Fußball: 3. Liga
16 Preußen haben Verträge, Kittner und andere sollen folgen

Münster -

Die Planungen für die neue Saison laufen auf Hochtouren. Eine ganze Reihe an Kaderplätzen ist beim SC Preußen bereits vergeben. Ole Kittner ist zudem fest eingeplant, Danilo Wiebe und Benjamin Schwarz bekommen Vertragsangebote. Ob Adriano Grimaldi bleibt, ist trotz seiner jüngsten Torserie sehr fraglich.

Mittwoch, 21.03.2018, 14:03 Uhr

Sportchef Malte Metzelder plant die neue Saison. Foto: Jürgen Peperhowe

Zuletzt schritt Preußen Münster in Siebenmeilenstiefeln dem Klassenerhalt entgegen. Die viertbeste Rückrundenmannschaft der 3. Liga ließ sich auch im Derby nicht lumpen und gewann nach dem 4:1 im eigenen Stadion nun mit 1:0 beim VfL Osnabrück. Wie schon in der Vorsaison schnürt der SCP das korrigierte Saisonziel Klassenerhalt in der zweiten Saisonhälfte im Eiltempo.

Im Hintergrund läuft die Lizenzierung für die neue Spielzeit, auch die Personalplanungen von Sportchef Malte Metzelder sind nicht ohne. Er hat noch insgesamt neun offene Vertragssituationen zu klären.

►  Wie groß wird der Personaletat des Drittliga-Teams sein?

„Mein Wunsch ist, dass wir in der neuen Saison genauso viel Geld für Spieler ausgeben können wie in dieser“, sagt Metzelder. Das wären dann rund 3,2 Millionen Euro. In der 3. Liga ist das ein Mittelfeldwert.

►  Kann mit einem solchen Budget der Weg auch nach oben führen?

„Die Perspektive muss das sein“, sagt Metzelder und erwartet nicht wieder eine „Zittersaison“. Er nennt Beispiele wie den aktuellen Spitzenreiter SC Paderborn oder Zweitligist Jahn Regensburg (Aufstieg 2017), deren Aufgebote stark mit Regionalliga-Spielern durchsetzt sind oder waren und die dennoch die 3. Liga aufgemischt haben. Soll wohl übersetzt heißen, dass der SCP ein Hauptaugenmerk auf Transfers aus der vierten Liga legen will.

Der Kader für die Saison 2017/18 - Kurzporträts

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  • Mit dem für viele Monate außer Gefecht gesetzten Benjamin Schwarz, aber ohne den in die zweite Mannschaft versetzten Mehmet Kara sowie die Trainingsgäste Adrian Knüver, Cyrill Akono (beide U 19) und Luca Steinfeldt (U 23) beträgt das Durchschnittsalter des 23-köpfigen Preußen-Aufgebots beim Saisonstart 24,09 Jahre. So jung war eine Adler-Mannschaft seit Ewigkeiten nicht mehr, in der 3. Liga, in der Münster nun auch schon die siebte Spielzeit in Angriff nimmt, sowieso noch nie. Das sind die Protagonisten im Kurzporträt:

