Leichtathletik: Sechs-Stunden-Lauf in Handorf
Keine gewöhnlichen Sportler

Münster -

Sechs Stunden Zeit, um soviel Kilometer wie möglich zurückzulegen – diesem Anreiz folgten am Samstag 300 Athleten zum Handorfer Kasernengelände. Doch mit ganz gewöhnlichem Laufsport hatte das Ganze wenig zu tun. Ein wenig Extravaganz gehört dazu, genau wie jede Menge Vergnügen.

Dienstag, 17.03.2015, 20:03 Uhr

Der Blick auf die Uhr und die Feststellung: Ab sofort sind sechs Stunden Zeit, so viel wie möglich zu laufen.
Der Blick auf die Uhr und die Feststellung: Ab sofort sind sechs Stunden Zeit, so viel wie möglich zu laufen. Foto: Wilfried Hiegemann

Auf dem Gelände der Lützow-Kaserne in Münster-Handorf bot sich am Samstag ein ungewohntes Bild. Dort marschierten nicht wie üblich Uniformierte oder rangierten Militärfahrzeuge, sondern knapp 300 Sportler rannten, spazierten und liefen auf einer 2500 Meter langen Rundstrecke – 360 Minuten lang. Der „Sechs-Stunden-Lauf“ gastierte bei seiner sechsten Auflage auf dem Bundeswehr-Gelände.

Gast aus der Schweiz

Die Teilnehmer sind keine gewöhnlichen Sportler. Es beginnt damit, dass der Chef-Organisator, Oberstleutnant Christian Pflügler und Mitglied des Deutsch-Niederländischen Korps, die Veranstaltung 2011 laut eigener Aussage erstmals initiierte, um seinen „100. Marathon zu feiern“. Der Berufssoldat ist Extremsportler, im Februar startete er in Hannover bei einem Treppenhaus-Marathon. Sein Event zieht an – gleichgesinnte Lauf-Verrückte und vor allem „Ultra-Läufer“, also Sportler, die bevorzugt Strecken mit einer Distanz weit über 42,195 Kilometer laufen: Ricarda Bethe zum Beispiel ist extra aus der Schweiz nach Münster gekommen, schafft dann in sechs Stunden über 70 Kilometer und sagt am Ende: „Ich habe mich nicht bis zum Umfallen verausgabt.“ Die 51-Jährige ist an diesem Samstag die schnellste Frau in Handorf , sie hatte unter anderem 2012 am „ Spartathlon “ in Griechenland teilgenommen und dabei 245 Kilometer in knapp 35 Stunden überwunden.

Hot-Dog-Stand

Mario Bartkowski und Peter Brause reicht dagegen das bloße Laufen nicht. Sie schieben sechs Stunden lang gemeinsam einen fahrbaren Hot-Dog-Stand vor sich her. „Normal ist uns zu langweilig“, sagt Brause. Schwierig gewesen sei das Schieben des Wagens nur auf den Passagen der Strecke, wo Holzhäcksel lag oder der Boden schlammig war. Überhaupt sei das weit über 50 Kilogramm schwere Vehikel durch den Würstchenverkauf zunehmend leichter geworden. Beeindruckend: Die beiden schaffen in sechs Stunden eine volle Marathon-Distanz.

Diesmal vorwärts

Der Münsteraner Markus Jürgens dagegen zieht normalerweise die Blicke auf sich, wenn er verschiedene Herausforderungen komplett rückwärts laufend absolviert. Diesmal absolviert der amtierende Weltmeister über die Halbmarathon-Distanz in dieser Spezial-Disziplin die 21,0975 km fast komplett konventionell, mit nach vorne gerichtetem Blick. „Nach zwei Stunden bin ich für 200 Meter rückwärts gelaufen, um die die Knie zu entlasten“, sagt Jürgens, der 74 Kilometer zurücklegt hat und dem der Wettbewerb auch vorwärts Spaß bereitet. „Es ist der absolute Wahnsinn, die Ultra-Szene ist sehr speziell, und alles hat super geklappt.“ Jan-Hendrik Hans aus Mittelhessen wird nachträglich eine weitere Runde (79 Kilometer) zugesprochen, sodass mit Steffen Auerswald aus Warendorf der zweitschnellste Läufer zunächst als Sieger geehrt wird. Der 48-jährige Marathonläufer ist knapp 77 Kilometer gelaufen und hat das erste Mal an einer solchen Veranstaltung teilgenommen. „Es ist mir leicht gefallen“, erklärt er. „Das Wetter war ja gut.“

► Der Erlös des Laufs geht übrigens an einen wohltätigen Zweck.

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