Fußball: Interview
„Es geht um offene Ohren“ – Brüx und Höing über Preußen-Fans

Münster -

Den SC Preußen umgeben im Augenblick schwierige Themenfelder. Stadion, Ausgliederung oder Abstiegskampf. Doch auch das Verhältnis zwischen Verein und Anhänger steht weiter auf der Agenda, wie Präsidiumsmitglied Siggi Höing und Fanbeirat Burkhard Brüx im Doppel-Interview betonen.

Dienstag, 28.11.2017, 17:11 Uhr

Burkhard Brüx und Siggi Höing (r.) sprechen über das Verhältnis zu den Fans.
Burkhard Brüx und Siggi Höing (r.) sprechen über das Verhältnis zu den Fans. Foto: Jürgen Peperhowe

Preußen Münster und seine Fans. Das ist eine unendliche Geschichte. Vielleicht sogar eine unendliche Liebesgeschichte. Es gehört eine Menge Leidensfähigkeit dazu, dem Traditionsclub die Treue zu halten. Warum die Beziehung zwischen Anhängern und Verein (oder dessen Führung) so schwierig ist und dass die kleinen Ränkespielchen gar nicht so ungewöhnlich sind, erläutern Präsidiumsmitglied Siggi Höing und Fanbeirat Burkhard Brüx im Interview mit Redaktionsmitglied Thomas Rellmann .

Im September meldete sich das Fanprojekt mit einem öffentlichen Brandbrief zu Wort. Seitdem haben Sie mit dessen Vorstand zusammengesessen und die Wogen geglättet. War das Treffen nachhaltig?

Höing: Ja, das war vor zwei Wochen. Und ich gebe zu, dass ich nach den Vorwürfen zuvor, die alle Themen betrafen, die für uns erledigt waren, für die wir uns aber auch mehrfach entschuldigt hatten, mit etwas Wut im Bauch da reingegangen bin. Aber das Treffen war am Ende sehr konstruktiv. Es war für eine Stunde angesetzt, am Ende waren es zwei – und alle haben sich die Hand gegeben. Das war richtig gut. Es ging um viele Dinge. Um die Vorstellung der neuen Sicherheitsleute, um den gemeinsamen Weihnachtsmarkt, um die all­gemeine Kommunikation.

Es heißt immer wieder, das Fanprojekt sei zu nah an den Ultras. Ist das korrekt und wie ist Ihr Verhältnis?

Brüx: Ich habe einen guten Draht zum Fanprojekt-Vorstand, und natürlich tauschen wir uns regelmäßig aus. Auch die Ultras haben gute Beziehungen zum Fanprojekt, eine Unterwanderung kann ich aber nicht feststellen: Sie schieben vieles an, sind eben die aktivsten. Viele andere agieren passiv, kommen nur zum Fußballgucken ins Stadion.

Beim letzten öffentlichen Treffen waren leider nur 30 Leute anwesend, darunter mehrheitlich viele Ultras. Außer ihnen besteht unsere Fanszene leider nur aus wenigen aktiven Leuten, erzwingen kann man eine Mitarbeit dort nicht. Willkommen ist aber jeder.

Warum ist es schwer, eine Einheit zwischen Führung und Kurve herzustellen?

Höing: Unsere Fans stehen anders im Fokus als etwa die beim BVB , weil un­sere Szene kleiner ist. Da ­kochen Dinge schneller hoch, auch medial. Ich glaube aber, dass das Problem nicht so gravierend ist. Wir dürfen nicht erwarten, dass sich die Ultras bedanken, wenn mal etwas gut klappt. Wenn über Umwege. Es wird immer verschiedene Ansichten geben. Übrigens muss ich auch innerhalb des Vorstands oft um Verständnis für die Kurve werben, da sind wir keinesfalls immer d‘accord.

Brüx: Es wird ja oft bemängelt, dass der SCP die Fans nicht mitnimmt. Da kann der Verein schon ein bisschen mehr anbieten, andererseits sollte man aber auch etwas Verständnis aufbringen, dass der Verein nicht alles mal eben schnell umsetzen kann. Wir wollen es auf jeden Fall verbessern.

Seit den späten 80ern im Stadion

Burkhard Brüx ist seit Januar 2017 offiziell Fan­beirat des SCP-Vorstands. Er geht seit Ende der 1980er Jahre regelmäßig ins Stadion, steht stets auf der Gegengerade, ist Mitglied im Fanclub „Die Adler 79“ und auch in der Fanhilfe Münster aktiv. Der 42-jährige Großkundenbetreuer, der häufiger an Sitzungen der Clubführung im Monat teilnimmt, fungiert als Bindeglied zwischen Präsidium, Fanprojekt und auch allen ­anderen Anhängern.