    Das ist das Aufgebot des SCP für die neue Saison:
    (oben von links) Nico Rinderknecht, Fabian Menig, Simon Scherder, Adriano Grimaldi, Sebastian Mai, Ole Kittner, Jeron Al-Hazaimeh, Lion Schweers, Lennart Stoll, Philipp Hoffmann, (Mitte von links) Trainer Benno Möhlmann, Co-Trainer Sven Kmetsch, Torwarttrainer Milinko Gilic, Benjamin Schwarz, Stéphane Tritz, Sandrino Braun, Michele Rizzi, Tobias Rühle, Athletiktrainer Christian Krabbe, Physiotherapeut Matthias Haase, Teammanager Harald Menzel, Sportdirektor Malte Metzelder, (unten von links) Zeugwart Norbert Bussmann, Zeugwart Jürgen Keseberg, Martin Kobylanski, Nils Körber, Max Schulze Niehues, Luis Klante, Lucas Cueto, Mannschaftsarzt Dr. Cornelius Müller-Rensmann, Mannschaftsarzt Dr. Tim Hartwig. Auf dem Mannschaftsbild fehlen Tobias Warschewski und Moritz Heinrich.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Max Schulze Niehues (28 Jahre/Rückennummer 35): Die Ruhe selbst, immer mindestens solide, keine Extravaganzen. Der Freckenhorster war schon in der Jugend Preuße und ist es nun schon seit 2011 wieder.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nils Körber (20/1): Herausforder aus der Hauptstadt. Das Hertha-Talent ist für ein Jahr ausgeliehen. Er pflegt einen draufgängerischeren Stil. Hatte Glück und konnte sich in den Tests öfter auszeichnen. Beherrscht den Strafraum, kommt früh raus.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Luis Klante (18/37): Klar definierte Rolle als Nummer drei, steht in der Regel für die U 19 im Bundesliga-Tor. Zuletzt ausgebildet in Hoffenheim.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Stéphane Tritz (30/2): Unter Trainer Benno Möhlmann aufgeblüht. Nie spektakulär, nie torgefährlich, aber dafür glänzend im Stellungs-, clever im Passspiel. Der Franzose ist, klammert man Schwarz aus, inzwischen der Oldie.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sebastian Mai (23/26): Der Sachse macht den Mund auf, Sprecher der Viererkette. Hat großartige Anlagen, leistete sich aber immer wieder Fehler. Dass er ein etwas verrückter Typ ist, sagt er selbst.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lion Schweers (21/25): Shootingstar der vergangenen beiden Jahre. Für sein Alter mit einer bemerkenswerten Ruhe am Ball und im Zweikampf – womit der Dortmunder durchaus bereits Proficlubs auf sich aufmerksam gemacht hat.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Jeron Al-Hazaimeh (25/29): Darf seinen oftmals immensen Vorwärtsdrang neuerdings auch im Mittelfeld ausleben. Extrem treffsicher für einen Außenverteidiger. Kleine Konzentrationsschwächen im Rückwärtsgang. Neben dem Platz ein höflicher, aber eher stiller Vertreter.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Ole Kittner (29/13): Ein echter Anführer, wären da nicht die häufigen kleineren Wehwehchen. Strahlt auf dem Feld Ruhe aus, kommt im Mannschaftskreis super an. Der gebürtige Münsteraner war bis letzten Sommer für über drei Jahre auch aufgrund diverser Knieverletzungen vereinslos und ohne Praxis.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Fabian Menig (23/5): Erfahrenster Neuzugang aus Aalen, hat die Freiburger Fußballschule absolviert. In der Defensive kann er alles spielen, jede Position in der Viererkette und sogar auf der Sechs. Hat sich schnell eingelebt und von Beginn an immer ein Lachen im Gesicht.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Simon Scherder (24/15): Ihn durfte der SCP nicht gehen lassen. Seit 2006 Preuße, das wirft man auch nach zwei Jahren Kreuzband-Pause nicht weg. Der Junge aus Dreierwalde tastet sich nun langsam, aber durchaus erfolgreich wieder ran.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Michele Rizzi (29/8): „Hinrunde Schrott, Rückrunde top“ – so fasste der Mittelfeldmann die Vorsaison zusammen. Auch er selbst steigerte sich nach der Winterpause deutlich. Nachdem er die Kapitänsbinde abgab, ist er nun wieder Vize. Ein echter Fixpunkt.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Danilo Wiebe (23/21): Am Ball mit allen Fähigkeiten, kann ein Spiel lesen. Doch noch taucht er zu oft ab. Cleverer Bursche, der in dieser Saison im 4-1-4-1 mehr Verantwortung trägt und nun den nächsten Schritt in der Entwicklung gehen muss.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sandrino Braun (29/6): In seinem ersten Preußen-Jahr fand er kaum seinen Rhythmus und leistete sich rätselhafte Ballverluste. Nun will (und muss) der Träger stylischer Hüte allen Kritikern zeigen, dass er mit fast 150 Drittliga-Partien kein Fehleinkauf ist.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Nico Rinderknecht (19/17): Für ein Jahr aus Ingolstadt ausgeliehen, wo er als zentraler Mittelfeldspieler in der Reserve sechs Tore machte. Hat auch schon fünf Minuten (für Eintracht Frankfurt, gegen Borussia Dortmund) in der Bundesliga gekickt. Kurz vor dem Saisonstart im Pech und durch eine Verletzung zurückgeworfen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Benjamin Schwarz (30/23): Erfahrung, Energie und Laufbereitschaft des Routiniers mit dem bayrischen Akzent täten der jungen Truppe gut. Doch frühestens im Frühjahr wird er nach seiner x-ten Knie-OP wieder ein Thema. Der Ur-Münchener würde seine Karriere danach gerne in Münster fortsetzen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lennart Stoll (21/18): Backup hinten rechts? Oder Allrounder im Mittelfeld? So oder so hält Möhlmann eine Menge vom wissbegierigen und waschechten Münsteraner, der nicht mehr weit weg ist von einem Stammplatz.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Lucas Cueto (21/7): Für den 1. FC Köln schoss er einst die Tornetze der Jugend-Bundesliga auseinander. In der Schweiz beim FC St. Gallen folgte ein kleiner Knick, auch aufgrund von Verletzungen. Die bremsten ihn bisher auch bei den Preußen weitgehend aus.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Philipp Hoffmann (25/20): Sympathieträger neben dem Feld, Hoffnungsträger auf dem Rasen. Ein Patellasehnenriss kostete ihn fast ein Jahr der Karriere. Nun hat er sich wieder ganz nah an die erste Elf herangerobbt. Findet er seine alte Form, ist er eine variable Waffe.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Martin Kobylanski (23/10): Stolzer neuer Träger der Nummer 10. Wie aus der Pistole geschossen antwortete er auf die Frage nach dem Preußen-Gründungsjahr – „1906“! Hat sich als Winter-Einkauf von der ersten Sekunde an komplett auf den neuen Club eingelassen. Feste Größe, muss aber noch Konstanz finden.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Moritz Heinrich (20/27): Ein Löwe, seit er sechs ist. Nun plötzlich im Adlerhorst gelandet. Spannende Vita, in Münster will er seiner Laufbahn wieder neuen Schwung verleihen. Möhlmann fand ihn als A-Junioren bei den Sechzigern schon spannend.

