Ungewöhnlich viele Fälle
Mysteriöse Fehlbildungen: Ärzte fordern Melde-Register

Gelsenkirchen/Mainz/Düsseldorf -

Die Verunsicherung ist noch groß: Drei Babys werden in Gelsenkirchen mit Fehlbildungen an den Händen geboren. Die Universität Mainz will Antworten geben.

Mittwoch, 18.09.2019, 17:49 Uhr
Das Sankt Marien-Hospital Buer. Hier hatte es eine ungewöhnliche Häufung von Neugeborenen mit Handfehlbildung gegeben. Foto: dpa

Die Sorge ist groß, doch noch immer gibt es keine verlässliche Aussage: Ist die hohe Zahl von Kindern, die im Ruhrgebiet mit Handfehlbildungen zur Welt gekommen sind, zufällig? Oder gibt es eine gemeinsame Ursache? Und wie hoch ist die Dunkelziffer?

Im Gelsenkirchener Sankt Marien-Hospital Buer waren in zwölf Wochen drei Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren worden. Angeblich melden sich weitere Eltern, deren Kinder ähnliche Symptome aufweisen. Doch den zuständigen Gesundheitsämtern und Kliniken ist nichts bekannt. Das NRW-Gesundheitsministerium fragt derzeit alle Kliniken ab, ob weitere Fälle registriert sind. Mit Ergebnissen wird in Kürze gerechnet, sagte ein Ministeriumssprecher.

Zufällige Ereignisse? 

Der Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin an der Mainzer Uniklinik, Fred Zepp, sprach am Mittwoch „erstmal nur von einem frühen Signal“. Es müsse jetzt untersucht werden, wie stark sich die Befunde der Hand-Fehlbildungen ähnelten und ob es sich tatsächlich um eine Häufung oder nur um zufällige Ereignisse handle.

Die Mainzer haben von 1990 bis 2016 in einem Geburtenregister alle Neugeborenen in der Region erfasst und dabei in Rheinhessen keine Häufung von Hand-Fehlbildungen festgestellt. Dies gelte auch für die vergangenen zwei, drei Jahre. In den mehr als 25 Jahren des Geburtenregisters seien fast 100.000 Neugeborene untersucht und erfasst worden. In Münster gibt es ebenfalls keine Fälle, in denen Babys mit Handfehlbildungen zur Welt gekommen sind.

Unterschiedliche Ursachen 

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) verweist darauf, dass Fehlbildungen bei Neugeborenen sehr unterschiedliche Ursachen haben können, und dass dazu eine sehr sorgfältige Analyse erforderlich ist. „Ein Register würde uns auf jedem Fall weiterhelfen“, sagte der BVKJ-Bundessprecher Hermann Josef Kahl.

In Frankreich gibt es bereits seit längerem eine Debatte, nachdem sich die Fälle von Fehlbildungen bei Babys in einigen Regionen des Landes gehäuft hatten. Die Kinder leiden an einer Deformation von Gliedmaßen. In Frankreich ist das Phänomen unter dem Schlagwort „Babys ohne Arme“ bekannt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6939819?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F22265%2F
Rund 75 Autos brennen im Parkhaus
Großbrand am FMO: Rund 75 Autos brennen im Parkhaus
Nachrichten-Ticker