Fußball: 2. Bundesliga
Wilke und Saatkamp können Entlassung von Atalan nicht nachvollziehen

Lotte / Bochum -

Das ist der Hammer. So schnell hätte mit solch einer Entscheidung wohl kaum jemand gerechnet. Seit Montag ist Ismail Atalan nicht mehr Trainer des Zweitligisten VfL Bochum. Nach nur zehn Punkten aus neun Spielen hat der Ruhrgebietsclub den 37-Jährigen von seinen Aufgaben entbunden.

Montag, 09.10.2017, 17:10 Uhr

Ismail Atalan hat sich am 11. Juli aus Lotte in Richtung VfL Bochum verabschiedet. Dort wurde er nun entlassen.
Ismail Atalan hat sich am 11. Juli aus Lotte in Richtung VfL Bochum verabschiedet. Dort wurde er nun entlassen. Foto: Mrugalla

Das ist der Hammer. So schnell hätte mit solch einer Entscheidung wohl kaum jemand gerechnet. Seit Montagnachmittag ist Ismail Atalan nicht mehr Trainer des Zweitligisten VfL Bochum . Nach nur zehn Punkten aus neun Spielen hat der Ruhrgebietsclub den 37-Jährigen mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden .

„Wir haben uns nach gründlicher Analyse der aktuellen sportlichen Situation dafür entschieden, dass eine sofortige Beendigung der Zusammenarbeit für beide Seiten die sinnvollste Entscheidung ist“, äußert sich VfL-Manager Christian Hochstätter zur Personalie. Ismail Atalan selbst war für unsere Redaktion zunächst nicht zu erreichen. Bis auf Weiteres übernehmen der bisherige U19-Trainer Jens Rasiejewski und Co-Trainer Heiko Butscher das Training und werden am kommenden Samstag beim Zweitligaspiel gegen den SV Sandhausen die Mannschaft betreuen. Atalan war erst am 11. Juli von den Sportfreunden Lotte zum VfL gewechselt, wo er das Traineramt des zuvor entlassenen Gertjan Verbeek übernommen hat. Mit ihm wechselte auch Co-Trainer Jo Laumann vom Autobahnkreuz ins Ruhrgebiet. Im Gegensatz zu seinem Ex-Chef wird Laumann aber wohl beim VfL bleiben.

Ismail Atalan verabschiedet sich in Lotte

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    Am Dienstagvormittag verabschiedete sich Ismail Atalan in Lotte von seiner Mannschaft.

    Foto: Mrugalla
  • Der Trainer wechselt zum Zweitligisten VfL Bochum. Der 37-Jährige kam 2015 nach Lotte.

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  • Atalan hatte erst im Juni seinen Vertrag verlängert, allerdings mit der Zusage, den Verein verlassen zu dürfen, wenn ein höherklassiger Club anklopft.

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  • Versüßter Abschied: Die Sportfreunde Lotte haben sich mit dem VfL Bochum finanziell geeinigt. 

    Foto: Mrugalla
  • Er soll schon am Dienstag an der Castroper Straße in Bochum seinem neuen Job nachgehen können.

    Foto: Mrugalla

Sprungbrett Lotte

Im Januar 2015 hatte Ismail Atalan beim damaligen Regionalligisten SF Lotte angeheuert. Fortan ging es mit ihm und dem Verein steil nach oben. In der Saison 2015/16 schaffte er mit den Sportfreunden den Aufstieg in die 3. Liga und realisierte in der Folgesaison locker den Klassenerhalt ohne jemals in Abstiegsgefahr geraten zu sein. Zudem dürften allen noch die Erfolge im DFB-Pokal mit den Siegen gegen Werder Bremen, Bayer Leverkusen und 1860 München im Gedächtnis sein. Mit seiner offenen, sympathischen Art kam er an. Zudem bevorzugte er den Offensivfußball, ließ seine Mannschaften in einem 4:3:3-System auflaufen.

Ismail Atalan war der Aufsteiger schlechthin und wurde zum Ende der Saison 2016/17 von den Trainern und Fans der 3. Liga zum Trainer der Saison gekürt. So lagen ihm zahlreiche Angebote höherer Ligen vor, ehe er dem VfL Bochum seine Zusage gab. Am 11. Juli trat er an der Castroper Straße seinen Dienst an. Am Montag musste er nach nur 91 Tagen wieder gehen.

Ismail Atalan – Karriere in Bildern

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  • Die Spieler-Karriere Ismail Atalans (r., im Trikot des 1. FC Gievenbeck) war schnell beendet: Mit 25 Jahren beendete er seine Laufbahn.

