Handball: Herren-Bezirksliga
Weg von der Eindimensionalität: Eintracht Dolberg erfindet sich neu

Dolberg -

Der Abstieg war bitter, aber womöglich auch heilsam. Eintracht Dolberg hat den Sommer genutzt, um sich neu auszurichten. Die Mannschaft hat an vielen Stellen hart an sich gearbeitet – und hat neue Ziele entwickelt.

Freitag, 20.09.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 20.09.2019, 20:56 Uhr
Möchte an Kredit zurückgewinnen – Eintracht Dolberg (obere Reihe von links) Trainer Andreas Schwartz, Maximilian Brentrup, Mathias Litwin, Simon Krabus, Niklas Heising, Nils Rödelbronn, Björn Johannwiemann, Carsten Schröer, Co-Trainer Michael Schlenker; (untere Reihe von links) Sebastian Supenkamp, Lars Westhues, Rene Schlieper, Robin Muer, Lucas Mächling, Tobias Lodenkemper, Adrian Heißt und Julian Lauf. Foto: Lars Gummich

Es wäre leicht gewesen, die Flinte ins Korn zu werfen. Die Zelte abzubrechen und weiterzuziehen. Aber das ist nicht die Sache von Andreas Schwartz . Mit hohen Erwartungen an sich und seine Mannschaft angetreten, endete die erste Saison für ihn bei Eintracht Dolberg gleich mit einer herben Ernüchterung.

Nach einer sportlich in weiten Teilen schwachen Spielzeit und einer noch deprimierenderen Relegation musste der SVE den Gang in die Bezirksliga antreten. „Das war mein erster Abstieg“, bekennt Schwartz. Dass ihn sein Torwart Robin Muer nach dem endgültig besiegelten Schicksal mit den Worten „Wir sind halt eine Fahrstuhlmannschaft“ zu trösten versuchte, löste etwas in dem Übungsleiter aus.

Keine Lust mehr auf Fahrstuhl-Mannschaft

„Ich dachte mir, genau das will ich ändern. Ein Jahr rauf, ein Jahr runter – darauf habe ich keine Lust“, sagt Schwartz. Die anfängliche Enttäuschung über den nicht geschafften Klassenerhalt ist längst neuer Zuversicht gewichen. „Vielleicht ist es ganz gut, dass es so gekommen ist. Denn der Abstieg zwingt uns dazu, etwas zu verändern, was wir ansonsten vielleicht nicht getan hätten“, sagt Schwartz. Gemeinsam mit seinem Co-Trainer Michael Schlenker und Abteilungsleiter Markus Ebel hat er die vergangene Saison analysiert. Die zwei wichtigsten Fragestellungen: Was hat zum Abstieg geführt? Und was muss künftig anders laufen?

Trainer Andreas Schwartz hat die Lage eingehend analysiert und daraus seine Schlüsse gezogen.

Trainer Andreas Schwartz hat die Lage eingehend analysiert und daraus seine Schlüsse gezogen. Foto: Lars Gummich

Die Erkenntnisse stellten die drei vor einigen Wochen der Mannschaft vor. Für den Misserfolg macht Schwartz gleich eine Reihe von Faktoren verantwortlich. Sehr viele Fehlzeiten im Trainingsbetrieb. Eine anhaltend lange Ausfall-Liste, die dazu führte, dass immer mindestens drei Spieler fehlten und den Coach zu dauerhaftem Improvisieren auf dem Feld zwang. Und – der womöglich wichtigste Aspekt – Eindimensionalität im Spiel. „Wir leben viel von unserer Physis, Athletik und Kraft. Das macht uns verletzungsanfällig und auch leicht auszurechnen. Technisch und taktisch waren uns alle anderen Mannschaften individuell überlegen“, konstatiert Schwartz.

Alles auf Null gesetzt

Das zeige sich unter anderem an der begrenzten Wurfvariabilität der Seinen. „In der Jugend wurde den Spielern zu wenig Rüstzeug an die Hand gegeben. Das ist keine Kritik, das ist einfach eine Feststellung. Alles in allem hast du es dann auch nicht verdient, in der Landesliga zu bleiben“, resümiert Schwartz. Darum sei die Eintracht gut beraten, sich „ein Stück weit neu zu erfinden“.

Zwar wird die starke Physis auch weiterhin eine Trumpfkarte bleiben. Mit ihr allein soll das Blatt der Dolberger aber eben nicht ausgereizt sein. Deshalb hat Andreas Schwartz in der Vorbereitung Tabula Rasa angeordnet. „Wir stellen alles auf Null und haben alle Spielzüge über Bord geworfen.“ In den ersten Testspielen beschränkte sich die Eintracht auf gerade mal eine einzige Auslösehandlung. „So waren die Jungs gezwungen, frei und kreativ zu entscheiden, um selbst torgefährlich zu werden. Vorher waren sie sehr in ihrer Routine gefangen“, konstatiert Schwartz.

Neue inhaltliche Ausrichtung

Die Palette an Fähigkeiten soll peu à peu erweitert werden. Ein Prozess, der mit dem Saisonstart keineswegs abgeschlossen sein wird. Die Eintracht möchte sich inhaltlich neu ausrichten, damit mittelfristig wieder in die Landesliga zurückkehren und sich dort etablieren. „Wenn es soweit ist und wir aufsteigen, sollte bereits so viel Qualität vorhanden sein, dass wir den Klassenerhalt dann weitgehend problemlos schaffen“, sagt Schwartz. Drei bis vier Jahre veranschlagt er dafür.

Gegenwärtig geht es auch darum, sich personell neu aufzustellen. Mit Marcel und Pascal Weghake, Christoph Bußmann, Johannes Arndt und Jakob Heickmann haben wichtige Stützen den Verein verlassen. Dafür rücken Julian Lauf, Rene Schlieper und Carsten Schröer aus der Zweiten sowie Lars Westhues (Ahlener SG 3) nach.

Kredit beim Publikum zurückgewinnen

Sie erhalten genau wie ihre Teamkollegen zwei Aufträge: Erstens das Angriffsspiel künftig mehr in die Tiefe als in die Breite zu lenken und zweiten eine offensivere Alternative zur 6:0-Deckung zu entwickeln. „Wir haben viele Probleme, aber eben auch eine Menge Potenzial. Wir sind gefordert, Lösungen zu finden. Die Jungs sind mit Feuer und Flamme dabei“, versichert Andreas Schwartz.

Tobias Lodenkemper und Adrian Heißt sollen vorwegmarschieren. Sie hat er zu seinen Kapitänen bestimmt, sie sollen die deutlich verjüngte Mannschaft auch am Samstag (19.15 Uhr) beim Saisonauftakt daheim gegen die Ahlener SG 3 anführen.

Neben einer erfolgreicheren Saison soll das Team ab sofort aber auch mit beherzten Auftritten an Kredit beim Publikum zurückgewinnen. „Mit unseren Fähigkeiten kann es nicht das Ziel sein, dauerhaft in der Bezirksliga rumzukrebsen. Bei uns soll man erkennen, dass eine Spielidee dahinter steckt. Damit möchten wir die Zuschauer wieder mit ins Boot holen“, stellt der SVE-Trainer klar.

Das Projekt „Landesliga-Rückkehr“ muss nicht zwangsläufig schon im kommenden Sommer abgeschlossen sein. Der direkte Wiederaufstieg ist aus Sicht der Eintracht kein Muss. Aber eines ist klar: Das Projekt, es hat längst begonnen.

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