Kriminalität
Razzia gegen islamistische Gefährder

Mit Razzien ist die Polizei in Köln und Düren gegen mutmaßliche islamistische Gefährder vorgegangen. Einer von ihnen hat enge Kontakte zur Berliner Salafisten-Szene. Hinweise auf einen konkreten Anschlagsplan habe es nicht gegeben, betont NRW-Innenminister Reul.

Donnerstag, 18.07.2019, 19:12 Uhr aktualisiert: 18.07.2019, 19:22 Uhr
Foto: Oliver Berg

Köln (dpa/lnw) - Der Zugriff erfolgte im Morgengrauen: Bei Razzien in Köln und Düren hat die Polizei am Donnerstag sechs Personen, darunter zwei Gefährder, in Gewahrsam genommen. «Wir hatten aktuell verdeckte Erkenntnisse, dass ein Anschlag unmittelbar bevorstehen könnte», sagte der Leitende Kölner Kriminaldirektor Klaus-Stephan Becker zunächst. Am Abend teilte die Polizei mit, dass für die zwei Gefährder und zwei Konvertiten Langzeitgewahrsam beantragt wurde. Nach dem neuen Polizeigesetz kann dieser bis zu zwei Wochen andauern. Ein Richter sollte noch am Abend darüber entscheiden. Zwei Männer befinden sich laut Polizei wieder auf freiem Fuß.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am späten Nachmittag, es habe «keine Hinweise auf einen konkreten Anschlagsort, keine Hinweise auf eine konkrete Anschlagszeit und keine Hinweise auf eine konkrete Anschlagsart» gegeben. Die Polizei habe allerdings Hinweise gehabt, dass die in Gewahrsam genommenen Personen «möglicherweise einen Terroranschlag planen könnten». Mit den Durchsuchungen sollten deshalb weitere Erkenntnisse gewonnen und Beweismittel gefunden werden. Die nordrhein-westfälische Polizei sei «ständig wachsam» und habe die Gefährder im Blick.

Zentrale Figur: Der 30-jährige Wael C., ein deutsch-libanesischer Konvertit aus Berlin, der in der dortigen Dschihadisten-Szene bestens vernetzt sei. Er sei seit 2013 vom Verfassungsschutz als Gefährder eingestuft und erst kürzlich in die Wohnung des 21-jährigen Timo R. nach Düren gezogen, berichtete die Kölner Polizei. Ein abgehörtes Gespräch des 30-Jährigen versetzte die Ermittler nun in Alarmbereitschaft. «Herr C. hat davon gesprochen, den Aufstieg in die höchste Stufe des Paradieses des muslimischen Glaubens zu planen», berichtete Becker. Dies könne ein Synonym für ein Selbstmordattentat sein.

«Der Einsatz heute war alternativlos», betonte der Kriminaldirektor. Konkrete Hinweise auf ein Anschlagsziel lägen nicht vor. Der 30-Jährige sei nach Bewertung der Sicherheitsbehörden «Mitglied einer sehr konspirativ agierenden multinationalen Gruppe» und habe mehrmals versucht, mit gefälschten Papieren ins Gebiet des sogenannten Islamischen Staates (IS) auszureisen, um dort zu kämpfen. In Berlin sei der Mann 2016 unter anderem Vertretungs-Imam in der Fussilet-Moschee gewesen, wo auch der Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri verkehrte.

Der 21-Jährige aus Düren gelte als «radikalisierter junger Konvertit» und habe im vergangenen Jahr den Treueeid auf den IS geleistet. Der Deutsche habe eine hohe Gewaltbereitschaft und «eine beachtliche Affinität« zu Waffen. In der Dürener Wohnung der beiden Verdächtigen stellten die Ermittler unter anderem 20 Handys sowie mehrere Laptops sicher.

Zwei weitere Verdächtige sind den Angaben zufolge ebenfalls deutsche Konvertiten im Alter von 20 und 21 Jahren. Einer von ihnen habe ein Chemie-Studium geplant, «weil seine Glaubensbrüder das für eine gute Idee hielten», sagte Becker.

Insgesamt durchsuchte die Polizei sieben Objekte, darunter auch ein ehemaliges Geschäftshaus in der Kölner Innenstadt, das zurzeit kernsaniert wird. Auf der Baustelle arbeitete der 30-Jährige mit seiner Trockenbaufirma, bei der auch der 21-Jährige beschäftigt ist. In dem Gebäude wurden zwei weitere Mitarbeiter in Gewahrsam genommen und später wieder freigelassen. Bei der Durchsuchung schlug ein Sprengstoffhund an. Der Verdacht bestätigte sich bei einer zweiten Durchsuchung laut Polizei nicht.

Polizeipräsident Uwe Jacobs sagte, es seien noch längst nicht alle Fragen beantwortet. Die verdeckten Ermittlungen liefen weiter, und auch die Durchsuchungen seien noch nicht abgeschlossen.

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