Menschen im Münsterland wählten Kulturgüter für eine digitale „Arche“ aus
Vom Mischpult bis zum Grubenpferd

Münsterland -

In Ibbenbüren ist es der Dampfhaspel aus dem Bergbau geworden, in Borken die traditionelle Maitremsenfeier, in Ahlen ein Hochrad und in Münster ein Grubenpferd: Diese und 25 weitere Kulturgüter – Objekte, Gebäude, Ideen und Bräuche – haben Museumsbesucher bei einer Münsterland-weiten Mitmach-Aktion als bewahrenswert ausgewählt. Sie sollen nun digitalisiert und in einer mobilen virtuellen Ausstellung zusammengeführt werden.

Mittwoch, 06.02.2019, 16:02 Uhr
Dieses analoge Mischpult, zu finden im Rock’n’Popmuseum Gronau, stammt aus dem legendären Aufnahmestudio der deutschen Avantgarde-Band „Can“ in Köln-Weilerswist. Das Tonstudio wurde 1971 in einem ehemaligen Kinosaal in Betrieb genommen. Foto: RocknPopmuseum Gronau

Hinter der Aktion steht das Kooperationsprojekt „Apokalypse Münsterland“. Unter der Leitung des Münsterland e.V. wurde im Oktober 2018 bei der Vorstellung des Projektes folgendes fiktive Szenario bemüht: Die Zukunft hat ihre Kultur verloren und funkt nun ein SOS an die Gegenwart, ihr aus der Patsche zu helfen. Was würden die Menschen wohl wählen?

Ausgewählte Exponate

Forum Altes Rathaus Borken: Maitremsen-FeierHeimatverein Alte Windmühle Reken: WindmühleKultur und lebendige Tradition Westmünsterland, Vreden: PerlenkaselMedizin-/Apothekenmuseum Rhede: TretbohrerRock’n’popmuseum Gronau: Analoges MischpultStadtmuseum Bocholt: Kupferstich „Auferstehung“Stiftsmuseum Asbeck, Legden: KreuzganggalerieKreis Coesfeld:Sandstein-Museum, Havixbeck: MeisterstückBurg Hülshoff, Havixbeck: Brücke zur GräfteninselKreis Steinfurt:Bergbaumuseum Ibbenbüren: DampfhaspelKunsthaus Kloster Gravenhorst, Hörstel: Projektstipendium Kunst-KommunikationBauhaus-Museum, Steinfurt: Bild „Selbstbeschreibung“Museum Kloster Bentlage, Rheine: ReliquiengärtenPuppen- und Spielzeugmuseum, Ochtrup: PuppenstubeTöpfereimuseum, Ochtrup: Film „Was macht eigentlich der Töpfer?“Stiftsmuseum Leeden, Tecklenburg: WebstuhlKreis Warendorf:Heimatmuseum Ahlen: HochradMuseum Abtei Liesborn, Wadersloh: Gemälde „Ohnmacht Mariens“Haus Nottbeck, Oelde: Das Literaturmuseum als „Türöffner“Religio, Telgte: HungertuchZement-Museum in der Köttings-Mühle, Beckum: ArbeiterfigurStadt Münster:Archäologisches Museum: VolutenkraterGeomuseum: MammutGeschichtsort Villa ten Hompel: Video „Wiedergutmachung“Lepramuseum: LeprapuppeNaturkundemuseum: Erster und letzter WolfMühlenhof-Freilichtmuseum: MühlenhausWestfälisches Pferdemuseum im Allwetterzoo: Grubenpferd

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Inzwischen hat das Münsterland gewählt. Von Oktober bis Dezember 2018 hatten die Besucher in 28 Museen im Münsterland, die sich zuvor beworben hatten, die Qual der Wahl. Per Stimmzettel durften sie auswählen, welches Exponat für sie als bewahrenswert für die Zukunft gilt. Über 2000 Besucher machten nach Aussage von Projektleiterin Kathrin Strotmann vom Münsterland e.V. von der Mitsprache gebrauch. „Wir freuen uns über die bunte, wilde Mischung von Kulturgütern, die ausgewählt wurden“, erklärte sie in einer Mitteilung des Vereins. „Das Ergebnis ist so facettenreich wie unsere Region und unsere Museumslandschaft selbst.“

Im nächsten Schritt werden die 28 Kulturgüter unter dem Motto „Museum der Zukunft“ nun von Studierenden der Fachhochschule Münster, Fachbereich Architektur, digitalisiert und virtuell inszeniert. Sie scannen die Materialien mithilfe des 3D-Objektscanners „EVA“ ein, der im vergangenen Oktober am Leonardo-Campus vor einer staunenden Schar von Pressevertretern seinen Testlauf absolvierte. Auch eine Agentur für Kommunikationsdesign und Szenografie (Bok + Gärtner) und das FabLab Münster sind Kooperationspartner des ambitionierten Projektes.

Im Sommer wird die digitale Ausstellung dann durch die Region touren – in einem mobilen Container, der als „Kultur-Arche“ fungiert. Das Ergebnis, so hoffen die Initiatoren des Projektes: Das Publikum erlebt womöglich eine zukunftsweisende futuristische Ausstellung, während sich die Kulturinstitutionen – über ihre digitalen Botschafter – vielleicht neue Besucherkreise erschließen. 

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