Heute vor 50 Jahren gaben die Beatles ein letztes Konzert
Da stand plötzlich halb London still

Münster/London -

Musikfans werden es nicht vergessen; denn die Szene hatte etwas Surreales. An jenem kalten, grauen 30. Januar 1969 versammelten sich die Beatles, die sieben Jahre zuvor mit ihrer ersten Single mit dem Titel „Love Me Do“ den Durchbruch gefeiert hatten, zu einem letzten, inoffiziellen Konzert. Und zwar auf dem Dach eines Hauses mitten in London. Paul McCartney erinnert sich an die Szenerie, wie das Magazin „RollingStone“ schreibt, mit folgenden Worten: „Es war schon ein seltsamer Auftrittsort. Außerdem hatten wir dort oben kaum Publikum, nur ein paar Leute. So spielten wir buchstäblich das Nichts an. Vor uns war nur der Himmel. Es war schön.“

Dienstag, 29.01.2019, 15:54 Uhr
Paul McCartney, John Lennon, Ringo Starr und George Harrison (v.l.). Am 30. Januar 1969 trat die Gruppe zum letzten Mal bei einem Konzert gemeinsam öffentlich auf. Foto: dpa

Pünktlich zur Mittagszeit begannen die vier Herren ohne große Vorankündigung zu spielen. Kein Wunder, dass sich zahllose Schaulustige in den Straßen versammelten und sogar auf die Dächer stiegen, um die Beatles sehen zu können. Es drohte ein Verkehrschaos, und prompt erschien die Polizei auf dem Dach. Nach 42 Minuten wurde das „Rooftop-Concert“ aufgelöst.

Dieser letzte Gig der Beatles, Teil eines Filmprojekts, das die Entstehung des Albums „Get Back“ dokumentieren sollte, ist in die Annalen der Rockmusik eingegangen. Eigentlich mehr noch als das letzte offizielle Konzert in San Francisco, das die Pilzköpfe Ende August 1966 in Los Angeles zelebrierten. Am 12. August 1966 hatten die jungen Briten in Chicago ihre vierte US-Tournee gestartet. Unglaubliche Sicherheitsvorkehrungen und die Tatsache, dass durch Krach und Geschrei während der Auftritte in der Regel kaum noch Musik zu hören war, sorgten bei den Gruppenmitgliedern zunehmend für Verdrossenheit. Nervenzerfetzende Pressekonferenzen, Plattenverbrennungen und Demonstrationen des Ku-Klux-Klans brachten das Fass zum Überlaufen. So entschloss sich die Gruppe, künftig nicht mehr auf Tournee zu gehen und ihre Arbeit ins Studio zu verlegen. Die Tournee endete mithin am 29. August 1966 mit einem Konzert vor 25 000 Zuschauern und Zuhörern im Candle­stick Park von San Francisco. Eintrittspreis: fünf US-Dollar. Es sollte also nur noch ein einziger „Spontanauftritt“ folgen, der allerdings den Zerfall der Band, der bis Ende 1969 zementiert war, nicht aufhalten konnte. „Wir hätten natürlich auch in der Sahara auftreten können“, sagte Ringo Starr später. Aber wir mussten halt auch das ganze Equipment mitschleppen. Also dachten wir uns: Rauf aufs Dach.“

Fünf Kameras waren, wie das Magazin „RollingStone“ schreibt, auf dem Dach installiert, dazu Kameras auf der anderen Straßenseite. Zur Mittagszeit ging der Zirkus los. Soundmixer Dave Harries: „Wir wollten wirklich den Verkehr aufhalten, das ganze West End einfach umblasen.“ Der Verkehr in den umliegenden Straßen erlahmte. Die Polizei kam, bereits nach 42 Minuten war der letzte Auftritt der Beatles Geschichte.

So kurz vor ihrer Trennung hatten die Beatles, die sich damals in aller Öffentlichkeit stritten, immerhin Frieden für einen Tag. Und dann gingen sie ihre eigenen Wege.

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Mit dem „Rooftop-Concert“ beginnt auch das Beatles-Musical „All you need is love!“, das vom 30. Januar bis zum 17. Februar im Estrel Berlin zu sehen ist.

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