Wirtschaft kreativ
Keine Chance für die Schaulust: Gronauer Metallbauer fertigt mobile Sichtschutzanlagen

Gronau -

Die besten Ideen sind oftmals die, bei denen sich alle hinterher an die Stirn fassen und sagen: „Warum sind wir da nicht schon viel früher drauf gekommen.“ Markus Konermann aus Ochtrup hatte so eine. Der ehemalige Berufsfeuerwehr-Mann und gegenwärtige Brandschutz-Trainer hat zusammen mit dem Metallbauer Jürgen Duesmann ein „Gaffer-Gate“ entwickelt. Das ist ein von Einsatzkräften an jeder Unfallstelle leicht zu montierender Sichtschutz, der allzu neugierigen Zeitgenossen den Blick auf Unfallstellen und Unfallopfer verwehrt.

Montag, 23.11.2015, 17:11 Uhr

Jürgen Duesmann (l.) und Markus Konermann mit einem Gaffer-Gate-Dummy. Der Stoff ist individuell bedruckbar.
Jürgen Duesmann (l.) und Markus Konermann mit einem Gaffer-Gate-Dummy. Der Stoff ist individuell bedruckbar. Foto: Wilfried Gerharz

Gaffer nerven. Vor allem dann, wenn sie nach einem Unfall ihr Handy zücken und ohne alle Hemmungen filmen oder fotografieren. Das ist zwar verboten und darf von der Poli zei sanktioniert werden. Nur: Haben die Beamten in solchen Situationen meistens anderes zu tun, als sich um Schaulustige zu kümmern. Konermann kennt solche Szenen, und er kennt auch die Klagen der früheren Kollegen. Die mangels Alternativen verletzte oder hilflose Personen nicht selten mit Decken abschirmen.

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Vor einem Vierteljahr etwa hatte er die Idee. Wie wäre es, einen Sichtschutz zu bauen, der einfach und universal zu montieren, effektiv, leicht und klein zu verpacken, nicht wirklich teuer und damit auf jedem Einsatzwagen mitzuführen ist?

Einen Sichtschutz für Notfälle? „Das wäre sehr wünschenswert“, sagt Christoph Schöneborn vom Landesfeuerwehrverbandes in Wuppertal. Der Geschäftsführer wählt den Konjunktiv, weil die Erfindung aus dem Kreis Steinfurt noch zu neu ist, als dass er von ihr wissen könn te. Die Einsatzkräfte, so Schöneborn weiter, seien nämlich verpflichtet „die Persönlichkeitsrechte von Unfallopfern zu schützen“, sagt er.

Um das gewährleisten zu können, stehen seit ein paar Monaten bei den Niederlassungen der Landesbetriebe Straßen NRW Sichtschutzzäune. „Die müssen aber jedes Mal zum Unfallort gefahren werden“, sagt der Feuerwehrchef. Das kostet Zeit, und ist oft vergebens, weil zu spät. Gaffer- Gates direkt auf den Einsatzwagen: „Das wäre aus Sicht der Feuerwehr eine echte Hilfe.“ An dieser Stelle kommt Jürgen Duesmann ins Spiel. Der 46-Jährige wohnt ebenfalls in Ochtrup, ist ein alter Bekannter Konermanns und hat sich vor drei Jahren mit seinem Metallbau-Betrieb in Gronau selbstständig gemacht. Die beiden steckten also die Köpfe zusammen, „verwandten Hirnschmalz“, wie Duesmann sagt, tüftelten, schweißten, sägten, flexten, schraubten und hatten am Ende ein erstes Gaffer-Gate-Modell in der Halle stehen. Das ist eigentlich simpel, wartet aber doch mit ein paar Besonderheiten auf.

Duesmann und Konermann erklären: Dass die Halterungen so konstruiert sind, dass sie leicht auf jede Leitplanke oder Au­tobahn-Betonwand montiert werden können. Dass es zudem Metallständer gebe, die durch das Rad eines Einsatzwagens fixiert werden könnten, dass die Stangen stabil – und der individuell bedruckbare Sichtschutz „natürlich brandsicher, aber luftdurchlässig ist“, die ganze Kons­truktion „fünf Meter lang und individuell verlängerbar“ sei. Und im Übrigen vom Textil unternehmen Hagemann aus – natürlich – Ochtrup ge­­fertigt wurde.

Konermann hat seine Erfindung unlängst einem großen Feuerwehr-Ausstatter aus der Pfalz vorgestellt. Der hat das Gaffer-Gate sofort ins Programm aufgenommen.

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