Der Pianist Fazil Say bei Schoneberg
Eruptionen und unterirdische Welten

Münster -

Der Konzertbesucher kennt „seine“ Beethoven-Sonaten, weil er sie seit etlichen Jahren immer wieder hört. Da ist es gut, wenn ein Pianist wie Fazil Say sich an den Flügel setzt und man bei Filetstücken wie „Les Adieux­“ oder der „Pathétique“ auf einmal die Ohren spitzt. So wie beim Schoneberg-Konzert am Sonntag.

Montag, 21.01.2019, 15:46 Uhr
Fazil Say Foto: marco borggreve

Dabei macht der 1970 in Ankara geborene Interpret, nachdem er ganz unprätentiös die Klavierbank eingenommen und die Finger auf die Tasten gelegt hat, gar nicht so viel Spektakuläres, gar Unorthodoxes mit den Partituren. Und doch geht von seinem Spiel eine Sogwirkung aus. Die Musik blüht auf, bekommt eine geradezu ansteckende Lebendigkeit, Steigerungen bis hin zu vulkanhaften Ausbrüchen eingeschlossen. Dynamisch wandelt Fazil Say ohnehin gern auf extremen Wegen, vom subtilen Pianissimo wie im Pathétique-Adagio bis zum donnernden Finale in „Les Adieux“. Unwillkürlich stellt sich das Gefühl ein: Ja, so kann, so muss Beethoven klingen.

Say hat diese Solitäre der Klavierliteratur in sich aufgesogen, sie sind in Kopf und Seele gleichermaßen eingedrungen. Und heraus kommt ein Klangereignis von überzeugender organischer Wirkung. Immer wieder kreist ein Finger insistierend auf der Taste, so wie beim Vibrato auf der Saite eines Streichers. Einen Effekt ergibt dies zwar nicht – aber es dürfte den Pianisten im konkreten Augenblick inspirieren, ähnlich wie die dirigierenden Bewegungen der linken Hand, wenn sie gerade mal Pause hat.

Genauso elektrisiert Fazil Says Debussy-Erforschung, die einer Suche nach über- und unterirdischen Welten gleicht, in der „versunkenen Kathedrale“ nicht minder als in den kraftvollen „Ministrels“ oder dem derben Tanz, den Shakespeares Puck vollführt. Bodenständig nicht zuletzt Says eigene Kompositionen am Ende seines mit rasendem Applaus belohnten Schoneberg-Auftritts. Von poesievoller Idylle bis hin zu aufgekratzt motorischer Bewegung schlägt er den Bogen, inspiriert von Momenten aus der Geschichte seines eigenen Volkes, von ihn prägenden Künstlerpersönlichkeiten. Und der Konzertflügel wird mächtig befeuert mit einer Mischung aus Strawinsky, Schostakowitsch, auch Rachmaninow. Zeitgenössische Musik, die niemanden verschreckt.

Fazil Says Violinkonzert steht übrigens auf dem Programm des Konzertes des Sinfonieorchesters Münster in der übernächsten Woche.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6337178?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F3825912%2F
Engpässe am Ring wirken sich auf Pendler-Verkehr aus
Bauarbeiten ab Montag: Engpässe am Ring wirken sich auf Pendler-Verkehr aus
Nachrichten-Ticker