Auf Sicht soll er einen zweiten Mann an seine Seite bekommen. Mit der Stelle sind bewusst vorerst keine Befugnisse im Verein verbunden. „Natürlich bin ich auf die Unterstützung aller Gruppen angewiesen“, sagt er. „Die exakten Aufgaben sind noch nicht endgültig fixiert. Aber ich möchte Fan­themen dauerhaft in den Blickpunkt rücken und nicht immer nur dann, wenn etwas passiert ist.“

Ins Amt holte ihn vor knapp zwölf Monaten Siggi Höing, der seit rund zehn Jahren zum Präsidium zählt und dort unter anderem für Fanbelange zuständig ist. Er sagt: ­ „Der Austausch mit den Anhängern ist elementar. Das Fanprojekt vermittelt eine positive Resonanz zu Burkhard. Wir wünschen ihm mehr Kompetenzen und prüfen, welche wir da freigeben können.“

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Am Freitag gegen Chemnitz wurde allerdings wieder massiv gezündelt. . .

Höing: Das nehmen wir nicht gerade erfreut zu Kenntnis. Unsere Fans sind ja gefühlt die einzigen im Land, die in ihrem eigenen Zuhause ständig Pyrotechnik abbrennen. Nicht, dass das falsch ankommt: Wir wollen keineswegs dicht­machen, sondern auch die Ultras im Stadion haben.

Gerade beim Thema Ausgliederung würden viele Mitglieder gern mehr Infos erhalten. Die Ultras haben sich dagegen positioniert. Ist das eine Gefahr?

Höing: Ich hoffe nicht. Wir werden nie alle in ein Boot bekommen, selbst die Kurve ist zwiegespalten. Wir wollen alle mit dem Info-Termin im Dezember auf unsere Seite ziehen.

Brüx: Es wünschen sich aber schon viele eine stärkere Beteiligung am Prozess.

Ist der Verein in Sachen Fanarbeit besser aufgestellt als vor einem Jahr?

Höing: Ja. Ich finde, wir haben große Schritte gemacht. Die Stadionverbotskommission, Burkhard als Verbindungsmann – aber es ist immer noch viel Luft nach oben und einiges zu bearbeiten. Wir brauchen noch mehr offene Diskussionen. Im Januar, nach dem Ausgliederungstermin, muss das Thema wieder mehr in den Vordergrund. Wir wollen Fanstammtische wieder etablieren.

Aber es gibt alle Möglichkeiten, jeden immer anzusprechen. Früher war Georg Krimp­hove, der sich über ein Jahrzehnt aufgerieben hat, mit Roland Böckmann fast allein auf weiter Flur. Heute sind Wilfried Kramer als Veranstaltungsleiter, Mark Brown als Sicherheitschef und HRC als Security-Team immer vor Ort. Mir ist es aber auch wichtig, dass die Polizei mit dabei ist.

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So ganz verstummt die ­Kritik dennoch nicht.

Brüx: Natürlich lassen sich immer noch Dinge deutlich verbessern, vieles musste sich auch erst mal einspielen. Wir sind dabei, noch kürzere Drähte und Transparenz zu schaffen.

Höing: Ja, es sind ja auch einige Dinge blöd gelaufen. Das haben wir zugegeben, uns etliche Male entschuldigt. Eine Bandenwerbung mit dem Stichwort „Events“ muss nicht vor dem Ultra-Block hängen, die Stadionverbotskommission hätten wir früher öffentlich machen können. Da gab es schon Fehler, die teilweise auch zeitliche Gründe hatten. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir alle ehrenamtlich tätig sind.

Die Erwartungshaltung ist recht hoch. Trotzdem müssen wir uns der Dinge annehmen. Wir müssten mal in die 2. Liga aufsteigen, da ist ein ­hauptamtlicher Fanbetreuer Pflicht, da wären ganz andere Mittel da. So müssen wir auch auf die Ausgliederung setzen. Damit steht und fällt alles. Und der Klassenerhalt steht natürlich über allem.

Brüx: Ich will es aber nicht nur an finanziellen Dingen festmachen. Es geht darum, auf Augenhöhe zu sprechen, offene Ohren zu haben, alle ernst zu nehmen.

Höing: Zum Schluss will ich aber noch anmerken, dass wir gerade in den ­letzten Wochen einige richtig tolle Meldungen hatten. Bei der Eröffnung des Fanshops war die breite Masse da, eine große Euphorie. Und dass unsere beiden ­Ultra-Gruppen wieder zusammen supporten ist einfach richtig gut. Fanarbeit ist nicht unangenehm, sie kann sogar großen Spaß machen.

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