Wölfe könnten wieder heimisch werden
NRW auf dem Weg zum Wolfsland

Im Kreis Wesel scheint eine Wölfin sesshaft geworden zu sein - und das könnte Konsequenzen haben. Vielleicht ist Nordrhein-Westfalen schon bald wieder offiziell ein Wolfsland.

Montag, 24.09.2018, 10:54 Uhr
Wölfe könnten in Nordrhein-Westfalen bald wieder heimisch sein. Es scheint, als sei eine Wölfin im Kreis Wesel standorttreu. Foto: Symbolfoto: Gunnar A. Pier

Bleibt er oder geht er? Diese Frage beschäftigt viele Menschen im Kreis Wesel. Gemeint ist der Wolf. Seit April wurden in der Region mehrfach Schafe gerissen. Das Ergebnis der DNA-Tests ist eindeutig: Es handelt sich stets um die gleiche Wölfin. Sollte das Tier im Kreis Wesel tatsächlich sesshaft werden, könnte das Konsequenzen haben. Nordrhein-Westfalen würde zum Wolfsland werden. Dann hieße es ganz offiziell: Der Wolf ist zurück.

Wolfssichtung auch im Münsterland

Für den Naturschutzbund Nabu in Nordrhein-Westfalen wäre das eine erfreuliche Entwicklung. Der letzte Wolf ist auf nordrhein-westfälischem Grund vor über 180 Jahren erlegt worden. Dann war es um das Wildtier lange still - bis es 2009 den ersten bestätigten Wolfsnachweis gab. Die Sichtungen wurden häufiger, von 2016 bis April 2018 hat es laut Nabu 36 gegeben. Unter anderem auch im Münsterland. Im Januar 2018 hat ein Autofahrer zwischen Sendenhorst und Albersloh im Kreis Warendorf auf einer Ackerfläche einen Wolf entdeckt - und einen Schnappschuss gemacht. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) bestätigte, dass es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt habe. Die Experten des Nabu NRW sind sich auch aufgrund solcher Beobachtungen sicher, dass NRW dauerhaft wieder zum Wolfsland wird.

Wolfsnachweise in NRW seit 2009
Foto: Grafik: Nicole Stock/Nabu NRW

Einige Bundesländer werden bereits als Wolfsländer bezeichnet. In Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern ist der Wolf mittlerweile zu Hause. In Deutschland lebten 2017 laut Nabu wieder 73 Rudel und Paare, das entspricht etwa 500 bis 700 Tieren. Auch die Zahl der bestätigten Wolfsnachweise - zum Beispiel durch DNA-Spuren oder Wildtier-Kameras - steigt an.

Seit 2009 besuchen uns in Nordrhein-Westfalen immer wieder einzelne Wölfe, die nie länger an einem Ort geblieben sind und dann wieder verschwanden.

NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser

Damit NRW wieder ein Wolfsland wird, muss die Wölfin tatsächlich dauerhaft dem niederrheinischen Kreis Wesel treu bleiben. Das hat das Lanuv als zuständige Behörde bestätigt. Laut NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser werde derzeit zahlreichen Hinweisen nachgegangen. Sei die Wölfin tatsächlich standorttreu, sei dies eine neue Entwicklung, so Heinen-Esser in einer Mitteilung des Lanuv: "Seit 2009 besuchen uns in Nordrhein-Westfalen immer wieder einzelne Wölfe, die nie länger an einem Ort geblieben sind und dann wieder verschwanden." Das könne sich nun ändern.

Vor allem für Halter von Nutztieren würde das große Veränderungen mit sich bringen. Bisher zahlt das Land NRW für einen Schaden, der nachgewiesen durch einen Wolf entstanden ist. Wird NRW zum Wolfsland, unterstützt das Bundesland Vorsorgemaßnahmen. Als besonders hilfreich gelten laut Nabu ausgebildete Herdenschutzhunde und spezielle Zäune.

Woran erkennt man einen Wolf?

Die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF nennt unter anderem diese Merkmale, an denen ein Wolf zu erkennen ist:
- dunkle Rutenspitze
- gerader und dunkler Rücken
- schräge Augen
- dreieckige und leicht abgerundete Ohren
- lange Schnauze
- lange, hohe Beine
- helles Fell an Hals und Unterbauch

...

Die Rückkehr des Wolfes ist ein emotionales Thema. Doch die Mehrheit der Menschen in Deutschland freut sich, dass der Wolf zurückkehrt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag des Nabu in diesem Frühjahr durchgeführt hat. Demnach verbinden 55 Prozent der Deutschen positive Gefühle mit dem Wolf, bei nur zwölf Prozent kommen negative Empfindungen zum Tragen, so eine Mitteilung des Nabu. 78 Prozent sagen, dass Wölfe in Deutschland leben können sollen, auch falls es teilweise zu Problemen käme. Die hohe Zustimmung betreffe sowohl Bewohner im städtischen Umfeld wie im ländichen Raum.

Diskussion in der Politik

Auf politischer Ebene und auch bei Haltern von Nutztieren sowie Jägern wird die Rückkehr des Wolfes kritisch gesehen. Der Deutsche Jagdverband forderte im April, den Wolf in das Bundesjagdgesetz aufzunehmen, um bundesweit einheitliche Regelungen im künftigen Umgang mit dem Wolf treffen zu können. Unterstützung gibt es dazu im Bundestag von der FDP, während die Grünen für einen umfassenden Schutz werben. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag unter anderem festgehalten, dass die Ausbreitung der Wölfe stärker kontrolliert werden soll. Außerdem sollen Nutztiere besser vor Angriffen geschützt werden.

Ob und wann Nordrhein-Westfalen zum Wolfsland wird, ist am Ende eine Entscheidung des Lanuv. Laut Recherche von RP Online könnte diese aber schon im laufenden Jahr getroffen werden.

Was muss ich tun, wenn ich einem Wolf begegne?

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) sagt, dass Angriffe von gesunden freilebenden Wölfen auf Menschen in Deutschland nicht dokumentiert sind. Es sei zudem sehr selten, einen Wolf aus der Nähe zu sehen. Kommt es dennoch zu einem Zusammentreffen, rät das Landesamt auf seiner Homepage:
- Nicht versuchen, Wölfe anzufassen oder zu füttern.
- Nicht weglaufen, sondern stehen bleiben.
- Langsam zurückziehen, um den Abstand zu vergrößern.
- Wolf durch lautes Ansprechen oder Klatschen vertreiben.
- Wolfssichtungen sollen dem Lanuv gemeldet werden.

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