2016 und Mai 2017 für die U-17-Bundesligamädels des VfL Bochum im Kasten stand. Als Kapitänin. Nach dem Abstieg des Revierteams beendete sie die Doppelbelastung. Der VfL bot ihr einen Platz in der Regionalliga-Ersten an, aber „dann hätte ich hier beim FCG alles aufgeben müssen.“

" Mala " pendelt zwischen zwei Extremen

Auf den Fußballplätzen wird sie einfachheitshalber „Mala“ gerufen. Und sie mag den Spitznamen, der von der Kreis-Leistungsklasse bis hin zur Nationalmannschaft gültig ist. Mala Grohs pendelt zwischen zwei Extremen und wirkt so, als schüttele sie das locker aus dem Ärmel: In Münster stärkt sie den U-16-Junioren des FCG den Rücken und fühlt sich in der Elf von Trainer Gereon Schedding gefordert: „Jungs können hart schießen. Ich hab gut zu tun hier.“ Akzeptiert ist sie längst bei den jungen Männern.

Junge Talente

Teamkameradin von Mala Grohs beim 1. FC Gievenbeck ist Joana Weber (Jahrgang 2002), die für die deutsche U-16-Auswahl spielt. Die Münsteranerin lebt auf dem Mädcheninternat der westfälischen Sportschule in Kamen-Kaiserau – ebenso wie Paula Reimann (Jg. 2002). Die U-16-Nationalspielerin kickte für Münster 08, ehe sie sich der Bundesliga-U-17 des FSV Gütersloh anschloss.

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Training, Training, Training

Das wichtigste Element der Aus- und Fortbildung bleibe, sagt sie, eh das Training. Und das praktiziert die Engagierte, die sich zu Bochumer Zeiten einen Schlüsselbeinbruch zuzog und lange in die Reha musste, reichlich. In Kaiserau nutzt sie mehrmals pro Woche das Sportangebot des Mädcheninternats, in Münster die Einheiten unter Schedding und dem FCG-Torwarttrainer Daniel Rama Rubio, einem Spanier, der des Studiums wegen in die Uni-Stadt kam.

Bei DFB-Maßnahmen ist Adam Kasprzik ihr Disziplinchef, der zum großen Stab von U-17-Bundestrainerin Anouschka Bernhard gehört. Die 47-Jährige, die bis 1997 in 47 Länderspielen für Deutschland verteidigte, erwarte, „dass wir Torhüterinnen Verantwortung übernehmen, schon als Aufbauspieler. Wir müssen den Druck aushalten, wenn uns der Gegner anläuft. Und am besten nie den Ball einfach lang rausschlagen.“

Drei U-16-Länderspiele und fünf U-17-Einsätze stehen in Grohs-Vita. Zuletzt bestach sie mit dem Kader bei der EM-Qualifikation in Neubrandenburg. Deutschland setzte sich mit Siegen gegen Aserbaidschan, Island und Irland – trainiert vom ehemaligen Preußen-Münster-Trainer Colin Bell – durch. In dem Jahrgang ist der DFB seit Jahren eine unangefochtene Größe und mit sechs Titeln der EM-Rekordgewinner.

EM in Litauen

Die deutschen U-17-Mädels sind traditionell sehr erfolgreich und wurden 2008, 2009, 2012, 2014, 2016 und 2017 Europameister. Trainerin Anouschka Bernhard feierte 2012 ihren ersten Erfolg mit dem Jahrgang. In Litauen geht es in der Gruppe A gegen Finnland (9. Mai), die Niederlande (12. Mai) und den Gastgeber (15. Mai). In der Gruppe B spielen Polen, Spanien, Italien und England. Die elfte EM-Endrunde dient auch als europäische Qualifikation für die U-17-WM in Uruguay (13. November bis 1. Dezember). Die beiden Finalisten sind direkt qualifiziert. Die unterlegenen Halbfinalisten spielen das dritte Ticket in der Partie um Platz drei aus.

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Das Triple im Visier

„2016 und 2017 gab es ja die letzten Titel – jetzt können wir das Triple schaffen. Den Anspruch hat nicht nur die Öffentlichkeit, den haben wir selbst“, beschreibt Mala Grohs offen. Mit Wiebke Willebrandt aus Lippe­rode, die das Trikot mit der Nummer eins trägt, steht sie in echter Positions­konkurrenz. „Wir sind in etwa gleichwertig. Und wir ­pushen uns gegenseitig. Das Klima stimmt“, sagt Mala Grohs, die Herausforderungen mag. Auch abseits des Platzes. Zum Abi 2019 büffelt sie sich in den Leistungskursen Mathe und Physik. Die Perspektive steht: „Ich würde gerne Luft- und Raumfahrttechnik studieren.“

Bis dahin will und wird sie sich in Münster wohlfühlen. Als Messdienerleiterin der Liebfrauen-Überwasser-Pfarrei kümmert sie sich um ballentfernte Belange. Und Zeit bleibt auch noch für das anspruchsvolle musikalische Hobby – sie spielt Geige und E-Bass. Mala Grohs hat gut zu tun. Aber gestresst wirkt sie kein Stück.

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