    Foto: Thomas Rellmann
  • Tobias Rühle (26/11): Kann mehr als nur Freistöße und Elfmeter herausholen. Stets unterwegs, muss sich von Hintermann Tritz oft ein „Rülle, Rülle“ anhören. Fehlt in keiner Wunschelf – jedoch dürfte es etwas mehr als nur ein Tor in der Saison sein.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Adriano Grimaldi (26/39): In seiner Rolle als Kapitän geht er förmlich auf. Hält die Bälle, leitet sie weiter, drückt sie mit Fuß oder Kopf ins Tor. Aktuell ist er der Schlüsselspieler schlechthin. Bleibt er diesmal fit, wird er wahrscheinlich noch mal für Zweitligisten interessant.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Tobias Warschewski (19/16): Kaum zu glauben, nun beginnt sein erstes echtes Seniorenjahr. Will gerne mehr sein als nur Joker, sammelte Erfahrung bei der U-19-Nationalelf, steht auf der Wunschliste diverser Bundesligisten. Doch Preußen will ihn natürlich auch längerfristig binden. Ist noch etwas unorganisiert, dafür als Youngster durchaus anerkannt im Team.

    Foto: Jürgen Peperhowe

►  Was passiert mit den Leihspielern?

Mittelfeldspieler Nico Rinderknecht (FC Ingolstadt) und Torwart Nils Körber (Hertha BSC) kehren im Sommer zu ihren Vereinen, bei denen sie längerfristige Kontrakte besitzen, zurück. „Ein normaler Vorgang, sie nehmen die Vorbereitung bei ihren Clubs auf“, meint Metzelder. „Körber hat in der Anfangszeit einen sehr guten Eindruck hinterlassen, fiel dann aber zwei Mal länger mit Muskelverletzungen aus. Er ist dadurch schwieriger zu bewerten.“ Max Schulze Niehues hat dem Keeper dabei in der Rückrunde den Rang abgelaufen. Auch Rinderknecht quälten mehrfach Blessuren. Metzelder: „So wird es für einen Leihspieler schwierig, den großen Wurf zu landen.“

►  Was passiert mit Danilo Wiebe, der sechs Monate ausfällt, und Rekonvaleszent Benjamin Schwarz?

Die Preußen sehen sich in der Verantwortung. Wiebes Vertrag endet am 30. Juni, Schwarz wurde vor elf Monaten operiert und steht nun wieder auf dem Platz. Beiden Akteuren werden Kontrakte angeboten. Unterschreiben sie, hätte der SCP bereits 18 Spieler gebunden.

►  Wer steht im Sommer, Stand heute, ohne Anschlussvertrag da?

Einige noch. Mit Ole Kittner, wie Metzelder sagt, „wird fest geplant für die nächste Saison“. Der Innenverteidiger ist Stammkraft in der Dreierkette und für das Innenleben der Mannschaft enorm wichtig. Die spannendste Frage bleibt, ob Adriano Grimaldi bleibt. Die Rede ist dabei vom „Gesamtpaket“, der Kapitän läuft gerade wieder in eine Art Topform rein. Die letzten vier Treffer der Preußen erzielte er. Grimaldi in dieser Verfassung ist eins-zu-eins kaum zu ersetzen.

Möglicherweise kommen aber andere Kandidaten zum Zuge, zum Beispiel Eigengewächs Tobias Warschewski – oder Münster holt dazu einen Regionalliga-Torjäger wie Timm Golley (Viktoria Köln/elf Treffer/Vertrag endet). Trainer Marco Antwerpen kennt jedenfalls die Klasse in- und auswendig, das könnte ein Plan sein. Hängepartien sind Jeron Al-Hazaimeh, der unter Antwerpen wieder Stammspieler wurde, Stéphane Tritz und der seit Dezember verletzte Sebastian Mai.

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