„Grand Tour“ beim Erbdrostenhof-Konzert
Unglaublich viel gute Musik

Münster -

Globalisierung ist eine Erfindung der letzten dreißig, vierzig Jahre? Ach was! Wenn im Italien des ausgehenden 17. Jahrhundert ein Promi-Komponist wie Arcangelo Corelli einen neuen Hit auf den Markt gebracht hatte, wusste das wenig später die halbe Welt. Auch ohne Smartphone und Skype. Und die neuen Noten kursierten schnell in allen interessierten Kreisen.

Dienstag, 08.01.2019, 15:50 Uhr aktualisiert: 09.01.2019, 17:00 Uhr
Dorothee Oberlinger und Gregor Hollmann gingen im Erbdrostenhof auf eine spannende musikalische Reise. Foto: cws

Einen Blick auf diese „vernetzte“ Welt des Früh- und Hochbarock warfen Dorothee Oberlinger und Gregor Hollmann bei ihrem Erbdrostenhofkonzert am Montag. Exemplarisch festgemacht an faszinierender Musik für ihre Instrumente: die Blockflöte und das Cembalo. Da gab es Spanisches, Französisches, Englisches – Musik, die vor Lebendigkeit nur strotzte, und solche, die in tiefster Melancholie zerfloss. Und es wurde spürbar, wie sich Traditionen verschiedener Länder und Regionen miteinander verbunden hatten, ausgelöst durch den Umstand, dass Musiker und Komponisten schon immer reisefreudige Zeitgenossen waren. Heute funktioniert das per Mausklick, damals ging Surfen nur per Pferdekutsche oder Segelschiff. Das Ergebnis war und ist dasselbe, denn man wusste und weiß viel voneinander. Sich umfassend zu bilden, war auch Ziel der Söhne des europäischen Adels, die sich durch ganz Europa bewegten. „Grand Tour“ hieß diese pädagogische Maßnahme, und so war auch das Konzert von Oberlinger und Hollmann überschrieben.

Ganz abseits der interessanten Befunde stilistischer Analysen – an diesem Abend gab es an erster Stelle schlicht und einfach unglaublich viel gute Musik zu hören. Zum einen, weil mit Dorothee Oberlinger und Gregor Hollmann zwei absolut brillante Künstler auf dem Podium agierten, die sich blendend verstehen. Zum anderen, weil die Auswahl der Werke so farbig geriet. So stand die sonnige Musik eines Jacques Hotteterre neben der klagenden von Giovanni Spadi. Urwüchsig tänzelte die Flöte in James Oswalds „The reel of Tulloch“ durch britische Wiesen, schlugen Variationen eines Anonymus von der Insel ihre Kapriolen. Und das Publikum staunte nicht schlecht, was auf einem vermeintlich einfachen Stück Holz alles möglich ist. Dorothee Oberlinger sei Dank.

Und wer meinte, Telemann und Händel schon gut zu kennen – die beiden gehören wie Corelli gewiss zum Kernrepertoire –, wurde um einige Erfahrung reicher. Denn es offenbarten sich Klangwelten, die zu erkunden nur wirklich meisterhaften Interpreten gelingt.Riesenbeifall gab es dafür im Erbdrostenhof.

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