Leichtathletik: 48. Hermannslauf
Ein bewegender Moment: André Kaldewei startet beim Hermannslauf

Ahlen -

Erst war da der Wunsch, durch Laufen Gewicht abzunehmen. Dieses Ziel hat André Kaldewei bereits erreicht. Längst aber ist das Laufen viel mehr für den 33-Jährigen. Deshalb stellt er sich nun seiner bisher größten sportlichen Herausforderung.

Donnerstag, 25.04.2019, 05:00 Uhr aktualisiert: 25.04.2019, 12:02 Uhr
André Kaldewei beim Training am Höxberg in Oelde. Als Teil einer Gruppe bereitet er sich seit Januar speziell auf die anspruchsvolle Strecke beim Hermannslauf vor und spult unter anderem fleißig Höhenmeter ab. Foto: LV Oelde

Eines Tages vor vier Jahren entschied André Kaldewei , dass es so nicht weitergehen kann. 126 Kilogramm – was die Waage ihm an Gewicht zeigte, ließ in ihm endgültig die Gewissheit reifen, dass sich etwas bewegen musste.

André Kaldewei fing bei sich selbst an – er bewegte sich. Fortan ging er zweimal die Woche in Vorhelm durchs Dorffeld laufen. Einfach so, ohne Pulsuhr, ohne Ambitionen. „Ich mag es, eins zu sein mit der Natur. Ich bin gerne draußen. Da habe ich meine Ruhe, kann nachdenken und der Kopf ist so schön frei“, sagt Kaldewei.

20 Kilos sind runter – Halbzeit

Hauptsache raus, Hauptsache unterwegs. Fünf bis sieben Kilometer. Den Körper auf Trab bringen. Was er dabei an Gewicht verlor, gewann er an Motivation. 20 Kilo hat er bereits abgespeckt. Weitere sollen folgen. „Ich bin jetzt bei der Hälfte und würde gerne noch mal 15 bis 20 Kilo abnehmen“, verkündet Kaldewei.

Nach und nach wurden seine Läufe länger und länger. Zarter Ehrgeiz war geweckt. Im März 2018 absolvierte der gelernte Sozialarbeiter dann seinen ersten Wettkampf, ging beim Wibbeltlauf an den Start und schaffte die zehn Kilometer in 1:04:03 Stunde.

Seine Leistungssteigerung beim Wintercitylauf bestätigte André Kaldewei (Mitte) darin, sich noch größeren Herausforderungen zu stellen.

Seine Leistungssteigerung beim Wintercitylauf bestätigte André Kaldewei (Mitte) darin, sich noch größeren Herausforderungen zu stellen. Foto: Lars Gummich

„Seitdem ist meine Motivation immer größer geworden. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man merkt, dass man fitter wird und es ist ein großer Reiz, sich zu steigern und schneller zu werden“, sagt der 33-Jährige. Nur neun Monate später stürmte er beim Wintercitylauf bereits in 51:47 Minuten durchs Ziel und war damit mehr als zwölf Minuten schneller als bei seinem Debüt in Vorhelm.

Trainingsgruppe gibt Extra-Schub

Bereits in den Wochen zuvor war bei Kaldewei der Gedanke gereift, sich einer Herausforderung ganz anderen Kalibers zu stellen. Im Herbst kamen ihm erstmals die Teilnahme am Hermannslauf und an einem Marathon in den Sinn. „Die Erfahrung beim Wintercitylauf hat mich darin noch mal bestätigt“, sagt Kaldewei. Also meldete er sich im Januar für den Hermannslauf an, der an diesem Sonntag stattfindet. Und weil er noch eins draufsetzen wollte, tat er selbiges auch für den Münster-Marathon Anfang September.

Statt der ursprünglichen zwei absolvierte er nun vier Laufeinheiten die Woche. Vorbei sind die Zeiten, in denen er einfach drauflos lief. Jetzt arbeitet er gewissenhaft nach einem strukturierten Trainingsplan. „Zur Ermittlung meiner Maximalgeschwindigkeit habe ich eine Laufanalyse machen lassen, damit ich sinnvoll in meinem Pulsbereich trainiere“, erörtert Kaldewei. Darüber hinaus hat er sich einer Trainingsgruppe des LV Oelde angeschlossen, die sich speziell auf den Hermannslauf mit seiner Länge von 31,1 Kilometer und dessen Streckenprofil mit vielen Höhenmetern vorbereitet.

Der Bruder als Ansporn

Der Gruppe gehört auch sein Bruder Jens Brodka an, der am Sonntag ebenfalls beim Hermannslauf startet. Angefeuert werden die Geschwister von ihrer Familie und Andrés Verlobter Nadia. „Wenn für mich alles gut läuft, ist mein Bruder nicht doppelt so schnell wie ich im Ziel“, flachst André Kaldewei. Immer wenn er zum ersten Mal an einem Lauf teilnimmt, geht er ohne Druck ins Rennen.

Daumen hoch für das, was er bereits geschafft hat: André Kaldewei.

Daumen hoch für das, was er bereits geschafft hat: André Kaldewei. Foto: Marc Kreisel

„Ich schaue nicht auf die Zeit. Für mich geht es darum, die Strecke kennenzulernen. Das habe ich bislang immer so gehandhabt und bin damit gut gefahren“, sagt Kaldewei. Wenn es geht, wolle er aber doch unter vier Stunden bleiben. Die Generalprobe an Ostermontag verlief schon einmal vielversprechend. Da absolvierte der Vorhelmer einen dreistündigen Trainingslauf über 25 Kilometer. Der grippale Infekt, der ihn vorher um seine Teilnahme hatte bangen lassen, ist zudem auskuriert.

Nachname verheißt Großes

„Ich bin gerüstet, um es zu schaffen“, unterstreicht André Kaldewei. Wenn am Sonntag um 11.15 Uhr der Startschuss ertönt, wird er einer von etwa 3000 Debütanten auf dieser Strecke sein. 7000 Teilnehmer gehen insgesamt an den Start. Dass er es so weit geschafft hat, ist bereits ein riesen Erfolg.

Andererseits: Sein Name ist ja auch ein Stück weit Verpflichtung. Mit Philipp Kaldewei vom LV Oelde hat der Vorhelmer einen Namensvetter, der über den Kreis hinaus für seine Top-Lauf-Leistungen bekannt ist. Und sein Vorbild trägt ebenfalls den Nachnamen Kaldewei. „Mein Onkel Christoph ist der Wahnsinn. Er ist 70 Jahre alt und noch immer bei regelmäßig bei Läufen am Start. Das ist wirklich beeindruckend“, sagt André Kaldewei.

Das allerdings kann man von seiner Entwicklung ebenfalls getrost behaupten.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6563062?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F3661143%2F94%2F57550%2F
Punkteteilung gegen Uerdingen: Preußen bleiben im eigenen Rund ungeschlagen
Fußball: 3. Liga: Punkteteilung gegen Uerdingen: Preußen bleiben im eigenen Rund ungeschlagen
Nachrichten-Ticker