Energie
Abschied von St. Lambertus am Tagebau Hambach

Dem Braunkohletagebau im Rheinischen Revier müssen auch Dörfer weichen. Wenn die Kirche im Dorf entwidmet wird, ist das für viele Menschen ein besonders schwerer Tag.

Sonntag, 16.06.2019, 10:34 Uhr aktualisiert: 16.06.2019, 10:42 Uhr
Vor der Kirche St. Lambertus in Morschenich, am Rande des Tagebaus Hambach, steht auf einem Grab ein Kreuz. Foto: Oliver Berg

Morschenich (dpa) - Die meisten haben ihr Heimatdorf Morschenich zwar schon verlassen, aber der Abschied von der Kirche war trotzdem traurig: Am Tagebau Hambach ist am Samstag die letzte katholische Kirche für den Braunkohleabbau entweiht worden. Bei der Messe in St. Lambertus wurde die Urkunde des Aachener Bischofs Helmut Dieser verlesen, wonach das Gebäude nicht mehr für kirchliche Zwecke genutzt werden darf.

Rund 180 Menschen waren zu dem Gottesdienst gekommen. Vor der von der Polizei abgesicherten Kirche standen auch einige wenige Demonstranten. Eine Person, die die Messe mit einem Zwischenruf störte, musste die Kirche verlassen und bekam nach Polizeiangaben einen Strafanzeige.

Wann genau die moderne zweischiffige Halle aus Bruchstein abgerissen werden soll, steht noch nicht fest. Pfarrer Andreas Galbierz sah einen Hoffnungsschimmer. «Unsere kleine Dorfkirche ist noch nicht verloren», sagte er. Und: «Totgesagte leben länger.»

Für die Gemeinde, «die durch die Umsiedlung ihre Heimat verloren hat, bedeutet ein solcher Abschied einen tiefgreifenden Einschnitt in ihrem Leben», hatte Galbierz im Vorfeld gesagt. Noch in diesem Jahr solle mit dem Bau der neuen Kapelle am Umsiedlungsort Morschenich-Neu begonnen werden. Darin sollten dann die Muttergottes-Skulptur und liturgische Gegenstände wie der Tabernakel aus St. Lambertus integriert werden.

Das Gebiet des Dorfes Morschenich, in dem ursprünglich knapp 540 Einwohner lebten, soll nach Planungen des Energiekonzerns RWE etwa im Jahr 2025 für den Bergbau in Anspruch genommen werden. Nach den Empfehlungen der Kohlekommission zum Kohleausstieg fordern der Umweltverband BUND und Betroffene aus den Dörfern nun, die Umsiedlungen zu stoppen und die sieben Tagebaudörfer im Rheinischen Revier zu erhalten.

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