Kriminalität
Landgericht liegt dritte Anklage im Fall Lügde vor

Im Fall Lügde gibt es drei Haupttäter, die seit Anfang an im Mittelpunkt der Ermittlungen standen. Jetzt liegt dem Landgericht Detmold auch die dritte Anklage durch die Staatsanwaltschaft Detmold vor.

Donnerstag, 23.05.2019, 16:32 Uhr aktualisiert: 23.05.2019, 16:42 Uhr
Vor dem versiegelten Campingwagen hängt eine Banderole mit der Aufschrift: "Polizeiabsperrung". Foto: Guido Kirchner

Lügde/Detmold (dpa/lnw) - Im Fall des massenhaften Kindesmissbrauchs in Lügde in Nordrhein-Westfalen hat das Landgericht Detmold jetzt auch die dritte Anklageschrift erhalten. Das teilte ein Sprecher am Donnerstag in Detmold mit. Das Gericht werde dem 34-jährigen Beschuldigten die Anklage zuleiten und um Stellungnahme bitten. Details zu den Vorwürfen will das Gericht erst nennen, wenn die Anklage zugestellt ist. Nach den Erkenntnissen der Ermittler soll der Mann aus Steinheim bei Höxter ebenfalls Kinder auf dem Campingplatz missbraucht und dabei gefilmt haben.

Im Fall der beiden anderen Hauptbeschuldigten hat das Gericht bereits Details veröffentlicht. Demnach werden dem 56-jährigen Hauptverdächtigen von der Staatsanwaltschaft in der Anklage 293 Fälle vorgeworfen. Demnach soll sich der Mann unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie dem Besitz von kinderpornografischen Schriften verantworten.

Ein Komplize (49) des Mannes aus Stade in Niedersachsen ist mitangeklagt, weil er unter anderem in mindestens vier Fällen an Webcam-Übertragungen des Dauercampers teilgenommen haben soll. Teilweise soll er den Hauptverdächtigen vorher ausdrücklich zum Missbrauch aufgefordert haben. Darüber hinaus sollen bei dem Mann aus Stade im Januar 2019 42 719 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt gefunden worden sein.

Die Taten sollen im Sommer 1998 und seit Anfang des Jahres 2008 bis Dezember 2018 auf dem Campingplatz begangen worden sein, so das Gericht im Fall der ersten beiden Anklagen. Die Anklageschrift führt 22 Opfer auf, die im Zeitpunkt der Taten alle minderjährig waren. Außerdem soll der 56-Jährige laut Anklage im Dezember 2018 im Besitz von 879 Bild- und Videodateien mit kinderpornografischem Inhalt gewesen sein. Die Opfer stammen nach Angaben der Opferschutzbeauftragten des Landes Nordrhein-Westfalen aus Niedersachsen und NRW.

Am Donnerstag wurde dem 56-jährigen Hauptbeschuldigten im Landgericht Detmold ein mit den Vorwürfen aus der Anklage aktualisierter Haftbefehl verkündet. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm muss jetzt auf Basis dieser Angaben prüfen, ob er weiter in Untersuchungshaft bleiben kann. In Deutschland gilt für die U-Haft die sogenannte 6-Monats-Frist. Weil der Prozess im Fall Lügde voraussichtlich frühestens Ende Juni starten kann, würde diese Frist nach seiner Festnahme Anfang Dezember 2018 und dem Start der Hauptverhandlung jetzt ablaufen. Wegen der komplizierten und langwierigen Ermittlungen im Fall Lügde gilt die Bestätigung der U-Haft durch das OLG aber als sicher.

Im Fall des Angeklagten aus Stade hatte sein Verteidiger für Donnerstag einen Haftprüfungstermin beantragt. Nach Angaben des Landgerichts Detmolds ist dieser Termin von dem Rechtsanwalt ohne Angabe von Gründen abgesagt worden.

Nach Angaben von Gerichtssprecher Wolfram Wormuth sind bislang 16 Opfer als Nebenkläger zugelassen. Sie werden von neun Rechtsanwälten vertreten. Der Prozess könnte nach der bisherigen Planung am 27. Juni beginnen.

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