Prozesse
Frau stirbt bei Brutal-Sex: Ehemann verurteilt

Eine 49-jährige frisch verheiratete Frau wird in Krefeld bei Sex-Praktiken schwer verletzt. Tagelang bekommt sie keine Hilfe. Sie stirbt. Ihr Ehemann wird am Mittwoch verurteilt - und kommt auf freien Fuß.

Mittwoch, 17.07.2019, 18:33 Uhr aktualisiert: 17.07.2019, 18:42 Uhr
Foto: Rolf Vennenbernd

Krefeld (dpa/lnw) - Ein 52-jähriger Krefelder ist wegen fahrlässiger Tötung seiner Ehefrau bei ausgefallenen Sex-Praktiken zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. «Wäre die Frau direkt ins Krankenhaus gekommen, hätte man sie retten können», sagte der Vorsitzende Richter des Krefelder Landgerichts am Mittwoch. Es habe sich um einen Unglücksfall aufgrund «äußerst fahrlässigen Vorgehens» gehandelt.

Angeklagt war der Personalvermittler wegen Mordes durch Unterlassen, weil er für seine lebensgefährlich verletzte Frau tagelang keine Hilfe geholt hatte. Als die Rettungskräfte im Juli vergangenen Jahres endlich alarmiert wurden, war es zu spät: Der Frau konnte nicht mehr geholfen werden. Sie hatte schwere innere Verletzungen erlitten und war verblutet. In ihrem Plädoyer hatte die Staatsanwältin den Mordvorwurf fallenlassen und dreieinhalb Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge gefordert.

Für einen Mord fehle es schon an einem Motiv, so der Richter. Es habe sich um ein glückliches, frisch verheiratetes Paar gehandelt. Der Verurteilte leide selbst unter dem Verlust seiner Frau. Die 49-Jährige habe freiwillig mit ihm sadomasochistischen Sex betrieben. Aus ihrer Vorliebe für derartige Sexualpraktiken habe sie in ihrem Umfeld keinen Hehl gemacht - davon zeuge auch ein entsprechendes Tattoo.

Die Frau hatte einen Darmabriss erlitten. Als die Rettungskräfte im Juli vergangenen Jahres endlich alarmiert wurden, war es zu spät: Der Frau konnte nicht mehr geholfen werden. Sie war an einer schweren inneren Verletzung verblutet. Das Gericht hielt ihrem Ehemann zugute, dass sie - seiner Aussage zufolge - selbst nicht ins Krankenhaus gewollt habe. Er müsse aber bemerkt haben, dass seine Frau erheblich verletzt war, sagte der Richter.

Der 52-jährige Deutsche hatte beteuert, dass ihm die Schwere der Verletzung nicht klar gewesen sei. Seine Frau habe schon vorher über Beschwerden geklagt, sei bei einem Internisten gewesen und habe sich einer Darmspiegelung unterzogen - ohne Befund. Rechtsmediziner hatten Amphetamine, Psychopharmaka und Opiate im Blut des Opfers festgestellt.

Das Paar hatte kurz zuvor geheiratet und sich in seinen Flitterwochen statt eines Urlaubs zu 48-stündigem Sex verabredet. Er praktiziere seit 30 Jahren SM-Praktiken, hatte der 52-Jährige berichtet. Rechtsmediziner kamen zu dem Ergebnis, der 49-Jährigen müsse ein Gegenstand eingeführt worden sein. Beim Herausziehen sei es zu einem Darmabriss gekommen.

Seine Mutter sei als Kind vergewaltigt worden und psychisch labil gewesen, hatte der 30-jährige Sohn des Opfers als Zeuge berichtet. Seit 2017 habe sie auffallend geschlossene Kleidung getragen. Sie habe Misshandlungen ihres Mannes angezeigt und sich vor ihm mal in eine Psychiatrie, mal in ein Frauenhaus geflüchtet. Sie sei aber wieder zu ihm zurückgekehrt und habe ihn im Juli 2018 sogar geheiratet.

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