Die Geschichte eines Bildes
Emotionaler Beitrag: Polizei erinnert an tödlichen Unfall

Coesfeld -

Mit der Geschichte von drei jungen Freunden, die bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, erinnert die Kreispolizeibehörde Coesfeld an einen tragischen Tag, der Jahre zurückliegt - und immer noch viele bewegt.  

Montag, 07.01.2019, 17:45 Uhr aktualisiert: 07.01.2019, 18:05 Uhr
Eine Gedenkstätte im Kreis Coesfeld, die an einen Unfall erinnert, bei dem drei Freunde ihr Leben verloren haben. Foto: Polizei NRW Coesfeld
Facebook-Beitrag 1/4

"Sie waren drei Freunde aus Nottuln, haben viel gemeinsam unternommen und sind gemeinsam gestorben: an einem Straßenbaum an der B525, Höhe Harler Schule zwischen Nottuln-Darup und Coesfeld. Die Stelle ist für Freunde und Angehörige ein Ort schmerzvoller Erinnerung: Drei Grabkerzen stehen dort, Blumen, Engelfigürchen, ein Herz mit der Aufschrift 'Unvergessen'…"

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So beginnt der Facebook-Beitrag der  Kreispolizeibehörde Coesfeld im erst wenige Tage alten Jahr 2019. Hart gewählte Worte zwischen Sachlichkeit und Emotionalität. Die Polizei will dem Unfall, der Gedenkstätte und dem dazugehörigen Foto eine Geschichte geben - und vor den Gefahren schützen, die im Straßenverkehr lauern. 

Facebook-Beitrag 2/4

"Es war der 3. Dezember 2011, ein Samstag, kurz nach 23 Uhr. Die Straße war nass und die drei Freunde, 19, 19 und 21 Jahre jung, waren viel zu schnell unterwegs. Mit rund 160 Stundenkilometern ist ihr roter Opel Astra gegen einen Straßenbaum gekracht. Einen Kollegen, der damals als einer der ersten am Unfallort war, verfolgen die Eindrücke bis heute: 'Das Bild der verdrehten, zerrissenen Körper der jungen Leute und des auseinander gerissenen Autos kommt immer wieder hoch', sagt er."

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Der Unfall liegt Jahre zurück, doch das Thema ist weiterhin aktuell. Es sei wichtig, Geschwindigkeit, Geschwindigkeitsüberschreitung und die Folgen in der Diskussion zu halten, erklärt Rolf Werenbeck-Ueding, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kreispolizeibehörde Coesfeld und Polizeihauptkommissar, das Vorgehen der Pressestelle mit dieser Geschichte auf Facebook. 

Facebook-Beitrag 3/4

"Zwei der Unfallopfer wurden aus dem Auto auf den Acker geschleudert, einer der jungen Männer starb angeschnallt im abgerissenen Heck des Opel. Die Wucht des Aufpralls war so stark, dass Teile der Baumkrone abbrachen. Zahlreiche Autofahrer hatten angehalten, standen geschockt am Straßenrand. Notfallseelsorger überbrachten den Angehörigen der drei Freunde die Todesnachricht. 'Ich habe lange gebraucht, den Einsatz zu verarbeiten', sagt der Kollege. 'Mein Junge war damals im gleichen Alter…'."

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Doch wo die szenischen Formulierungen die einen erreichen, verletzen sie möglicherweise die anderen: Angehörige. Nach der Veröffentlichung des Facebook-Beitrags hat sich eine Angehörige bei der Kreispolizeibehörde gemeldet. Grundsätzlich habe sie begrüßt, dass das Thema aufgegriffen wurde, die Formulierung habe sie aber als sehr hart empfunden und wäre gerne im Vorfeld informiert worden, so der Pressesprecher. Die Abstimmung mit den Angehörigen im Vorfeld sei nicht einfach, erklärt Werenbeck-Ueding, manchmal fehle es an der Möglichkeit, sie zu erreichen. Grundsätzlich sei die Polizei nicht verpflichtet, Aktionen wie diese mit Angehörigen abzustimmen, dennoch will die Kreispolizeibehörde Coesfeld ihr weiteres Vorgehen hinsichtlich ähnlicher Beiträge intern thematisieren. 

Facebook-Beitrag 4/4

"Wir wollen Ihnen mit dieser traurigen Geschichte nicht den Samstag verderben. Wir wollen Sie daran erinnern, wie schnell ein Unfall passiert ist, der Menschenleben fordert und das Leben von Angehörigen und Freunden für immer verändert. Fahren Sie immer vorsichtig und nicht zu schnell. Danke!"

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Der Facebook-Beitrag wurde über 300 Mal geteilt, hat mehr als 400 Reaktionen und über 40 Kommentare. Die Pressestelle habe zwar mit Emotionen gerechnet, dass der Beitrag aber auf solch eine große Resonanz stoßen würde, überraschte sie. Die Polizei will mit der "Geschichte eines Bildes" weitermachen: "Leider haben haben wir die Möglichkeit, noch an mehreren Stellen des Kreises Coesfeld solche Bilder zu schießen", so Pressesprecher Werenbeck-Ueding. 

Wie die Polizei helfen will, Unfälle zu vermeiden 

Blickt man auf die Gesamtunfälle im Kreis Coesfeld, dann gab es von 2016 (5679) auf 2017 (5678) nur einen Unfall weniger. Werenbeck-Ueding glaubt dennoch fest an die Präventionsarbeit. Denn wie sähe die Lage ohne sie aus? Die Auswirkungen der Präventionsarbeit seien schwer zu messen. Er glaubt aber, dass sie wirkt, wenn sie in den Köpfen der Menschen bleibt. 

Unfallstatistik

Polizeiliche Verkehrsunfallstatistik im Kreis Coesfeld 

Die Verkehrsunfallstatistik 2018 wird erst in gut zwei Monaten veröffentlicht.

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Die Polizei ist bei der Präventionsarbeit breit aufgestellt. So startet sie bereits im Kindergarten, wenn beispielsweise Eltern über die richtige Befestigung von Kindersitzen in Autos informiert werden. Im ersten Schuljahr geht es mit der "Sicherheit durch Sichtbarkeit" weiter. Im dritten und vierten Schuljahr steht der Fahrradführerschein an. Ein paar Jahre später der  Crash-Kurs für Fahranfänger - eine Präventionskampagne in Kooperation mit weiterführenden Schulen, die gut 3000 Schulabsolventen erreicht. Hier werden Verkehrssicherheitsberater von Freiwilligen unterstützt - darunter Notfall-Seelsorger, Feuerwehrleute und Überlebende. 

Die Polizei plane zudem zwei Verkehrssicherheitstage im Jahr ein - bei der Billerbecker E-Bike-Messe sind sie mit einem Infostand vertreten; der zweite Tag variiert. PoliTour 2018, eine im Jahr 2016 in Recklinghausen erfolgreich gestartete Sicherheitsaktion für Motorradfahrer, findet nun auch im Kreis Coesfeld und Borken statt. 

Facebook-User teilen ihre Geschichten

Auf Facebook wird der Beitrag der Polizei rege kommentiert. Einige Menschen teilen ihre Geschichten oder bedanken sich bei der Polizei für ihren Beitrag bei Einsätzen wie diesen. 

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