    Die Spieler-Karriere Ismail Atalans (r., im Trikot des 1. FC Gievenbeck) war schnell beendet: Mit 25 Jahren beendete er seine Laufbahn.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Als Trainer legte er eine steile Karriere hin: 2008 begann er in der Kreisliga bei der zweiten Mannschaft des 1. FC Gievenbeck, seine Tour durchs Münsterland – Davensberg (Kreis Coesfeld), Beckum (Kreis Warendorf) – führte ihn in fünf Jahren in die Oberliga. Im November 2014 heuerte er dann beim Regionalligisten in Lotte (Kreis Steinfurt) an.

    Foto: Guido Kirchner/dpa
  • Bei den Sportfreunden Lotte mit in seinem Team: Torwart-Trainer Bastian Görrissen (links im Bild) und Co-Trainer Joseph Laumann (r.).

    Foto: Alfred Stegemann
  • Mit Lotte gelang ihm in der zweiten Saison der Aufstieg in die 3. Liga.

    Foto: Mrugalla
  • Mit Fleiß nach oben: Mit fünf Jahren war Ismail Atalan als kurdischer Flüchtling ins Münsterland gekommen. In Lotte machte er neben seinem Job noch den Trainerschein.

    Foto: Mrugalla
  • In der Saison 2016/2017 machte Atalan bundesweit auf sich aufmerksam. Mit den Sportfreunden Lotte sorgte er im DFB-Pokal für mehrere Überraschungen. In der ersten Runde bezwangen die Münsterländer Werder Bremen mit 2:1.

    Foto: Mrugalla
  • In der zweiten Runde musste Bayer Leverkusen (Trainer Roger Schmidt begrüßt hier Atalan vor dem Spiel) dran glauben: Im Elfmeterschießen setzte sich Lotte durch.

    Foto: Guido Kirchner (dpa)
  • Im Achtelfinale hieß es 2:0 gegen 1860 München.

    Foto: Guido Kirchner (dpa)
  • Erst im Viertelfinale war Schluss für den Drittligisten. 0:3 hieß es gegen Borussia Dortmund.

    Foto: Mareike Stratmann
  • Die ganz große Pokalsensation blieb zwar aus, aber die Geschichte vom aufstrebenden Trainer aus dem kleinen Münsterland-Dorf ging durch die Republik.

    Foto: Frank Klausmeyer
  • Sein vorerst letztes Nachbarschaftsduell bei Preußen Münster verlor Atalan im April 2017 mit 0:1. Danach hieß es für ihn: 2. Bundesliga.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • In seinem ersten Liga-Spiel für den VfL Bochum setzte es  eine 0:1-Heimniederlage gegen den FC St. Pauli.

    Foto: Witters
  • Am 30. September unterlagen die Bochumer, die mit Aufstiegsambitionen in die Saison gestartet waren, in Kiel mit 0:3. Die fünfte Niederlage am neunten Spieltag bedeutete schließlich das Aus für Atalan in Bochum.

    Foto: dpa

„Überrascht mich sehr“

„Damit hätte ich niemals gerechnet. Das tut mir richtig leid“, fühlte sich SF Lottes Vorsitzender Uli Saatkamp wie vor den Kopf gestoßen. Er pflegte stets einen guten Kontakt zu Ismail Atalan. „Aber daran kann man erkennen, wie schnelllebig dieses Geschäft ist“, fuhr Saatkamp fort. „Bochum wird seine Gründe haben, aber nach so kurzer Zeit eine solche Entscheidung zu treffen, überrascht mich sehr.“

Da bist du zunächst ganz oben und nur wenig später verblasst der Stern. Für ihn ist es sehr, sehr bitter.

SFL-Fußballobmann Manfred Wilke über die Beurlaubung Atalans in Bochum

Auch SFL-Fußballobmann Manfred Wilke, der Atalan seinerzeit nach Lotte gelockt hatte, war perplex. „Ich möchte dazu eigentlich gar nichts sagen. Aber so schnell geht es manchmal. Da bist du zunächst ganz oben und nur wenig später verblasst der Stern. Für ihn ist es sehr, sehr bitter.“

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Nächste Station Osnabrück?

Ismail Atalan hatte in Bochum einen Vertrag bis 2019 plus Option auf ein weiteres Jahr. Da der 37-jährige Fußball lebt wie kaum ein Zweiter, ist es naheliegend, dass er möglichst schnell auf die Trainerbank zurückkehren möchte. Wo und wann das sein wird, steht in den Sternen.

Denkbar, dass er nur wenige Kilometer vom Frimo-Stadion entfernt fündig wird. Der VfL Osnabrück sucht nach der Beurlaubung von Joe Enochs einen Nachfolger. Atalan und der VfL – das könnte passen.

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