Fußball: 3. Liga
Preußen-Bosse informieren über und werben für Ausgliederung

Münster -

Sportlich geht es bei den Preußen derzeit drunter und drüber, hinter Kulissen wird jedoch mit Nachdruck an der Zukunft des Vereins gebastelt. Am Montagabend informierte der Clubvorstand über und warb für die Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine Kapitalgesellschaft.

Montag, 11.12.2017, 21:12 Uhr

KPMG-Mitarbeiter Frank Nordhoff (kl. Foto l.) und Präsident Christoph Strässer (r.) sprachen zum Plenum.
KPMG-Mitarbeiter Frank Nordhoff (kl. Foto l.) und Präsident Christoph Strässer (r.) sprachen zum Plenum. Foto: Weskamp

Konstruktiv, engagiert, vor allem aber in moderater Tonlage begegneten sich Clubbosse, Befürworter und Gegner der Ausgliederung des SC Preußen in eine Kapitalgesellschaft. Ob die Details zum geplanten Vorgehen die Mitglieder bei diesem Info-Abend so überzeugt haben, dass es bei der Abstimmung Anfang 2018 zur 75-prozentigen Mehrheit reicht, ist offen. Wenn Applaus ein guter Indikator ist, durfte Präsident Christoph Strässer für seine Ausführungen immerhin einen Etappensieg verbuchen.

169 Mitglieder waren trotz der Wetter- und Straßenverhältnisse ins Stadion gekommen. „Wir wissen, dass wir aus Sicht vieler Fans zu wenig gemacht haben“, so Aufsichtsratschef Frank Westermann . „Aber wir wollten erst Tatsachen präsentieren. Und wir sind zutiefst überzeugt von diesem Weg.“

Eckdaten

► Der Termin für die Ausgliederung steht: Am 14. Januar, ein Sonntag, um 11 Uhr lädt der Club zur außerordentlichen Mitgliederversammlung in die Mensa am Ring.

► In die GmbH Co. KGaA sollen neben den Profis auch die zweite Mannschaft sowie die U 19 und U 17 überführt werden.

► Ideelle Werte und die breitensportlichen Abteilungen (Leichtathletik, Handball, Faustball, Traditionself) wären vom Übergang ausgeschlossen.

► Als Gründe für den gewollten Schritt wurde der Schutz vor wirtschaftlichen Risiken genannt, eine theoretisch drohende Löschung aus dem Register, die Sicherung der Gemeinnützigkeit, die Professionalisierung des Profibereichs und die Eigenkapitalbeschaffung.

► Die Schulden des eingetragenen Vereins übernimmt die Kapitalgesellschaft, der Club erwirbt im Gegenzug Aktien.

► Präsident Christoph Strässer betonte, dass er dafür eintreten möchte, dass er und seine Vorstandskollegen sich künftig von der Mitgliederversammlung direkt wählen lassen. Bisher bestimmt sie der Aufsichtsrat.

...

Der Mann, der an diesem Abend oft im Mittelpunkt stand, war Frank Nordhoff von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KMPG, die den Verein in den vergangenen Monaten aktiv bei der Planung des Schritts begleitet hatte. Er stellte das vorgesehene Modell in der Runde vor. Eine Geschäftsführungs-GmbH als Komplementärin der KGaA wird gebildet. Das Mindestkapital (25 000 Euro) bringt ausschließlich der e.V. ein. Der Beirat der Kapitalgesellschaft besteht aus sechs gewählten Aufsichtsratsmitgliedern sowie maximal drei Mitgliedern des Präsidiums. Aus diesen Reihen rücken fünf Akteure (inklusive Präsident und Aufsichtsratschef) in einen Hauptausschuss. Daneben gibt es eine vermutlich zwei Personen umfassende Geschäftsführung. Die Kommanditgesellschaft auf Aktien besitzt relativ wenige Rechte. In deren Hauptversammlung können Aktionäre (Investoren) eintreten, der Präsident sitzt hier ebenfalls. Diese Runde bestellt zudem einen Aufsichtsrat, der größtenteils aus den anderen Gremien gebildet wird.

Warum die Preußen dringend neue Mittel brauchen, liegt auf der Hand: Das negative Eigenkapital des Vereins hat sich seit dem Drittliga-Aufstieg 2011 bis zum vergangenen Jahr um 800 000 auf 2,052 Millionen Euro erhöht. Nach zwei Spielzeiten mit negativem Abschluss werden bei der Jahreshauptversammlung am Sonntag die neuen Zahlen vorgestellt. „Es drohte zuletzt laut DFB-Statuten sogar ein Punktabzug“, so Nordhoff. Die Praxis, Sponsoren deutlich im Voraus um Gelder zu bitten, um die Bilanzen zu verbessern, sei mittelfristig kontraproduktiv gewesen.

Mehrere Mitglieder brachten in überwiegend sachlicher Form ihre Bedenken vor, etwa dass es schwer sei, Vertrauen zu handelnden Personen zu schaffen, nachdem jahrelang Bilanzen frisiert worden seien, oder dass die Mitbestimmung rapide sinke. Strässer versprach „maximale Transparenz bei Finanzen“, einen Fortbestand der U 23, schloss ein Kippen der 50+1-Regel in Münster kategorisch aus und betonte, dass ohne Ausgliederung dem e.V. eine Insolvenz drohe. Westermann sagte, dass die Namen der Aktionäre keineswegs anonym gehalten werden sollen.

Alle Zweifel ließen sich nicht zerstreuen. Ein bisschen schlauer sind alle Teilnehmer trotzdem.

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